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Essstörungen

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Mittwoch, den 08. Oktober 2008 um 08:59 Uhr
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Essstörungen
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Unter Essstörungen im engeren Sinne versteht man die Magersucht (= Pubertätsmagersucht, Anorexia nervosa) und die Bulimie (= Ess-Brech-Sucht). Beide Erkrankungen haben in den letzten Jahren zugenommen. Rund 1 % der jungen Mädchen und 0,1 % aller Jungen etwa ab dem 15. Lebensjahr sind betroffen.

Die Prognose der Betroffenen ist schlecht: Je nachdem, wie weit man den Kreis der Erkrankten wählt, versterben 1 – 5 % an ihrer Magersucht oder Bulimie. Und über ein Drittel erkrankt an schweren psychiatrischen Erkrankungen im späteren Leben – bis hin zu wiederholten Selbsttötungsversuchen. Entscheidend ist deshalb die rechtzeitige und konsequente Therapie – die notfalls auch gegen den Willen der Kranken durchgesetzt werden muss.

Leitbeschwerden

  • Magersucht: erhebliche Gewichtsabnahme (Body-Mass-Index unter 17,5 kg/m2, siehe Kasten zum BMI), keine Teilnahme an den Familienmahlzeiten oder Essen nur minimaler Mengen, dabei häufig Kochen und Backen für andere. Oft großer Ehrgeiz in der Schule oder im Sport. Ausbleiben der monatlichen Regelblutung
  • Bulimie: oft lange Zeit unbemerkt, Gewicht normal oder reduziert. Heißhungeranfälle, während derer vielfach heimlich riesige Essensmengen verschlungen werden (plötzlich leerer Kühlschrank). Danach absichtliches Auslösen von Erbrechen (auffällig lange »Toilettengänge«)

30 % der Schülerinnen über zwölf Jahre zeigen Warn- oder Frühzeichen einer Essstörung.

2 % der jungen Frauen leiden unter einer ausgeprägten Form der Magersucht, die Bulimie ist möglicherweise sogar doppelt so häufig.

Die Zahl der Mädchen, die vor ihrem 15. Geburtstag erkrankt, ist im Steigen begriffen, ebenso die Zahl essgestörter Jungen.

Wann zum Arzt

In den nächsten Tagen, wenn

  • Sie bei Ihrem Kind die Warnzeichen im Kasten bemerken.
  • Ihr Kind ein sog. gestörtes Körperschema hat: Das Kind erlebt und beschreibt seinen Körper fern von jeder Realität als zu dick, hässlich und/oder unproportioniert.

Heute noch, wenn

  • Ihr Kind in letzter Zeit erheblich abgenommen hat und nun unübersehbar körperliche Beschwerden (z. B. Kreislaufbeschwerden) bekommt.


Aktualisiert ( Montag, den 09. Februar 2015 um 14:12 Uhr )