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Halsschmerzen

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 21. Juli 2009 um 08:42 Uhr

Die meisten Halsschmerzen sind auf virusbedingte Halsentzündungen zurückzuführen und im Prinzip harmlos. Da aber auch eitrige Halsentzündungen bzw. der Scharlach mit Fieber und Halsschmerzen verlaufen, stellt sich oft die Frage, um was es sich nun handelt – »einen Virus« oder mehr?
Auch wenn erst der Rachenabstrich die letzte Gewissheit bringt – einige Zeichen ma­chen eine Virusinfektion wahrscheinlicher, nämlich begleitender Husten, Durchfall oder Bindehautentzündung. Alle drei Er­schei­nungen sind für den Erreger der eitrigen Angina und des Scharlachs, die Streptokokken, untypisch. Manche Kinderärzte gehen so weit, dass sie bei hustenden Kindern auf einen Abstrich zunächst verzichten.

Was tun bei Halsschmerzen?

Natürlich richten sich die Maßnahmen nach den Ursachen. Bei den häufigen infektionsbedingten Formen des Halswehs hilft Salbei- oder Eichenrindetee, auch zum Gurgeln. Eine Alternative (der Salbeitee ist leicht bitter) ist Isländisches Moos: Zwei gehäufte Teelöffel des getrockneten Mooses mit ¼ Liter Wasser kalt an­setzen und dann langsam zum Kochen bringen. Abseihen und gurgeln lassen (darf ge­schluckt werden). Siehe So helfen Sie Ihrem Kind bei Halsentzündungen.

Halsschmerzen. Genaues Beschwerdebild Was sich am ehesten dahinter verbirgt Erste Maßnahmen

Leichte Halsschmerzen

  • Kein Fieber
  • Möglicherweise Heiserkeit
  • Nach Aufenthalt in rauchiger, staubiger Luft oder Überbeanspruchung der Stimme
Reizung der Rachenschleimhaut Auslösende Ursache beseitigen. Für ausreichend Luftfeuchtigkeit sorgen, Stimme schonen, bei Bedarf die Maßnahmen zur Linderung von Halsschmerzen anwenden (Siehe So helfen Sie Ihrem Kind bei Halsentzündungen.)
Leichte bis mäßige Halsschmerzen   Leichte bis mäßige Halsschmerzen sind bei Kindern meist durch eine harmlose Virusinfektion bedingt, die je nach Gewichtung der Beschwerden letztlich als Hals- bzw. Mandelentzündung, Erkältung oder Grippe bezeichnet wird. Kind in den Hals schauen, bei leichter Rötung Selbsthilfemaßnahmen zur Linderung von Halsschmerzen anwenden (Siehe So helfen Sie Ihrem Kind bei Halsentzündungen). Bei dunkelrotem Rachen, Belägen auf den Mandeln oder Dauer der Erkrankung über drei Tage am nächsten Tag zum Kinderarzt gehen. Bei hohem Fieber oder schlechtem Allgemeinbefinden am gleichen Tag zum Arzt gehen – insbesondere bei gleichzeitigem Husten handelt es sich möglicherweise um eine echte Grippe
  • Leichtes bis mäßiges Fieber, keine weiteren Beschwerden
  • Leichtes bis mäßiges Fieber, weitere Zeichen einer Virus­infektion, z. B. Schnupfen, Husten
  • Mäßiges bis hohes, länger dauerndes Fieber, beeinträchtigtes Allgemeinbefinden, möglicherweise Durchfall, möglicherweise Beläge auf den Mandeln, oft ältere Kinder
  • Hohes Fieber, schlechtes Allgemeinbefinden, Husten, Schnupfen

Leichte bis mäßige Halsschmerzen 

  • Leichtes bis mäßiges Fieber, Husten, Schnupfen
  • Auffällige Entzündung der Augenbindehäute, Lichtempfindlichkeit
Beginnende Masern Falls Ihr Kind zusätzlich zu Erkältungszeichen gerötete Augen hat und lichtempfindlich ist, schauen Sie ihm in den Mund: Weißliche, »kalkspritzerartige« Flecken an der Wangeninnenseite gegenüber den Backenzähnen sprechen für Masern – dann möglichst am gleichen Tag zum Kinderarzt gehen (bei Nackensteife sofort)

Mäßige bis heftige Halsschmerzen

  • Deutliche Schluckbeschwerden bis zur Nahrungsver­weigerung
  • Meist hohes Fieber, kein Husten
  • Ab dem zweiten Tag meist sichtbare Beläge auf den Mandeln
Hals-/Mandelentzündung durch Bakterien, z. B. eitrige Mandelentzündung (= Angina),
Scharlach
Wenn die Halsschmerzen ganz im Vordergrund stehen und mit hohem Fieber verbunden sind, sind oft Bakterien die Ursache, die mit Antibiotika behandelt werden müssen. Daher bei Halsschmerzen mit hohem ­Fieber spätestens am nächsten Tag, bei sichtbaren Belägen noch am gleichen Tag zum Arzt gehen.
Bis dahin Selbsthilfemaßnahmen zur Linderung von Halsschmerzen (Siehe So helfen Sie Ihrem Kind bei Halsentzündungen) anwenden

Mäßige bis heftige Halsschmerzen

  • Hohes Fieber, schlechtes Allgemeinbefinden
  • Deutliche Schluckbeschwerden bis zur Nahrungsverwei­gerung, kloßige Sprache
  • Atemnot mit hörbaren Atemgeräuschen
  • Meist Klein- bis Kindergartenkinder
Epiglottitis (= bakterielle Kehldeckel­entzündung) heute durch die Hib-Impfung sehr selten), selten auch Abszesse der Rachenhinterwand als Komplikationen einer eitrigen Angina Akuter Notfall – sofort Notarzt rufen! Bis zum Eintreffen des Notarztes Kind beruhigen, sitzen lassen, wie es will. Nicht versuchen, dem Kind in den Hals zu schauen oder ihm etwas zu trinken zu geben – dadurch kann der entzündete Kehldeckel noch mehr anschwellen!

Schmerzen in Hals, Wange und Ohr

  • Stärkerwerden der Schmerzen beim Öffnen des Mundes, Kauen oder Schlucken
  • Schwellung der Backe (vor dem Ohr)
  • Meist leichtes Fieber
Mumps (= Ziegenpeter) Am nächsten Tag zum Kinderarzt gehen. Bis dahin Selbsthilfemaßnahmen anwenden (Siehe So helfen Sie Ihrem Kind bei Halsentzündungen)
Halsschmerzen »außen« am Hals    
  • Bei starken Schmerzen am gleichen Tag zum ­Kinderarzt gehen, ansonsten vorgehen wie bei Lymphknotenschwellung dargestellt
  • Kein Fieber, Kopfschiefhaltung, Halsbewegung schmerzhaft
  • Wärme anwenden, hierunter kommt es in aller Regel zu einer deutlichen Beschwerdebesserung innerhalb eines Tages. Ansonsten zum Arzt gehen
Aktualisiert ( Mittwoch, den 26. August 2009 um 15:22 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München