Gesundheit für Kinder - Kinderkrankheiten, typische Leitbeschwerden, ihre Diagnose und Behandlung
Netzathleten Partner
  • Mein Kind ist krank
  • Selbsthilfe zuhause
  • Kindliche Entwicklung
  • Der kranke Säugling
  • Beschwerden und Maßnahmen
  • Kinderkrankheiten, Infektionen
  • Atemwege und Lunge
  • Herz und Kreislauf
  • Blut, Abwehr, Krebs
  • Mund, Zähne, Verdauung
  • Stoffwechsel und Hormondrüsen
  • Harnwege, Geschlechtsorgane
  • Knochen und Muskeln
  • Haut
  • Augen
  • Hals, Nase und Ohren
  • Gehirn und Nervensystem
  • Seelische Störungen
    • Hintergrundwissen
    • Autismus
    • Ängste und Angststörungen
    • Zwänge und Zwangsstörungen
    • Aggressionen
    • Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Syndrom
    • Schul- und Lernprobleme
    • Essstörungen
    • Hyperventilation
    • Depression
  • Krankheitshäufigkeiten
  • Gesundheit für Kinder als Buch
  • Gesundheit für Kinder als EPUB
  • Quellenliste
  • Datenschutz
  • Impressum

Schul- und Lernprobleme - LRS und Wahrnehmungsstörungen

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Mittwoch, den 08. Oktober 2008 um 08:58 Uhr
Beitragsseiten
Schul- und Lernprobleme
Das Wichtigste aus der Medizin
Teilleistungsschwächen
LRS und Wahrnehmungsstörungen
Das macht der Arzt
Alle Seiten
Seite 4 von 5

LRS und Wahrnehmungsstörungen

Die Forschung hat in den letzten Jahren herausgearbeitet, dass die LRS lediglich die Spitze eines Eisbergs ist und dass der LRS Erkennungs- und Wahrnehmungsstörungen auf verschiedenen Ebenen zugrunde liegen, die schon im Säuglings- und Kleinkindalter z. B. den Spracherwerb erschweren:

  • Die betroffenen Kinder zeigen Auffälligkeiten bei Wahrnehmung und Verarbeitung der gehörten Sprache (= auditive Wahrnehmungsstörung). Obwohl das Ohr selbst gut hört, können sie Laute nur schwer mit einer Bedeutung verbinden. Auch Tonhöhen können nur schwer unterschieden werden. Diese verminderte »phonologische Bewusstheit« zeigt sich auch daran, dass die Kinder Silben, Reime oder einzelne Laute nur schwer aus Wörtern heraushören.
  • Zum anderen können auch optische Wahrnehmungsstörungen nachgewiesen werden: Nicht nur können die Blicke schlechter gesteuert werden, das Gesehene kann auch nur schlecht mit dem fotographischen Gedächtnis »abgeglichen« werden. Dadurch lassen sich z. B. Buchstabenkombinationen nicht so leicht als sinnvolle Wörter erkennen.
  • Auch im Bereich der Motorik zeigen von LRS betroffene Kinder häufiger Koordinations- und Wahrnehmungsdefizite.

Diese Wahrnehmungsdefizite sind wahrscheinlich erblich veranlagt und finden ihren Niederschlag auch darin, dass bei LRS-Kindern die für das Sprachverständnis wichtigen Regionen in der linken Hirnhälfte weniger leicht aktivierbar sind und zudem die Koordination der beiden Gehirnhälften schlechter ist.

Ähnliche Auffälligkeiten in der Wahrnehmung können auch bei vielen später nicht von LRS betroffenen Kindergartenkindern nachgewiesen werden. Leider werden auch diese Formen oft als »Wahrnehmungsstörung« bezeichnet, obwohl sie sich bei drei von vier Kindern wieder von selbst verlieren. Eine Frühförderung dieser Kinder (etwa nach dem »Würzburger Trainingsprogramm Hören, Lauschen, Lernen«) ist dennoch sinnvoll, da im Einzelfall nicht vorausgesagt werden kann, welches dieser Kinder eine LRS entwickeln wird.

Folgen von Teilleistungsstörungen

Viele Schüler haben Angst vor Klassenarbeiten
Klassenarbeiten – für viele Schüler angstbesetzt. Besonders stressbesetzt ist in vielen Bundesländern die vierte Klasse, wenn die Entscheidung über die weiterführende Schule ansteht.
[ADM]

Nicht wenige Kinder mit einer Teilleistungsstörung haben Verhaltensprobleme, z. B. Aggressionsstörungen oder Hyperaktivität. Sie können eine Folge der Teilleistungsstörung sein oder auch unabhängig von dieser bestehen.

Das gemeinsame Auftreten dieser letzteren Störungen war einer der Gründe, weshalb diese Erscheinungen früher gemeinsam als minimale zerebrale Dysfunktion bezeichnet wurden. Da die genannten Störungen jedoch keine einheitlichen Ursachen haben und heute unterschiedlich behandelt werden, wurde der Begriff inzwischen verlassen.

Auch der heute zunehmend für alle Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern (vom Autismus über ADHS bis zu den Teilleistungsstörungen) pauschal verwendete Begriff der Wahrnehmungsstörung oder »Wahrnehmungsverarbeitungsstörung« ist medizinisch gesehen Unsinn. Auch wenn Störungen im Bereich der Wahrnehmung bei einzelnen dieser Erkrankungen eine Rolle spielen, so sind diese Verhaltensprobleme viel zu komplex und auch zu wenig erforscht, als dass dieser pauschale Begriff wirklich Sinn machen würde.


<< Zurück - Weiter >>

Aktualisiert ( Montag, den 09. Februar 2015 um 14:12 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München