Gesundheit für Kinder - Kinderkrankheiten, typische Leitbeschwerden, ihre Diagnose und Behandlung
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Entwicklungsstörungen

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 09. Juni 2009 um 09:49 Uhr
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Vom Verwöhnen

Verwöhnen ist ein Dauerbrenner. Generationen von Eltern, Schwiegereltern, Onkel, Tanten und Diplom-Pädagogen graben dieses Thema aus, wenn Kinder nicht so sind, wie sie angeblich sein sollen – wenn sie nicht schlafen, nicht richtig essen oder in der Schule die falschen Antworten ankreuzen.

Tatsächlich fragen sich die meisten Eltern irgendwann einmal: Wickelt mein Kind mich nicht ein? Kriegt es nicht mehr, als es haben sollte – bin ich dabei, mein Kind zu verwöhnen?

Wir sind davon überzeugt: Man kann Kinder verwöhnen. Allerdings nicht dadurch, dass man ihnen ihre Bedürfnisse entwicklungsgerecht erfüllt. Wer meint, er »verwöhne« ein Baby, indem er es tröstet, wenn es schreit, oder ihm generell die Zuwendung gibt, die Säuglinge nun einmal von ihren Erwachsenen brauchen, der sitzt einem Missverständnis auf. Entwicklungsgerecht erfüllte Bedürfnisse machen ein Kind nicht gierig nach immer mehr, sondern sie machen es zufrieden und zuversichtlich. Sie geben ihm Kraft. Sie sind das Sprungbrett für Selbstständigkeit.

Was wir häufig beobachten, ist dagegen Folgendes: Da werden die Bedürfnisse nicht in ihrem Entwicklungszusammenhang gesehen, da wird einem Säugling sein Wunsch nach inniger, sicherer Bindung versagt und er stattdessen über Gebühr mit süßem Tee ruhig gestellt. Oder das Kleinkind wird von allen Grenzen und Pflichten entlastet und so eigentlich sein Bedürfnis nach Selbstständigkeit ignoriert. Und das derart enttäuschte Kind fordert nun immer stärker, immer ungezielter, immer Ausgefalleneres, es fordert die Erfüllung von Ersatzbedürfnissen.

Dies ist das gierige, »verwöhnte«, nach rückwärts gewandte Kind, das keine Grenzen kennt, denn es ist innerlich nicht gefestigt und nicht zu seiner Zeit »satt« geworden. Es hat Wurzeln ohne Flügel oder Flügel ohne Wurzeln – und darüber ist es zu Recht frustriert, zornig und verzweifelt.


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Aktualisiert ( Mittwoch, den 26. August 2009 um 17:07 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München