Gesundheit für Kinder - Kinderkrankheiten, typische Leitbeschwerden, ihre Diagnose und Behandlung
Netzathleten Partner
  • Mein Kind ist krank
  • Selbsthilfe zuhause
  • Kindliche Entwicklung
  • Der kranke Säugling
  • Beschwerden und Maßnahmen
  • Kinderkrankheiten, Infektionen
  • Atemwege und Lunge
  • Herz und Kreislauf
  • Blut, Abwehr, Krebs
  • Mund, Zähne, Verdauung
  • Stoffwechsel und Hormondrüsen
  • Harnwege, Geschlechtsorgane
  • Knochen und Muskeln
  • Haut
  • Augen
  • Hals, Nase und Ohren
  • Gehirn und Nervensystem
  • Seelische Störungen
    • Hintergrundwissen
    • Autismus
    • Ängste und Angststörungen
    • Zwänge und Zwangsstörungen
    • Aggressionen
    • Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom
    • Schul- und Lernprobleme
    • Essstörungen
    • Hyperventilation
    • Depression
  • Krankheitshäufigkeiten
  • Gesundheit für Kinder als Buch
  • Gesundheit für Kinder als EPUB
  • Quellenliste
  • Datenschutz
  • Impressum

Einkoten

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Donnerstag, den 16. Juli 2009 um 15:35 Uhr

Unter Einkoten (= Enkopresis) versteht man den unkontrollierten Abgang von Stuhl bei Kindern, die an sich schon sauber sein sollten und dies teilweise auch schon waren.

Viele Kinder gehen im Kleinkindalter durch eine Phase, in der sie immer einmal wieder, z. B. beim Spielen, etwas »Land« in die Unterhose setzen – und sei es nur deshalb, weil der Sandkasten ein viel interessanterer Ort ist als das Klo.
Hinter dem echten, d. h. regelmäßigen und andauernden Einkoten steht jedoch mehr als nur Bequemlichkeit: So neigen vor allem Kinder mit chronischer Verstopfung zum Einkoten. Sitzt der harte Stuhl nämlich wie ein Stopfen im Mastdarm fest, so beginnt der Stuhl vor dem Hindernis zu vergären und sich zu verflüssigen. Er läuft nun unbemerkt an dem Stuhlpfropf vorbei – die Folge ist ein ständiges Stuhlschmieren (auch als paradoxer Durchfall bezeichnet), das die Kinder selbst oft gar nicht bemerken.
Ein solches Stuhlschmieren kann bei allen mit chronischer Verstopfung einhergehen­den Krankheiten vorkommen, vor allem bei der chronisch habituellen (gewohnheitsmäßigen) Verstopfung und dem Morbus Hirschsprung. Es kann, seltener, auch bei Kindern mit Erkrankungen der Rückenmarksnerven (z. B. Spina bifida) oder bei den extrem seltenen Fehlbildungen des Mastdarms beobachtet werden.

Dass beim Einkoten »volle Portionen« abgesetzt werden, ist eher selten und kommt etwa bei Kindern mit schwerer geistiger Be­hin­derung oder auch bei schweren Ver­hal­tens­störungen vor – im letzteren Fall dient das Einkoten im wahrsten Sinne des Wortes als »Ventil« aufgestauter Probleme.

Bevor jedoch das Verhalten eines Kindes, ein »ungünstiges Elternhaus« oder psychische Pro­bleme für das Einkoten ver­ant­wortlich ge­macht werden, sollte das Kind vom Kinderarzt genau untersucht werden. Kinder koten nicht monate- oder gar jahrelang ein, nur weil sie etwas Stress zu Hause haben! Schon viele Kinder wurden jahrelang wegen angeblicher »psychischer Probleme« behandelt, obwohl sie eigentlich an einer behandelbaren Form der Verstopfung litten. Dabei waren die psychischen Probleme dieser Kinder die Folge und nicht die Ursache des Einkotens. Wer würde bei einer solch stigmatisierenden und ausgrenzenden, jeden positiven Umgang mit anderen Kindern praktisch zunichte machenden Erkrankung nicht psychisch auffällig!

Aktualisiert ( Mittwoch, den 26. August 2009 um 15:49 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München