Gesundheit für Kinder - Kinderkrankheiten, typische Leitbeschwerden, ihre Diagnose und Behandlung
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Aggressionen, Aggressionsstörung

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Mittwoch, den 08. Oktober 2008 um 08:56 Uhr
Beitragsseiten
Aggressionen, Aggressionsstörung
Das Wichtigste aus der Medizin
Das macht der Arzt
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Aggressionen gehören zum naturgegebenen Verhaltensrepertoire des Menschen. Was als aggressives Verhalten gilt, ist dabei Ansichtssache: Während die einen Eltern eine Rauferei als »Aggression« ansehen, ist sie für andere Ausdruck »gesunden Durchsetzungswillens«. Zudem nehmen Aggressionen bei Jungen und Mädchen oft unterschiedliche Formen an: Jungen neigen eher zu körperlicher Aggression, Mädchen benutzen eher sprachliche Mittel, etwa um Beziehungen »anzugreifen«.

Abnorme Aggressionen haben für die Gruppe oder Gemeinschaft schädigende »Fernwirkungen« und werden dann als Aggressionsstörungen bezeichnet. Sie kommen bei etwa 5 % der Jungs eines Jahrgangs vor. Etwa ein Drittel davon sind später auch als Erwachsene nicht »gemeinschaftsfähig« (Psychologen sprechen von einer antisozialen Persönlichkeitsstörung).

Aggressionen sind bis zu einem bestimmten Grad normal
Ein gewisses Maß an Aggression ist normal und wird auch spielerisch eingesetzt, um sich etwa von dem anderen Geschlecht »abzugrenzen«.
[IMS]

Aggressionsstörung und Einfühlung

Die Forschung zeigt: Aggressionsgestörte Kinder können nicht nur ihre Impulse schlecht kontrollieren. Sie haben auch ein »Einfühlungsdefizit«: Sie nehmen die Befindlichkeit ihres Gegenübers schlecht wahr. »Sympathiesignale« werden dadurch leichter übersehen. Die Folge: Sie unterstellen dem Gegenüber rasch negative Motive und Feindseligkeit.


Das Wichtigste aus der Medizin

Teil der Entwicklung

Kinder agieren körperbetonter als Erwachsene. Bereits Kleinkinder versuchen, auf körperlichem Wege Bedürfnisse anzumelden und durchzusetzen. Ab dem Kindergartenalter verlassen sich zudem vor allem Jungs gerne auch auf »körperlichen Einsatz«, um ihre Position in der Gruppe festzulegen.

Grund zur Sorge?

Ab wann sich Eltern Sorgen machen sollten – die Antwort auf diese Frage hängt auch vom Temperament und der Entwicklungsphase des Kindes ab. Hinweise auf Aggressionsprobleme können sein:

  • Wenn Ihr Kind nicht nur gelegentlich in Raufereien verwickelt ist oder anderen etwas wegnimmt, sondern dies ein durchgehendes Verhaltensmuster über längere Zeit ist.
  • Wenn Ihr Kind sich selbst oder andere verletzt.
  • Wenn sich Ihr Kind auffällig gefühllos gegenüber anderen Kindern oder auch Tieren verhält und Sie merken, dass es die »Befindlichkeitssignale« von Kindern nicht einordnen kann, etwa: »Ich bin traurig«, »Ich brauche Hilfe« oder »Ich will dir nichts Böses tun.«
  • Wenn Ihr Kind in seiner Aggressivität die Kontrolle über sich selbst verliert, wenn es z. B. nicht aufhören kann zu schlagen, obwohl der andere schon aufgegeben hat oder am Boden liegt.

Ursachen liegen oft tief

Gewalt in den Medien kann Kinder beeinflussen
Medienkonsum mit Gewaltelementen macht Kinder auch im tatsächlichen Leben aggressiv. Das haben Studien zwar nicht für alle Kinder nachweisen können – aber für Risikokinder, die egal aus welchen Gründen zu aggressiven Verhaltensweisen neigen, stimmt es.
[ISP]

»Echte« Aggressionsstörungen reichen tief. Oft fallen die Kinder schon als Säuglinge durch ein »schwieriges Temperament« auf. Als Kleinkinder sind sie reizbar und zeigen mangelndes Einfühlungsvermögen in ihre Mitmenschen. Es wird angenommen, dass die Probleme dieser Kinder teilweise schon seit Geburt bestehen: Zum einen spielen genetische Faktoren eine gewisse Rolle, zum anderen auch ungünstige Einflüsse in der Schwangerschaft. Bekannt ist z. B., dass ein niedriges Geburtsgewicht und Mit-Rauchen in der Schwangerschaft das Risiko für eine Aggressionsstörung erhöhen.

Aggressivität kann – selten – auch Zeichen einer Hirnkrankheit, etwa eines Hirntumors, sein. Kinder mit einer unterdurchschnittlichen Intelligenz reagieren ebenfalls häufiger aggressiv – ihr Leben in der Leistungsgesellschaft ist nun einmal oft frustrierend.


Das macht der Arzt

 

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Aktualisiert ( Montag, den 09. Februar 2015 um 14:11 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München