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Pfeiffer-Drüsenfieber (infektiöse Mononukleose)
Das Wichtigste aus der Medizin
Das macht der Arzt
So helfen Sie Ihrem Kind
Vorsorge
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Das Pfeiffer-Drüsenfieber (= infektiöse Mononukleose) ist eine akute Infektionserkrankung, die vor allem die Abwehrgewebe befällt. Im Kleinkindalter verläuft die Infektion oft völlig unbemerkt, der typische Verlauf ist vor allem bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu beobachten. Nach durchgemachter Erkrankung sind die Betroffenen lebenslang gegen das Pfeiffer-Drüsenfieber gefeit.

Leitbeschwerden

Bei Jugendlichen

  • Meist uncharakteristisches Vorstadium mit Müdigkeit, Appetitlosigkeit und leichtem Unwohlsein, teils über Wochen
  • Fieber (oft hoch und länger anhaltend) sowie allgemeines Krankheitsgefühl, oft mit Kopf- oder Halsschmerzen
  • Typisch ist die Lymphknotenschwellung, am stärksten der Halslymphknoten, die oft schmerzhaft und »teigig« sind
  • Häufig begleitende Schluckbeschwerden durch Mandelentzündung (Angina) mit weißen Belägen
  • Möglicherweise kurzzeitiger feinfleckiger Hautauschlag
  • Selten Gelbfärbung der Haut (Ikterus) durch Leberbeteiligung

Bei Babys und Kleinkindern

  • Fieber
  • Bauchbeschwerden, z. B. Übelkeit, Erbrechen, Durchfall
  • Infektzeichen der oberen Luftwege, z. B. Husten

Inkubationszeit 20–50 Tage

Ansteckend wahrscheinlich einige Tage vor bis 1–2 Wochen nach Krankheitsbeginn

Wann zum Arzt

Am nächsten Tag, wenn

  • Ihr Kind länger als drei Tage ungeklärtes Fieber oder Halsschmerzen hat.
  • Ihr Kind geschwollene Lymphknoten an Hals, Achsel und/oder Leiste hat.

Heute, wenn

  • Sie auf den Mandeln weiß-gelbe Beläge sehen.
  • Ihr Kind Beschwerden im linken Oberbauch bekommt.
  • Die Haut Ihres Kindes sich gelb verfärbt.

Sofort, wenn

  • Ihr Kind dunkelrote, kleine Hautflecken bekommt, da dies einen Abfall der Blutplättchen anzeigen kann.
  • Ihr Kind während oder nach einem Pfeiffer-Drüsenfieber plötzliche Schmerzen im linken Oberbauch hat und blass wird – es könnte sich um eine lebensbedrohliche Milzruptur(= Milzriss) handeln.

Das Wichtigste aus der Medizin

Geschwollene Halslymphknoten bei Pfeifferschen Druesenfieber
Am stärksten geschwollen beim Pfeiffer-Drüsenfieber sind die Halslymphknoten. Bei diesem elfjährigen Mädchen sind sie bereits aus einiger Entfernung deutlich sichtbar.
[RKL]
  • Das Pfeiffer-Drüsenfieber wird hervorgerufen durch das Epstein-Barr-Virus (= humanes Herpes-Virus Typ 4), das durch Tröpfcheninfektion oder Speichel (daher auch Kusskrankheit oder Studentenfieber) übertragen wird. Das Virus befällt vor allem die Lymphgewebe des Körpers, also z. B. Mandeln, Lymphknoten und die Milz. Letztere schwillt oft stark an und ist dann nicht mehr komplett durch den Brustkorb geschützt, der sie normalerweise schützend überdeckt.

Bis zu 80 % der Jugendlichen haben sich mit dem Erreger (oft unbemerkt) auseinander gesetzt und sind dann für den Rest ihres Lebens immun.

Vielgestaltiges Krankheitsbild

Die Beschwerden, die bei einem Pfeiffer-Drüsenfieber auftreten können, sind vielgestaltig: Bei vielen Kindern, vor allem Kleinkindern, verläuft die Erkrankung völlig unbemerkt. Einige Kinder haben nur ein paar Tage Fieber und Halsschmerzen – »Grippe« lautet dann meist die Diagnose. Nicht selten aber treten auch flächige, weiße Beläge auf den Mandeln auf, die als eitrige Angina (fehl)gedeutet werden und entsprechend oft mit Antibiotika behandelt werden. Bei wieder anderen steht z. B. ein feinfleckiger Hautausschlag im Vordergrund der Beschwerden.

Ältere Kinder leiden oft unter erheblicher und manchmal auch Wochen anhaltender Müdigkeit.

Hinter jedem länger anhaltenden Fieber mit Hals- oder Bauchbeschwerden kann sich ein Pfeiffer-Drüsenfieber verstecken.

Komplikationen

Bei ungefähr 10 % der Kinder besiedeln Bakterien die vorgeschädigten Mandeln und führen zu einer zusätzlichen bakteriellen Angina. Hauptgefahr des Pfeiffer-Drüsenfiebers ist jedoch ein Einreißen der manchmal stark geschwollenen Milz.

Ansonsten ist die Liste möglicher Komplikationen lang. Sie reicht von Leber-, Nieren- und Herzbeteiligung über Hirnhaut- und Gehirnentzündung bis zu teils schweren Blutbildveränderungen mit zu wenig roten Blutkörperchen oder Blutplättchen.

Panik ist aber unnötig, denn diese Komplikationen sind bei vorher gesunden Kindern allesamt selten.


Das macht der Arzt

Ausschlag bei Pfeifferschen Drüsenfieber
Dieser Säugling mit Pfeiffer-Drüsenfieber hat nach der Einnahme des Antibiotikums Amoxicillin einen großfleckigen Ausschlag bekommen – dies ist keine Allergie, sondern eine für das Pfeiffer-Drüsenfieber typische Reaktion.
[RKL]

Vermutet der Arzt aufgrund der Beschwerden ein Pfeiffer-Drüsenfieber, kann eine Ultraschallaufnahme des Bauches den Verdacht erhärten – Leber und Milz sind beim Pfeiffer-Drüsenfieber typischerweise vergrößert. Bei älteren Kindern kommt ein Schnelltest aus dem Blut zur Diagnosesicherung in Betracht. Bei Kindern bis zum Schulalter ist dieser jedoch unzuverlässig und daher nicht sinnvoll. Hier hilft vor allem das Blutbild weiter, das charakteristische Veränderungen der weißen Blutkörperchen (sog. Pfeiffer-Zellen) zeigt. Auch der Nachweis von Antikörpern (speziellen Abwehrstoffen) gegen das Virus ist möglich, dauert aber wesentlich länger.

Weitere Untersuchungen, wie etwa ein Rachenabstrich, können zum Ausschluss anderer Erkrankungen oder bei Verdacht auf Komplikationen nötig sein.

Eine ursächliche Behandlung des Pfeiffer-Drüsenfiebers ist nicht möglich, meist aber auch nicht nötig, denn trotz der eindrücklichen Liste möglicher Komplikationen verläuft die Erkrankung meist gutartig. Sind Mandeln, Milz oder Lymphknoten sehr stark geschwollen, kommt es zu einer Gehirnbeteiligung oder fallen die Blutzellen ab, wird kurzzeitig Kortison zur Hemmung des Abwehrgewebes gegeben. Selten einmal müssen die Mandeln in der Akutphase z. B. wegen Atemnot entfernt werden. Antibiotika werden nur bei einer zusätzlichen bakteriellen Entzündung gegeben.

Warnhinweis:

Werden bei einem Pfeiffer-Drüsenfieber unter der Fehlannahme einer bakteriellen eitrigen Angina versehentlich die Antibiotika Ampicillin oder Amoxicillin gegeben, so bekommen bis zu 90 % der so Behandelten einen großfleckigen, masernähnlichen Ausschlag. Er wird oft mit einer Penicillinallergie verwechselt mit der Folge, dass dem Kind bei einer späteren Erkrankung die gut verträglichen Penicilline vorenthalten werden.


So helfen Sie Ihrem Kind

Insbesondere ältere Kinder und Jugendliche fühlen sich stark beeinträchtigt und sollten Bettruhe einhalten. Bei nur geringen Beschwerden ist strenge Bettruhe nicht nötig, das Kind sollte aber viel ruhen.

Meist stehen die Halsbeschwerden im Vordergrund. Hier helfen weiche Kost und kühle Getränke. Obst und säurehaltige Säfte hingegen reizen den Rachen noch mehr und verstärken so die Schmerzen. Wie bei anderen Halsentzündungen auch empfehlen sich zur Schmerzlinderung Mundspülungen und Gurgeln mit Kamillelösung sowie Halswickel.

Bei Milzschwellung sollte Kontaktsport (auch Raufen auf dem Schulhof!) vermieden werden. Auch Ballspiele sind dann ungünstig, da ein Ball schnell mit Wucht den Bauch treffen kann. Nach 6–8 Wochen ist die Milzschwellung meist abgeklungen. Bevor der Kinderarzt das Kind jedoch »in die freie Wildbahn« entlässt, kontrolliert er sicherheitshalber noch einmal die Größe der Milz.

Insbesondere bei älteren Kindern kann es nach der Erkrankung noch einige Zeit dauern, bis sie sich wieder völlig wohl fühlen, und sie sollten sich dann in dieser Zeit noch etwas schonen dürfen.


Vorsorge

Eine Vorbeugung vor dem Pfeiffer-Drüsenfieber ist nicht möglich: Eine Impfung gibt es nicht, und ein Meiden des überall präsenten Erregers ist praktisch nicht durchführbar.