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Hintergrundwissen Mund und Zähne, Magen und Darm

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 07. Oktober 2008 um 09:38 Uhr

Aus dem Bauch heraus

Kind lehnt an Mutter und zeigt auf seinen Bauch
Der Bauch steht bei Kleinkindern nicht nur wegen der noch nicht so kräftig entwickelten Bauchmuskeln ein Stück hervor, sondern auch hoch im Kurs: Mit Vorliebe zeigen sie ihren Bauchnabel und wenn sie das erste Mal »ich« sagen, deuten viele Kinder mit großem Stolz auf ihren Bauch. Und selbst wenn ihnen die Ohren wehtun, geben sie den Schmerz gerne in der Körpermitte an.
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»Da macht es aua, genau da«, sagt der kleine Sebastian und führt den ausgestreckten Zeigefinger ganz dicht an seinen Bauchnabel. Der zu Rate gezogene Kinderarzt findet nichts Ungewöhnliches am Bauch, stößt aber eine Etage höher auf eine Mittelohrentzündung – »Kinder«, so erklärt er, »projizieren Schmerzen gerne auf den Bauch. Da kann der Zahn wehtun oder der Hals brennen – das Kind spürt das mitten im Bauch.«

Haben Kinder also in ihrem Körper noch nicht den vollen Durchblick?

Wenn, dann können sie von uns Erwachsenen nicht viel Orientierung erwarten. Denn was sagt Sebastians Mutter zu ihrem Mann, als sie zu Hause das vom Kinderarzt verordnete Antibiotikum auspackt?

»Ich glaube, wir sollten vielleicht noch einen Tag abwarten, so viele Nebenwirkungen wie da auf dem Beipackzettel beschrieben sind – irgendwie hab ich da kein gutes Gefühl im Bauch …«

Wissenswert

Der Magen-Darm-Trakt (= Verdauungstrakt) soll die Nahrung zerkleinern und dann chemisch so aufspalten, dass die darin befindlichen Nährstoffe ins Blut gelangen können.

Von außen betrachtet …

»Seit er sitzt, hat er eine richtige Wampe.« Was Eltern schon beim älteren Säugling auffällt, wird nach dem Laufenlernen noch offensichtlicher: Kleinkinder haben oft einen enormen Bauch, und den strecken sie stolz in die Welt hinaus. Die Muskeln der Bauchdecke sind in den ersten zwei Jahren eben noch relativ schwach – erst wenn das Kind Treppen steigt, hüpft und klettert, werden die Bauchmuskelstränge so stark, dass sie den Bauchinhalt besser zurückhalten können. Dazu kommt, dass der Rumpf des kleinen Kindes relativ gedrungen ist. Erst wenn sich der Körper im Kindergartenalter streckt, bekommen auch die Bauchdecken die richtige Spannung, und der Bauch verschwindet.

Mund und Zähne

Aufbau eines Zahnes
Von außen ist von allen Zähnen nur der äußerst harte Zahnschmelz (ein irreführender Name, fürwahr!) zu sehen. Dieser ist aber nur ein paar Millimeter dick. Den größten Teil des Zahnes macht das Zahnbein aus. Der Zahn läuft in eine oder mehrere Zahnwurzeln aus, die über den Zahnzement im Kieferknochen verankert sind. Im Inneren liegt die Zahnhöhle oder Zahnpulpa. Über sie wird nicht nur der Zahn mit Nährstoffen versorgt, sie enthält auch reichlich Nerven – Ursache der heftigen Zahnschmerzen bei Karies.
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Die Schneidezähne und Eckzähne schneiden bzw. reißen die Nahrung ab, die dann durch die Backenzähne und Mahlzähne fein zerkleinert wird. Eine große Rolle spielt dabei die Zunge. Sie schiebt die Nahrung nicht nur immer wieder zu den Zähnen, sondern formt auch einen schluckfähigen Bissen aus der zerkleinerten Nahrung und schiebt ihn nach hinten zum Rachen. Sekrete aus den Speicheldrüsen sorgen dafür, dass schon im Mund die chemische Verdauung beginnt. So wird bereits im Mund ein Teil des Milchzuckers zu Glukose (= Traubenzucker) und Galaktose, einem weiteren leicht aufzunehmenden Einfachzucker, zerlegt.

Das erste Zähnchen zeigt sich mit durchschnittlich einem halben Jahr in der Mitte des Unterkiefers, und ab dann gilt als Faustregel, dass jeden Monat ein neuer Zahn kommt – für Kind wie Eltern nicht selten eine anstrengende Zeit. Mit gut zwei Jahren ist das aus 20 Zähnen bestehende Milchgebiss komplett. Es besteht in Ober- und Unterkiefer pro Seite jeweils aus zwei Schneidezähnen, einem Eckzahn und zwei Backenzähnen.

Kurz vor der Einschulung brechen hinter den zweiten Backenzähnen des Milchgebisses die ersten bleibenden Mahlzähne durch und leiten den Zahnwechsel ein. Etwa im ersten Schuljahr beginnen dann die Milchzähne auszufallen und den schon lange im Kiefer ruhenden übrigen bleibenden Zähnen Platz zu machen. Ein vollständiges Erwachsenengebiss besteht aus 32 Zähnen – in Ober- und Unterkiefer pro Seite jeweils zwei Schneidezähne, ein Eckzahn, dazu zwei Backenzähne und drei Mahlzähne. Dabei brechen die dritten Mahlzähne, im Volksmund Weisheitszähne genannt, wenn überhaupt frühestens im späten Schulalter durch. Bei vielen Menschen sind sie gar nicht im Kiefer angelegt.

Der weitere Weg der Nahrung

Durchbruch Kindergebiss und Erwachsenengebiss
Kindergebiss (oben) und Erwachsenengebiss (unten) mit den ungefähren Zeiträumen, innerhalb derer der entsprechende Zahn durchbricht. Dabei ist die Spannbreite des Normalen wie fast überall in der kindlichen Entwicklung groß – einige Kinder bekommen schon im ersten Lebensmonat einen Zahn, andere erst im zehnten. Die bleibenden Zähne liegen im Wurzelbereich des Milchgebisses bereits fertig vor (Mitte). Dies ist der Grund, weshalb Fluoridtabletten zur Zahnhärtung bereits im Babyalter gegeben werden.
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  • Wenn das Kind schluckt, wird die Nahrung aus dem Mund in die schlauchförmige Speiseröhre geschoben, welche die Nahrung in Richtung Magen weitertransportiert.
  • Im Magen tötet die Salzsäure Krankheitserreger ab und zerlegt die Eiweiße. Entscheidende Unterstützung leisten dabei die im Magensaft in großer Menge enthaltenen Verdauungsenzyme.
  • Im ersten Abschnitt des Dünndarms, dem Zwölffingerdarm, werden dem Speisebrei Galle (aus der Leber) und Sekret aus der Bauchspeicheldrüse zugemischt. Mit Hilfe der in diesen Sekreten enthaltenen Enzyme und anderen Hilfsstoffen lassen sich die Kohlenhydrate, Fette und Eiweiße weiter verdauen. In den tieferen Dünndarmabschnitten (Jejunum und Ileum) werden die Nährstoffe ins Blut aufgenommen.
  • Auf dem Weg durch den Darm werden dem Speisebrei immerhin rund sieben Liter Wasser zugemischt. Erst im Dickdarm (bestehend aus Blinddarm und Grimmdarm = Kolon) wird das Wasser zusammen mit Salzen wieder in den Körper aufgenommen.
  • Die unverdaulichen Nahrungsbestandteile schließlich werden im Mastdarm (= Rektum) gespeichert und dann als Stuhl ausgeschieden.

Es ist ein Wunder, dass sich der beim Erwachsenen immerhin 6,5 bis 7,5 Meter lange, kurvenreiche Darm im Bauchraum nicht verheddert oder anderen Organen in die Quere kommt. Dies liegt zum einen daran, dass er durch breite Aufhängebänder an mehreren Stellen von innen an der Bauchwand »festgezurrt« ist.

Zum anderen sind der Magen und der größte Teil des Darmes von einer dünnen, spiegelglatten Schleimhaut umhüllt, dem sog. Bauchfell (= Peritoneum). Es sorgt dafür, dass sich die im Laufe eines Tages ganz unterschiedlich gefüllten Magen-Darm-Anteile gut im Bauchraum bewegen und frei aneinander gleiten können.

Bei schwer wiegenden Entzündungen im Bauchraum (z. B. einer Blinddarmentzündung) ist das Bauchfell meist mitbetroffen. Da es gut mit Nerven versorgt ist, zeigt sich eine solche Bauchfellbeteiligung durch starke Schmerzen, z. B. bei der Untersuchung des Bauches oder beim Hüpfen.

Die Organe des Verdauungsapparates
Die Organe des Verdauungsapparates füllen den Bauchraum aus. Das Bild zeigt die Organe, die der Speisebrei passiert – beim Erwachsenen sind das immerhin sieben Meter Darm (Letzterer ist selbst beim jungen Säugling schon drei Meter lang!). Doch damit nicht genug: An der Verdauung sind außerdem Gallenblase, Leber und Bauchspeicheldrüse beteiligt .
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Der Innenaufbau des Darms

Auch von innen ist der Darm kein gerades Rohr: Viele etwa millimetergroße Ausstülpungen, die Zotten, sowie etwas kürzere Einbuchtungen, die Krypten, sorgen für eine enorme Oberflächenvergrößerung auf rund 200 m2.

Nur so kann die Darmschleimhaut täglich mehrere Liter Verdauungssekrete in die Darmlichtung abgeben und in tieferen Darmabschnitten fast die gesamte Flüssigkeit mitsamt der in der Nahrung enthaltenen Nährstoffe wieder aufnehmen – bei dieser Leistung ist es kein Wunder, dass wir nach dem Essen müde werden!

Aktualisiert ( Mittwoch, den 15. April 2009 um 07:28 Uhr )