Gesundheit für Kinder - Kinderkrankheiten, typische Leitbeschwerden, ihre Diagnose und Behandlung
Netzathleten Partner
  • Mein Kind ist krank
  • Selbsthilfe zuhause
  • Kindliche Entwicklung
  • Der kranke Säugling
  • Beschwerden und Maßnahmen
  • Kinderkrankheiten, Infektionen
  • Atemwege und Lunge
  • Herz und Kreislauf
  • Blut, Abwehr, Krebs
  • Mund, Zähne, Verdauung
  • Stoffwechsel und Hormondrüsen
  • Harnwege, Geschlechtsorgane
  • Knochen und Muskeln
  • Haut
  • Augen
  • Hals, Nase und Ohren
  • Gehirn und Nervensystem
  • Seelische Störungen
    • Hintergrundwissen
    • Autismus
    • Ängste und Angststörungen
    • Zwänge und Zwangsstörungen
    • Aggressionen
    • Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom
    • Schul- und Lernprobleme
    • Essstörungen
    • Hyperventilation
    • Depression
  • Krankheitshäufigkeiten
  • Gesundheit für Kinder als Buch
  • Gesundheit für Kinder als EPUB
  • Quellenliste
  • Datenschutz
  • Impressum

Autismus: Kanner-Syndrom und Asperger-Syndrom

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Mittwoch, den 08. Oktober 2008 um 08:52 Uhr
Beitragsseiten
Autismus: Kanner-Syndrom und Asperger-Syndrom
Das Wichtigste aus der Medizin
Das macht der Arzt
Alle Seiten
Häufigkeit: Häufigkeit 2 von 5: Eher selten

Autismus bezeichnet eine tief greifende kindliche Entwicklungsstörung, in deren Vordergrund eine Kontaktstörung steht mit der Unfähigkeit, normale zwischenmenschliche Beziehungen einzugehen.

Es gibt zwei Formen des Autismus – beide sind nach ihren Erstbeschreibern benannt: das schwerer wiegende Kanner-Syndrom, auch als frühkindlicher Autismus bezeichnet, und das Asperger-Syndrom (= autistische Persönlichkeitsstörung). Ob es sich dabei um zwei Varianten bzw. »Pole« der gleichen Störung oder zwei verschiedene Krankheiten handelt, ist noch immer offen.

Von Autismus betroffen sind etwa zwei von tausend Kindern. Dass die Erkrankung in den letzten 20 Jahren häufiger wurde, liegt vor allem an der heute besseren Erkennung. Die Erkrankung zeigt sich im späten Baby- oder frühen Kindesalter, Jungen sind viermal häufiger betroffen als Mädchen. Ein (zumindest teilweiser) erblicher Hintergrund gilt als sicher. Geschwister von autistischen Kindern haben etwa ein 5%iges Risiko, selbst autistisch zu sein.

Leitbeschwerden

  • Kanner-Syndrom: bei Babys kein Blickkontakt zu den Bezugspersonen, kein soziales Lächeln, wenig Imitation (z. B. Mitklatschen). Abwehrbewegungen beim Auf-den-Arm-Nehmen. Wenig emotionale Resonanz, keine vom Kind ausgehende Aufforderung zum Spiel, es bevorzugt das Alleinsein. Gestörte Sprachentwicklung, ständiges Wiederholen bestimmter Bewegungen (= Stereotypien), häufig sehr intensives Interesse an bestimmten Gegenständen (z. B. einem Spielzeugauto). Häufig Intelligenzminderung
  • Asperger-Syndrom: bezüglich der Kontaktstörung ähnliche Zeichen wie beim Kanner-Syndrom, Symptome jedoch insgesamt leichter und später auftretend. Normale Sprachentwicklung und Intelligenz, oft mit einer besonderen Begabung in Spezialbereichen (wie etwa Mathematik)

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn

  • Sie mehrere der im Kasten genannten Merkmale bei Ihrem Kind beobachten.

Das Wichtigste aus der Medizin

Woher kommt Autismus?

Die genaue Ursache des Autismus ist bis heute ungeklärt, bei beiden Formen werden jedoch neurologische Auffälligkeiten beobachtet, die für eine gestörte Entwicklung und Verkabelung des Gehirns schon im Mutterleib sprechen. Eine erbliche Veranlagung spielt dabei mit Sicherheit eine Rolle.

Manche Gehirnforscher vermuten, dass Autismus der Ausdruck eines »extrem männlich geprägten«, übersystematisierenden Gehirns sei. Sie stützen sich dabei auf Erkenntnisse, nach denen sich schon im Mutterleib unter dem Einfluss kindlicher Geschlechtshormone verschiedene »Hirntypen« mit unterschiedlichen Denk- und Empfindungsweisen ausbilden. Diese Theorie wird vor allem von Simon Baron-Cohen vertreten (siehe Infobox).

Zwei Dinge gelten heute als sicher:

Zum einen: Der Autismus ist nicht, wie früher angenommen, darauf zurückzuführen, dass die Eltern ihrem Baby im ersten Lebensjahr zu wenig Liebe geschenkt haben. Vorwürfe diesbezüglich entbehren jeder Grundlage! Der Autismus ist keine Reaktion auf frühkindliche Erlebnisse, sondern eine kinderneurologische Erkrankung.

Zum Zweiten: Es gibt keinen Zusammenhang mit Impfungen, auch wenn das immer wieder behauptet wird. Untersuchungen haben diesen Verdacht – unseres Erachtens zweifelsfrei – ausgeräumt.

Früh und schwer: das Kanner-Syndrom

Babys mit einem Kanner-Syndrom fallen dadurch auf, dass sie nicht wie normale Babys den Blickkontakt zu ihren Eltern suchen. Oftmals wehren sie sich, wenn ihre Eltern sie auf den Arm nehmen und mit ihnen schmusen möchten. Später ahmen die Kinder ihre Bezugspersonen nicht nach und bleiben in ihrer Sprachentwicklung zurück, etwa die Hälfte lernt gar nicht sprechen. Die Kinder wiederholen bestimmte Bewegung zigmal, drehen etwa einen Bauklotz immer hin und her, ohne aber etwas zu bauen. Sie zeigen oft eine außergewöhnliche Bindung an bestimmte Gegenstände oder Räume und reagieren auf Veränderungen nicht selten panisch.

Später und leichter: das Asperger-Syndrom

Auch beim Asperger-Syndrom ist die Beziehungsfähigkeit des Kindes gestört und sein »Interessenhorizont« eingeengt, jedoch insgesamt weniger stark, so dass diese Form meist erst später festgestellt wird. Im Gegensatz zum Kanner-Syndrom ist bei Kindern mit einem Asperger-Syndrom die Sprachentwicklung nicht gestört, die Kinder lernen typischerweise erst sprechen und dann laufen. Die Intelligenz ist normal, in Teilbereichen zeigen die Kinder teils sogar extreme Fähigkeiten (so wird z. B. vermutet, dass Albert Einstein autistisch veranlagt war).

Begleitend bestehen überdurchschnittlich oft Zwänge, Tics oder eine auffällige Unruhe, die das Zusammenleben mit dem Kind zusätzlich erschweren.


Das macht der Arzt

 

» Hier weiterlesen

 

Aktualisiert ( Montag, den 09. Februar 2015 um 14:10 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München