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Ohrenschmerzen

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Montag, den 10. August 2009 um 12:45 Uhr

Ohrenschmerzen gehören neben Bauch- und Halsschmerzen zu den häufigsten Schmerzproblemen bei Kindern. Oh­ren­schmerzen können das Kind sehr quälen und machen oft einen Arztbesuch erforderlich. Grund zur Panik besteht aber nicht: Die Ursache ist in der Regel gut behandelbar, so dass die Schmerzen meist rasch vorüber und Dauerfolgen selten sind.

Am häufigsten steckt hinter »Druck im Ohr« und eventuell leichten Ohrenschmerzen ein Tuben-Mittelohr-Katarrh, möglicherweise mit Paukenerguss. Hat das Kind stärkere Schmerzen und auch Fieber und fühlt sich nicht gut, so kann es sich auch um eine Mittelohrentzündung handeln. Im Sommer ge­hen Ohrenschmerzen häufig vom Gehörgang aus, wo sich nach dem Schwimmen oft Wasser sammelt und örtliche Infektionen an der Haut des Gehörgangs begünstigt.

Kleinkinder erzielen dasselbe Resultat, in­dem sie sich Steinchen oder kleine Spielzeuge in den Gehörgang stecken.

Ohrenschmerzen. Genaues Beschwerdebild Was sich am ehesten dahinter verbirgt Erste Maßnahmen

Leichte Ohrenschmerzen

  • »Druck« auf dem Ohr
  • Bei Flugreise (Start und Landung) oder (tieferem) Tauchen
  • Möglicherweise Schwerhörigkeit
  • Keine weiteren Beschwerden (z. B. kein Fieber)
Unzureichender Druckausgleich ­zwischen Außenwelt und Mittelohr durch Funktionsstörung der Ohrtrompete Zum Druckausgleich oft schlucken lassen, kleinen Kindern dazu etwas zu trinken oder Bonbon geben. Säugling stillen. Größeren Kindern Nasenlöcher zuhalten und bei geschlossenem Mund durch die Nase gegen den Druck atmen lassen, evtl. mehrfach. Sind die Beschwerden nach einem Tag noch nicht weg, zum Kinder- oder Hals-Nasen-Ohren-Arzt gehen

Leichte Ohrenschmerzen

  • »Druck« auf dem Ohr
  • Möglicherweise Schwerhörigkeit
  • Meist nach einem Schwimmbad­besuch
  • Keine weiteren Beschwerden (z. B. kein Fieber)
Gehörgangsverschluss durch
Ohren­schmalzpfropf oder »gefangenes ­Wasser«
Wenn die Beschwerden anhalten, zum Kinder- oder Hals-Nasen-Ohren-Arzt gehen, er kann den Ohren­schmalz­pfropf problemlos entfernen. Nicht versuchen, das Ohrenschmalz mit Hilfe von Wattestäbchen, Haarnadeln o.Ä. herauszubekommen – dies schiebt den Pfropf möglicherweise nur tiefer hinein und birgt die Gefahr von ernsteren Verletzungen

Leichte Ohrenschmerzen

  • Bei einem Atemwegsinfekt, meist mit Schnupfen
  • Druck im Ohr, Gefühl, das Ohr sei ­verstopft
  • Möglicherweise Schwerhörigkeit
Tuben-Mittelohr-
Katarrh
Nase freihalten (siehe Heilmittel bei Erkältungskrankheiten). Halten die Schmerzen länger als einen Tag an, werden sie schlimmer oder kommen weitere Krankheitszeichen (z. B. Fieber, Ohrenlaufen) dazu, zum Kinderarzt gehen

Stechende, klopfende, meist heftige Ohrenschmerzen

  • Bei oder nach einem Atemwegs­infekt, meist mit Schnupfen
  • Schwerhörigkeit
  • Fieber und allgemeines Krankheits­gefühl
  • Möglicherweise Bauchschmerzen oder (leichterer) Durchfall
Akute Mittelohrentzündung Zum Kinderarzt gehen. Bis dahin evtl. mit Nasentropfen (z. B. Otriven®) die Nase freimachen und mit Wärme, ­Kamille- und Zwiebelsäckchen die Schmerzen lindern

Ohrenschmerzen

  • Vor allem hinter dem Ohr
  • Nachdem das Kind kurz vorher eine Mittelohrentzündung oder dazu passende Beschwerden gehabt hat
  • (Wieder) Fieber
Entzündung des Warzenfortsatzes hinter dem Ohr ­(Mastoiditis) Zum Notdienst oder ins Krankenhaus fahren
Ohrenschmerzen Ins Ohr ausstrahlende Schmerzen bei Je nach wahrscheinlichster Ursache zum Zahn- bzw. Kinderarzt gehen. Bis dahin schmerzlindernde Maßnahmen je nach vermuteter Ursache ergreifen
  • Mit Zahnschmerzen
  • Zahn- oder Kieferproblemen
  • Mit Halsschmerzen und allgemeinen Krankheitszeichen (z. B. Fieber)
  • Mit Schwellung vor dem Ohr ähnlich einer »dicken Backe«, Schmerzen beim Kauen und allgemeinen Krankheits­zeichen
Ohrenschmerzen mit Ausschlag ums oder im Ohr   Zum Kinderarzt gehen
  • Mit Bläschen, Kind hat früher einmal Windpocken gehabt
  • Mit eitrigen Pusteln

Plötzlich einsetzende Ohrenschmerzen

  • Oft Schmerzen bei Druck auf den Knorpel vorne am Ohr oder Zug am Ohrläppchen
  • Oft nach Schwimmbadbesuch
  • Möglicherweise Juckreiz
  • Möglicherweise sichtbare Rötung und Schwellung des Gehörganges
  • Möglicherweise Schmerzen beim Kauen
  • Kein allgemeines Krankheitsgefühl
Entzündung des äußeren Gehörganges, meist durch Bakterien Zum Kinderarzt gehen

Plötzlich einsetzende Ohrenschmerzen

 

  • Möglicherweise (blutiges) Ohren­laufen
  • Möglicherweise sichtbare Verletzungen
  • Möglicherweise Schwerhörigkeit, Ohrgeräusche, Schwindel
  • Keine allgemeinen Krankheitszeichen
Verletzungen Sofort zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt gehen. Gerade wenn die Verletzung bei einer »Dummheit« passiert ist, sagt das Kind zu Beginn oft nicht, was wirklich los war

Ohrenschmerzen

  • Meist Juckreiz, Druckgefühl
  • Möglicherweise sichtbare Rötung oder Verletzung des Gehörganges
  • Möglicherweise Schwerhörigkeit auf dem betroffenen Ohr
  • Kein Krankheitsgefühl, kein Fieber
Fremdkörper im äußeren Gehörgang Kopf zur betroffenen Seite neigen und kräftig schütteln lassen. Hilft dies nicht, zum Hals-Nasen-Ohren-Arzt gehen. Bis dahin Ohr in Ruhe lassen. Auf keinen Fall versuchen, den Fremdkörper selbst zu entfernen (Verletzungsgefahr)

 

Aktualisiert ( Mittwoch, den 26. August 2009 um 15:33 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München