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Hautveränderungen, Hautausschlag

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 21. Juli 2009 um 11:13 Uhr

Die Haut bildet unsere Grenze zur Umwelt. Sie erneuert sich ständig, bei Kindern schneller als bei Erwachsenen. Entsprechend reaktionsfreudig und auch reizbar ist sie. Leider sind nur die wenigsten Reaktionen (Ausschläge) spezifisch, d. h. für eine bestimmte Krankheit typisch, und alle Eltern werden früher oder später einmal erleben, wie sich ein großes Fragezeichen im Gesicht des Kinderarztes ausbreitet, wenn er den Ausschlag ihres Kindes untersucht.
Zur Ehrenrettung des Kinderarztes sei hinzugefügt, dass viele der typischen Ausschläge (wie etwa Masern) heute kaum mehr vorkommen und er deshalb auch seltener mit einer Blickdiagnose glänzen kann.

Dazu kommt, dass die Reizschwelle der Eltern, was die Haut ihrer Kinder an­geht, der Reizschwelle der Haut (sie ist bekanntlich gering) kaum nach­steht und viele Eltern wegen relativ milder Ausschläge relativ stark besorgt sind. Weiß man, wie wichtig die Haut für das Kind als »Wohlfühlorgan« ist, ist das ei­gent­lich eine verständliche Reaktion.

Hautausschläge können örtliche Reaktionen gegen einen »Angriff« der Umwelt sein (z. B. Insektenstiche, Hautinfektionen, Allergien gegen bestimmte Umweltstoffe), sie können aber auch Zeichen von Allgemeinerkrankungen (Infektionen oder andere entzündliche Erkrankungen wie etwa Allergien) sein.

Ausschlag – was nun?

Die meisten Hautausschläge kommen und gehen, ohne dass sie die Ge­sund­heit des Kindes beeinträchtigen. Manchmal sind sie allerdings selbst gefährlich (etwa wenn sich große Blasen bilden) oder weisen auf eine schwere kör­per­liche Störung hin. Als Faustregel sollten Sie die folgenden Ausschläge rasch vom Kinderarzt beurteilen lassen:

  • Ausschläge bei jungen Säuglingen (falls es sich nicht um eine der normalen Hautreaktionen des Neugeborenen handelt)
  • Bläschen oder Blasen. Ausnahme sind solche, die Sie eindeutig als harmlos einordnen können, z. B. Herpesbläschen der Lippe
  • »Blaue Flecken« (Blutergüsse) an ungewöhnlichen Stellen
  • Feine Hautblutungen: im Hautniveau liegende, rot oder lila erscheinende »Einsprengsel«, insbesondere wenn sie mit Fieber auftreten
  • Hautveränderungen mit Eiterbildung (Pusteln, gelbe Krusten)
  • Nässende Hautausschläge
  • Scharf begrenzte, flächige Rötungen
  • Zunehmende Schwellung, Rötung und Ausbreitung des Ausschlags
  • Ausschlag mit Fieber oder anderen Beschwerden (wie Durchfall oder Gelenkschwellungen) – solche Ausschläge deuten womöglich auf eine Erkrankung an anderen Stellen des Körpers hin, etwa auf eine Kinderkrankheit oder auf eine sonstige entzündliche Allgemeinerkrankung (von der Nahrungsmittelallergie bis zur rheumatischen Erkrankung). Ausnah­me sind auch hier wieder solche Ausschläge, die Sie eindeutig einer harmlosen Erkrankung zuordnen können (z. B. den Windpocken).
  • Ausschläge mit Quaddeln oder Juckreiz: Solche Ausschläge sind für allergische Reaktionen typisch, werden aber auch bei Neurodermitis oder bei der Krätze beobachtet.

Die Therapie – oft frustrierend

Viele Ärzte kennen das geflügelte Wort: »Bei der Haut hilft die Zeit oder aber Kortison«. Hier ist ein Körnchen Wahrheit dran, denn entweder die Haut reagiert bei einer Erkrankung lediglich mit (dann geht der Ausschlag mit der Erkrankung weg) oder sie ist selbst entzündet, und da hilft nun einmal oft Kortison. Und damit sind Kinderärzte in einem Dilemma, denn zum einen sollen die Nebenwirkungen des Kortisons gerade an der jungen Haut vermieden werden (sie sind bei kurzfristigem Einsatz niedrig dosierter Salben unseres Erachtens vertretbar), andererseits ist die Haut gerade für junge Kinder als »Wohlfühlorgan« extrem wichtig, und entsprechend forsch sollten gerade juckende Entzündungen auch behandelt werden.

Hautveränderungen, Hautausschlag. Genaues Beschwerdebild Was sich am ehesten dahinter verbirgt Erste Maßnahmen

Örtlich begrenzte braune, rote oder bläuliche Flecken

  • Möglicherweise leicht erhaben
  • Rote oder bläuliche Flecken meist seit Geburt oder erstem Vierteljahr vorhanden, braune langsam in Kindheit und Jugend entstehend
Verschiedene, über­wiegend harmlose
Haut­male
Keine Sofortmaßnahmen nötig. Falls ein Hautmal blutet oder es Sie aus kosmetischen Gründen stört, Kinderarzt darauf ansprechen
Hautveränderungen bei Babys am Kopf    
  • »Pickelchen« bei Babys unter einem Monat im Gesicht
  • Nichts machen – heilen von selbst innerhalb weniger Wochen ab
  • Meist Babys unter drei Monaten, gelbe, fettige, fest haftende Schuppen am behaarten Kopf, meist nicht juckend, übrige Haut unverändert
  • Maßnahmen zum Ablösen der Schuppen durchführen (siehe So helfen Sie Ihrem Kind bei seborrhoisches Säuglingsekzem). Bei ausgeprägtem Befall oder Jucken zum Kinderarzt gehen
  • Meist Babys über drei Monaten, Rötung, Schuppen, Krusten, Bläschen vor allem an Wangen, Stirn und Kinn, juckend
  • Zum Kinderarzt gehen, bei starkem Jucken möglichst bald
Rote Hautflecken bei Babys im Windelbereich    
  • Beginn mit Rötung ausgehend von der Analregion, dann Ausdehnung und mög­licherweise Bildung kleiner Knötchen und ­offener Stellen
  • Bei Windeldermatitis mit oder ohne Soor Popflege intensivieren mit häufigem Wickeln, Reinigung z. B. mit feuchtem Waschlappen, sorgfältigem Trocknen (nur tupfen) und zinkhaltigen Cremes (z. B. Desitin®). Kind oft ohne Windel strampeln/laufen lassen. Bei Pus­teln in der Umgebung oder gelben Krus­ten zum Kinderarzt gehen (zusätz­liche Entzündung durch Pilze oder ­Bakterien)
  • Wie oben, zusätzlich kleine Knötchen und Pusteln in der Umgebung
  • Beginn meist in den ersten drei Monaten in den Leisten, gelblich-fettige Schuppen, Rötung, möglicherweise offene Stellen in den Falten oder weitere Flecken am Rumpf
  • Bei leichtem Befall abwarten und  Selbsthilfe­maß­nahmen durchführen (So helfen Sie Ihrem Kind bei seborrhoisches Säuglingsekzem). Bei ausgeprägten Veränderungen zum Kinderarzt gehen

Schnell entstandene, weißliche, juckende Quaddeln 

  • Umschrieben oder am ganzen Körper
  • Möglicherweise Fieber
Nesselsucht (= Urtikaria) bzw. Nesselfieber, hervor­gerufen durch die unterschiedlichsten Auslöser Bei leichten Formen abwarten, bei heftigem Juckreiz Anithistaminikagele oder juckreizstillende Lotionen auftragen. Bei wiederholtem Auftreten zum Kinderarzt gehen, bei Erbrechen, Atem- oder Kreislaufproblemen sofort
Stecknadelkopfgroße rote Flecken, die auf Druck mit einem durchsichtigen Lineal nicht weggehen (sog. Petechien)

Hautblutungen bei

Möglichst bald, auf jeden Fall am gleichen Tag zum Kinderarzt gehen, bei zusätzlichem Fieber, schwarzem Stuhl, rot-braunem Urin oder schlechtem Allgemeinbefinden sofort. Die durch Husten bedingten Ausschläge sind harmlos, lassen Sie sie trotzdem abklären
Einzelner roter Fleck    
  • Langsam größer und ringförmig werdend, nicht juckend, möglicherweise uncharakteristische Allgemeinbeschwerden
  • Erythema chronicum migrans (= Wanderröte) bei Borreliose nach Zeckenbiss
  • Heute noch zum Kinderarzt gehen, das Frühstadium einer Borreliose ist gut durch Antibiotika behandelbar. Der Zeckenbiss kann dabei durchaus unbemerkt geblieben sein!
  • Langsam größer und zu einem Ring mit schuppigem Rand werdend, juckend
  • In den nächsten Tagen zum Kinderarzt gehen
Mehrere rote Flecken oder leicht erhabene Stellen bzw. Knötchen    
  • Nur an einer Stelle des Körpers, juckend, in ausgeprägten Fällen großflächig zusammenfließend, möglicherweise Berührung bestimmter Substanzen erinnerbar
  • In leichten Fällen abwarten. Überlegen, welche Substanz ursächlich sein könnte. In ausgeprägten Fällen oder bei heftigem Juckreiz zum Kinderarzt gehen
  • Als Fleck beginnend, dann größer und zu einem Ring mit schuppigem Rand werdend, juckend
  • In den nächsten Tagen zum Kinderarzt gehen, bei Befall des behaarten Kopfes am nächsten Tag
  • Kleine gerötete, ju­ckende, meist aufgekratzte Knötchen, bei älteren Kindern v.a. in den Hautfalten, an Handgelenken und Ellenbeugen, bei Säuglingen überall möglich
  • Am gleichen Tag zum Kinderarzt gehen
  • Bei kleinen Kindern an mehreren Stellen des Körpers juckende rote Flecken mit Knötchen, Bläschen, Kratz­effekten, offenen Stellen. Betrifft vor allem Beugen, Hals, Handrücken
  • In den nächsten Tagen zum Kinderarzt gehen, bei stärkerer Entzündung und/oder heftigem Juckreiz am folgenden Tag
  • Bei älteren Kindern vor allem an ­Ellenbogen, Knien und Kreuzbein rote Herde mit silbrigen Schuppen ­darauf
  • In den nächsten Tagen zum Kinderarzt gehen
Rote Flecken an großen Teilen oder am ganzen Körper    
  • Ohne Fieber, meist juckend
  • Allergie z. B. auf Nahrungsmittel oder Medikamente
  • In leichten Fällen abwarten, in ausgeprägten Fällen zum Kinderarzt gehen, bei zusätzlichen Atem- oder Kreislaufproblemen Notarzt rufen. Überlegen, welche ­Substanz dahinter stecken könnte, und diese weglassen
  • Mit Fieber, in der Regel nicht juckend
  • Versuchen Sie, anhand der Tabellen Fieber und Kinderkrankheiten die Grunderkrankung einzugrenzen. Bei Zweifeln, hohem Fieber oder schlechtem Allgemeinzustand zum Kinderarzt
Flächige Hautrötung    
  • Nach Berührung bestimmter Substanzen
Allergisches oder ­toxisches Kontaktekzem
  • In leichten Fällen abwarten, bei ausgeprägten Erscheinungen zum Kinderarzt gehen, bei zusätzlichen Atem- oder Kreislaufproblemen Notarzt rufen. Überlegen, welche Substanz dahinterstecken könnte, und diese weglassen
  • Nach starker Sonneneinstrahlung
  • Sonnenbrand
  • Selbsthilfemaßnahmen
  • Mit Fieber, Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens, meist an Arm oder Bein oder im Gesicht
  • Bakterielle Hautentzündung, die mit ­Antibiotika behandelt werden muss. Am gleichen Tag zum Kinderarzt ge­hen
Flächige, symmetrische Hautrötungen im Gesicht    
  • Schmetterlingsförmige Hautrötung (Wangen, Stirn, Kinn), möglicherweise Fieber, Gelenkschmerzen
Zum Kinderarzt gehen. Die links genannten Autoimmunerkrankungen erfordern Blutuntersuchungen zur sicheren Diagnosestellung. Erhärtet sich die Diagnose, sind regelmäßige Kontrollen und eine medikamentöse Behandlung nötig
  • Lila-rote Hautverfärbung um die Augen und an den Wangen, mög­licherweise Muskelschwäche
Einzelne rote juckende Knoten    
  • In der Mitte möglicherweise kleine Wunde sichtbar
  • Insektenstich
  • Nicht kratzen. Antihistaminika oder Lotion gegen den Juckreiz auftragen. Bei Atem- oder Kreislaufproblemen Notarzt rufen. Ansonsten zum Kinderarzt gehen bei massiver Umgebungsreaktion oder (erneuter) Verschlechterung der Entzündung nach mehreren Tagen
  • Bei bekannter Wunde oder bekanntem Fremdkörper, möglicherweise Eiterpunkt/Fremdkörper sichtbar, möglicherweise Schmerz
  • Wundinfektion, Fremdkörperreaktion (auch Splitter)
  • Sichtbare Fremdkörper versuchen zu entfernen, desinfizierende Salbe (z. B. Betaisodona®) auftragen. Bei Erfolglosigkeit zum Kinderarzt

Feine, reizlose, spitz zulaufende bräunliche Pickelchen

  • Bei Hitze
  • V. a. an Armen und Oberkörper
  • Keine Rötung, kein Eiter
Hitzeausschlag ­(Reizung der Schweißdrüsen) Keine Therapie erforderlich, mit ­Abklingen der Hitze verschwindet der Ausschlag von selbst
Bläschen, erst klar, dann trüb    
  • Begrenzt auf ein kleines Hautgebiet meist im Lippenbereich, kein ­Fieber
  • Selbsthilfemaßnahmen durchführen (Siehe So helfen Sie Ihrem Kind bei Herpesbläschen). Bei Bläschen in Augen­nähe am gleichen Tag zum Augenarzt gehen
  • Flächig auf Stirn, Wange, am Kiefer oder gürtelförmig am Rumpf, möglicherweise Fieber
  • Bei Bläschen im Gesicht am gleichen, bei Bläschen am Rumpf je nach Stärke der Beschwerden am gleichen oder nächsten Tag zum Kinderarzt gehen
  • Am ganzen Körper
  • Bei Wohlbefinden des Kindes Selbsthilfemaßnahmen anwenden (Siehe So helfen Sie Ihrem Kind bei Windpocken). Bei deutlich beeinträchtigtem Allgemeinbefinden oder Zweifeln zum Kinderarzt gehen

Bläschen an Händen, Füßen und am Mund

  • Möglicherweise Fieber
Hand-Mund-Fuß-Krankheit Am gleichen oder nächsten Tag zur Diagnosesicherung Kinderarzt aufsuchen
Gelbe Eiterbläschen Bakterielle Hautentzündung Bei vereinzelten Eiterbläschen desinfizierende Salbe auftragen (z. B. Beta­iso­do­na®). Bei mehr als nur vereinzeltem Auftreten zum Kinderarzt gehen

Gelbe Eiterbläschen und gelbe Krus­ten mit gerötetem Saum
(meist im Gesicht)

  • Möglicherweise Fieber
Impetigo contagiosa (= Grindflechte) Am gleichen Tag zum Kinderarzt gehen. Der Bläscheninhalt ist ansteckend, daher sorgfältig auf Hygiene achten
Hauteinrisse zwischen den Zehen, Juckreiz Fußpilz In den nächsten Tagen zum Kinderarzt gehen
Hautfarbene Knötchen   Keine Sofortmaßnahmen nötig
(Siehe So helfen Sie Ihrem Kind bei Warzen)
  • Höckerig, meist an Finger oder Zeh
  • Rund mit Delle in der Mitte, meist an Gesicht oder Hals
  • Meist viele kleine Knötchen, vor allem im Gesicht, an den Armen und Händen
Aktualisiert ( Mittwoch, den 26. August 2009 um 15:24 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München