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Kopfschmerzen

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Freitag, den 07. August 2009 um 14:57 Uhr

Etwa ein Drittel der Kinder hat immer einmal wieder Kopfweh. Am häufigsten ist der Spannungskopfschmerz, ge­folgt von der Migräne, an der immerhin 5 % der Grundschulkinder leiden. Typisch sind Kopfschmerzen auch als Begleiter des Fiebers und der häufigen Atemwegsinfektionen, von der Erkältung bis zur Nasennebenhöhlenentzündung.

Die Sorge vieler Eltern, hinter dem Kopfweh könne ein Gehirntumor stehen, ist verständlich. Die mit Gehirntumoren verbundenen Kopfschmerzen sind anders als das »normale« Kopfweh; sie werden häufig am Hinterkopf empfunden und treten oft morgens beim Aufstehen auf, um dann im Tagesverlauf besser zu werden. Husten, Niesen oder Pressen macht das Kopfweh schlimmer. Das Kopfweh meldet sich regelmäßig und wird allmählich stärker oder es wird von Be­schwerden wie Doppeltsehen, Schwäche oder Hörstörungen begleitet.

Was tun bei Kopfweh?

Die meisten Formen lassen sich durch wenige Selbsthilfemaßnahmen ertragen und gehen von selbst wieder weg.

Oft merken Sie rasch, was hinter den Kopfschmerzen steckt, z. B. Fieber, Schnupfen, ein »angeschlagener« Kopf oder Schulstress. In unklaren Fällen kann ein Kopfschmerzkalender Klärung bringen. Tritt hartnäckiges Kopfweh in den Wochen nach einer Gehirnerschütterung auf, sollte Ihr Kind zum Kinderarzt.

Achten Sie auch darauf, was Ihr Kind isst – Koffein, Schokolade, Geschmacksverstärker (z. B. Mo­no­so­dium­glutamat) in chinesischen Ge­richten sowie bestimmte Käsesorten können bei entsprechend veranlagten Kindern Kopfweh auslösen.
In unklaren Fällen oder nach Unfällen wird der Kinderarzt weitere Untersuchungen veranlassen, wie etwa ein Computer- oder Kernspintomogramm des Kopfes.

Kopfschmerzen. Genaues Beschwerdebild Was sich am ehesten dahinter verbirgt Erste Maßnahmen

Leichte bis mäßige Kopfschmerzen

  • Dumpf-drückend
  • Kein Fieber, keine weiteren Beschwerden, Alltagstätigkeiten möglich
  • Möglicherweise psychische Belastungen, einseitige Haltung
Spannungs­kopfschmerzen Kind ausruhen lassen. Meist vergehen die Kopfschmerzen dann von selbst. Bei häufigem Auftreten überlegen, ob ein zeitlicher Zusammenhang zu psychischen Belastungen oder z. B. zu stundenlangem Sitzen am Schreibtisch (mit daraus ­resultierenden Muskelverspannungen) besteht

Leichte bis mäßige Kopfschmerzen

  • Wie oben, jedoch vor allem abends, nach längerer Naharbeit (Lesen) oder Bildschirmarbeit
Unerkannte Sehfehler Daueranstrengung der Augen kann zu Kopfschmerzen führen – daher vor allem bei abendlichen Kopfschmerzen Sehfehler durch den Augenarzt ausschließen lassen

Leichte bis mäßige Kopfschmerzen

  • Leichtes bis mäßiges Fieber
  • Krankheitszeichen, z. B. Schnupfen, Glieder- oder Ohrenschmerzen
Kopfschmerzen im
Rahmen einer Allgemeininfektion
Die Kopfschmerzen sind hier nicht eigenständige Erkrankungen, sondern Zeichen einer anderen Infektion, z. B. vielen Virusinfektionen oder einer Mittelohrentzündung. Kind hinlegen und je nach vermuteter Grunderkrankung vorgehen

Mäßige bis heftige Kopfschmerzen

  • Pochend-stechend, bei älteren Kindern oft halbseitig
  • Kein Fieber
  • Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschabneigung
Migräne Versuchen, das Kind in einem ruhigen, abgedunkelten Raum zum Schlafen zu bringen. Schläft es dann ruhig und wacht es nicht wegen Kopfschmerzen auf, steckt in aller Regel keine ernste Erkrankung dahinter. Bei wiederholtem Auftreten Kinderarzt darauf ansprechen

Heftige Kopfschmerzen

  • Meist hohes Fieber
  • Schlechtes Allgemeinbefinden, Übelkeit, Erbrechen
  • Starke Abneigung gegen Licht und Geräusche
  • Steifer Nacken (das Kind kann den Kopf nicht nach vorne beugen)
Hirnhautentzündung
(= Meningitis)
Sofort zum Kinderarzt. Besonders wenn das Kind schläfrig oder gar bewusstlos ist, gleich mit dem Kind ins Krankenhaus fahren – ein sicherer Ausschluss einer Hirnhaut­entzündung ist zu Hause nicht möglich

Kopfschmerzen unterschiedlicher Stärke

  • Werden beim Vornüberbeugen des Kopfes oder Hüpfen stärker
  • Möglicherweise Fieber sowie vorhergehende »Erkältung, die nicht weggehen wollte« oder »fest sitzender Schnupfen«
Nasenneben­höhlenentzündung Die Beschwerden bei einer Nasennebenhöhlenentzündung können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein, uncharakteris­tische Dauerkopfschmerzen können einziges Zeichen sein. Sie können nicht feststellen, ob eine Nebenhöhlen­ent­zün­dung vorliegt, daher bei Verdacht zum Kinderarzt gehen

Kopfschmerzen unterschiedlicher Stärke

  • Möglicherweise Veränderungen des Urins, z. B. »schmutzig-braune« Farbe oder Verminderung der Urinmenge
  • Möglicherweise »verquollenes« Gesicht (Wassereinlagerungen)
Glomerulonephritis
(= Nierenentzündung) oder andere Nierenfunktionsstörung
Nierenfunktionsstörungen verlaufen oft lange Zeit uncharakteristisch. Bei länger dauerndem allgemeinen Unwohlsein, Leistungsminderung und Kopfschmerzen deshalb zwecks ­Abklärung zum Arzt gehen (die Diagnose erfordert z. B.
Blutuntersuchungen)

Kopfschmerzen unterschiedlicher Stärke

  • Bei bekanntem Bluthochdruck
Bluthochdruckkrise Bei heftigen Kopfschmerzen und bekanntem Bluthochdruck Blutdruck messen. Bei zu hohen Werten die vom Arzt verordneten Notfallmedikamente geben, falls diese nicht vorhanden oder wirkungslos sind, zum Kinderarzt gehen. Bei normalen Werten haben die Kopfschmerzen andere Ursachen

Über Tage bis Wochen zunehmende Kopfschmerzen

  • Kein Fieber, keine Infektzeichen
  • Meist morgens stärker als abends
  • Möglicherweise Übelkeit und Erbrechen
  • Möglicherweise Verhaltensänderungen oder andere Auffälligkeiten wie Lähmungen oder neu aufgetretene Ungeschicklichkeit
Gehirntumor Diagnosessicherung oder -auschluss sind nur durch technische Untersuchungen möglich. Daher rasch einen Termin beim Kinderarzt ausmachen

Kopfschmerzen

  • Nach starker Sonneneinstrahlung auf den Kopf
  • Hochroter, heißer Kopf bei kühler übriger Haut
  • Möglicherweise Bewusstlosigkeit
Sonnenstich Kind in den Schatten bringen. Bei erhaltenem Bewusstsein mit erhöhtem Kopf lagern, Kopf mit feuchten Tüchern
kühlen. Bei Bewusstlosigkeit in stabile Seitenlage bringen. Bei ausbleibender Besserung, ausgeprägten Beschwerden und immer bei Bewusstlosigkeit Notarzt rufen

Kopfschmerzen

  • In den ersten 24 Stunden nach einem Sturz auf den Kopf auftretend
Gehirnerschütterung oder unfallbedingte Gehirnschädigung Bei allen Kopfschmerzen, die nach einem Unfall auftreten, ­sicherheitshalber zum Arzt gehen, um ernste Schäden aus­zuschließen (siehe Gehirnerschütterung)
Aktualisiert ( Mittwoch, den 26. August 2009 um 15:31 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München