Gesundheit für Kinder - Kinderkrankheiten, typische Leitbeschwerden, ihre Diagnose und Behandlung
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Schul- und Lernprobleme - Teilleistungsschwächen

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Mittwoch, den 08. Oktober 2008 um 08:58 Uhr
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Teilleistungsschwächen

Bei Teilleistungsschwächen (= umschriebenen Entwicklungsstörungen) bestehen Funktionsschwächen in bestimmten Teilbereichen des Denkens, Fühlens oder Sprechens. Bei stärker ausgeprägten Formen wird auch von einer Teilleistungsstörung gesprochen. Trotz normaler Intelligenz können diese Kinder das Lerntempo der Klasse auf Dauer nicht mithalten.

Die genauen Ursache sind bis heute unklar, eine ganz entscheidende Rolle spielen sicherlich erbliche Anlagen: Hat ein Kind etwa einen Elternteil oder ein Geschwisterkind z. B. mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche, so hat es eine Wahrscheinlichkeit von etwa 40–50 %, selbst davon betroffen zu sein.

Lese- und Rechtschreibstörung

Legasthenie belastet die Persönlichkeit des Kindes
Legasthenie bringt dem Kind nicht nur schlechtere Schulnoten ein, sondern es verliert oft genug auch den Spaß am Lernen und die positive Einstellung zu sich selbst. Das wichtigste Ziel ist deshalb die Unterstützung der Persönlichkeit des Kindes und nicht das »Ãœben wie blöd«, das oft genug gar nichts ausrichtet.
[NHP]

Bei der Lese- und Rechtschreibstörung (kurz LRS), auch als Dyslexie oder Legasthenie bezeichnet, besteht eine Teilleistungsstörung des Lesens und Schreibens. In der Folge können aber die Noten in fast allen Schulfächern absinken, da Lesen und Schreiben praktisch überall gebraucht werden (beispielsweise in der Mathematik bei Textaufgaben).

Die Häufigkeit einer Lese- und Rechtschreibstörung wird auf rund 5 % geschätzt (das sind immerhin 40000 Kinder jedes Jahrgangs!), wobei Jungen dreimal häufiger betroffen sind als Mädchen.

In leichten Fällen oder bei hoher Intelligenz kann das Kind seine Störung z. B. durch Auswendiglernen oder rasches Kombinieren kaschieren, so dass die Störung erst im dritten oder gar vierten Grundschuljahr »richtig« auffällt.

Warnzeichen einer LRS

  • Eine auffällig große Diskrepanz zwischen den Lese- und Schreibfertigkeiten eines Kindes und seinen übrigen geistigen und schulischen Fähigkeiten.
  • Im sprachlichen Bereich vor allem die Verwechslung ähnlich klingender Laute (z. B. d/t) oder ähnlich aussehender Buchstaben (d/b), das Auslassen und »Verdrehen« von Buchstaben (»nud« statt »und«). Das Kind erkennt zudem nicht, wenn das »Gelesene« keinen Sinn ergibt.

Auffällig sind schon Kleinkinder

Aber auch schon bei Kleinkindern gibt es eine Reihe von Warnsignalen, die auf eine spätere Lese-Rechtschreibschwäche hindeuten können:

  • Das Kind hat womöglich Schwierigkeiten beim Zuhören.
  • Es zeigt kaum Bereitschaft Wörter nachzusprechen.
  • Das Kind kann Informationen nur aufnehmen, wenn es direkt angesprochen wird.
  • Das Kind hat ein schlechtes Gedächtnis für Wochentage, Farben und Namen (»Sieb im Kopf«).
  • Das Kind kann sich auch kürzeste Gedichte und Reime nicht merken.

Heute kann der Verdacht ggf. durch einfache und »spielerische« Test-Verfahren wie etwa das »Bielefelder Screening zur Früherkennung von Lese-Rechtschreibschwierigkeiten« erhärtet werden, die auch in immer mehr Kindergärten routinemäßig durchgeführt werden. Leider sind diese Tests nicht 100 % zielgenau: Fast jedes fünfte Kindergartenkind zeigt auffällige Ergebnisse, wobei dann nur ein Fünftel davon später tatsächlich eine Lese-Rechtschreibstörung entwickelt.

Rechenstörung

Die Rechenstörung (= Dyskalkulie, Arithmasthenie) ist eine umschriebene Störung im mathematischen Bereich. Sie ist seltener als die LRS, Mädchen sind etwas häufiger betroffen als Jungen.

Die Fehler bei einer Rechenstörung sind weniger charakteristisch als bei einer Lese- und Rechtschreibstörung, oft sind sie mit Problemen im abstrakten Denken verbunden. Aufmerksam werden sollten Sie:

  • Wenn ein jüngeres Kind »irgendwie gar kein Verständnis« für Zeit-, Größen- oder Mengenangaben hat und sich in Kindergarten oder Grundschule extrem schwer mit dem Erlernen der Uhr tut.
  • Wenn ein Schulkind nach der ersten Klasse noch die Finger zum Rechnen benutzt, die Reihenfolge der Ziffern vertauscht, die Grundrechenarten falsch benutzt (z. B. plus statt mal), ständig bei Einer-, Zehner- und Hunderterstellen Fehler macht oder nicht einschätzen kann, ob sein Ergebnis ungefähr richtig ist.

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Aktualisiert ( Montag, den 09. Februar 2015 um 14:12 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München