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Muskelschwund

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 07. Oktober 2008 um 12:42 Uhr
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Muskelschwund
Die Bedeutung der Kinderkrankheiten
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Die verschiedenen Formen des Muskelschwunds sind seltene, erbliche Erkrankungen mit einem fortschreitenden Untergang der Muskulatur. Die meisten Formen zeigen sich im Kleinkind- bis Grundschulalter erstmalig. Insgesamt sind Jungen häufiger betroffen als Mädchen.

Leitbeschwerden

  • Meist als Erstzeichen leichte Muskelermüdbarkeit, vor allem mit Schwierigkeiten beim Treppensteigen und beim Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen (die Kinder »klettern an sich selbst hoch«)
  • Vermehrte Gangunsicherheit mit Stolpern und Fallen
  • Seltener verzögertes Laufenlernen

Dahinter verbergen sich verschiedene Erkrankungen

Bei der häufigsten Form, der Muskeldystrophie Typ Duchenne, beginnen die Beschwerden im Kleinkind- oder Kindergartenalter. Es sind aufgrund des Erbganges nur Jungen betroffen. Die Kinder verlieren immer mehr motorische Fähigkeiten, und sie werden meist nur etwa 25 Jahre alt, da auch die Atem- und Herzmuskulatur betroffen sind. Durch die heute auch zu Hause mögliche künstliche Beatmung hat sich die Lebenserwartung für einzelne Kinder verlängert.

Gutartiger verläuft die Muskeldystrophie Typ Becker, die erst im Schulalter beginnt und zudem wesentlich langsamer fortschreitet.

Beide müssen abgegrenzt werden gegen die spinalen Muskelatrophien, bei der nicht die Muskeln selbst, sondern die sie versorgenden Nervenzellen zugrunde gehen. Sie zeigen sich teilweise schon im Säuglingsalter durch häufiges »Verschlucken« von Nahrung in die Atemwege (so genannte Aspiration) und durch Atemnot.

Zur Diagnose sind Blutuntersuchungen sowie Muskel- und Nervengewebsentnahmen erforderlich.

Die Behandlung hat zum Ziel, die Mobilität des Kindes durch Krankengymnastik, Bereitstellung von Hilfsmitteln und möglicherweise auch Operationen möglichst lange zu erhalten. Weder schulmedizinische noch naturheilkundliche Verfahren vermögen aber bislang den Krankheitsprozess aufzuhalten.

Sowohl für Sie als Eltern als auch für Ihr Kind ist die Belastung wegen des letzten Endes unaufhaltsamen Verlaufs enorm. Rat und Hilfe finden Sie auch bei Selbsthilfeorganisationen:



Aktualisiert ( Donnerstag, den 19. November 2009 um 09:44 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München