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Mundbeschwerden

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Montag, den 10. August 2009 um 11:33 Uhr

Mundbeschwerden haben vielfältige, bei Kindern ganz überwiegend harmlose Ursachen. Zum Problem werden Mundbeschwerden vor allem dann, wenn sie so ausgeprägt sind, dass das Kind nicht nur das Essen,
sondern auch das Trinken verweigert.

Was tun bei Mundbeschwerden?

Verweigert Ihr Kind die Nahrung oder das Trinken, so helfen vielleicht die Selbsthilfemaßnahmen weiter (Siehe So helfen Sie Ihrem Kind bei Mundfäule). Ansons­ten gehen Sie am besten zum Kinderarzt. Selten ist eine Krankenhauseinweisung zur vorübergehenden Sondenernährung er­forderlich.

Mundbeschwerden. Genaues Beschwerdebild Was sich am ehesten dahinter verbirgt Erste Maßnahmen

Weißliche Beläge im Mund

  • Meist Babys im ersten Vierteljahr
  • Gehen durch Teetrinken nicht weg
  • In ausgeprägten Fällen schmerz­bedingte Trinkverweigerung
Mundsoor (= Pilzinfektion durch den ­Hefepilz Candida ­albicans) Zum Kinderarzt gehen, da der Pilz durch entsprechende Präparate
bekämpft werden muss.
Bis dahin darauf achten, dass das Baby genug trinkt
Bläschen um den Mund    
  • Erst helle, dann trübe Bläschen in einem begrenzten Bereich um den Mund, juckend, Allgemeinbefinden nicht beeinträchtigt
  • Bei Wohlbefinden des Kindes kein Arztbesuch nötig. Ggf. gerbstoff- oder zinkhaltige Präparate auftragen
  • Erst helle, dann trübe Bläschen in einem größeren und meist nach oben ansteigenden Bereich um den Mund, juckend-schmerzend, meist mitAllgemeinbeschwerden (Fieber, Schlappheit)
  • Noch am gleichen Tag zum Arzt gehen. Achtung: Der Bläscheninhalt ist ansteckend und kann bei anderen ­Kindern zu Windpocken führen
  • Gelbe Bläschen, die platzen und honiggelbe Krusten hinterlassen. Betroffener Bereich immer größer werdend
  • Zum Arzt gehen. Der Bläscheninhalt ist ansteckend, daher sorgfältig auf Hygiene achten
Bläschen/Geschwüre im Mund    
  • Kleine Geschwüre im Mund mit einem roten Randsaum, Schmerzen beim Essen/Trinken, keine weiteren Beschwerden
     
  • Mund mit Kamillen- oder Salbeitee spülen oder entsprechende Tinkturen auf die Geschwüre auftragen, evtl. auch lokal betäubende Präparate aus der Apotheke. Darauf achten, dass das Kind genug trinkt. Bei zahlreichen oder immer wiederkehrenden Aphthen oder Dauer über eine Woche zum Arzt
  • (Hohes) Fieber, beeinträchtigtes Allgemeinbefinden, meist Kleinkinder
     
  • Zwecks Diagnosesicherung zum Arzt gehen. Schmerzlindernde Maßnahmen wie oben dargestellt durchführen
  • Auch Bläschen an den Lippen, an Handflächen und Fußsohlen, leichtes Fieber
  • Zwecks Diagnosesicherung zum Arzt gehen. Schmerzlindernde Maßnahmen wie oben dargestellt durchführen

Rote, wunde Haut um den Mund

  • Bei ständiger Feuchtigkeit, Kälte oder wiederholtem Lecken der Lippen
  • Keine weiteren Beschwerden
Hautreizung,
Lippenleckekzem
Wund- und Heilsalbe wie etwa
Bepanthen® auftragen. Nach Abheilen Haut durch Auftragen einer Fett- oder Kindercreme schützen. Bei dem sehr häufigen Lippenlecken versuchen zu ergründen, ob die Angewohnheit zuerst da war oder das Lippenlecken ein (erfolgloser) Selbstheilungs­versuch bei kältebedingt trockener und
juckender Haut ist
Rote Haut um den Mund
  • Mit kleinen Knötchen, meist kein Juckreiz
  • Oft nach vorherigem (längerem) Auftragen einer Kortisoncreme
  • Meist (weibliche) Teenager
Periorale Dermatitis
(= bestimmte Form der Haut­entzündung). Die genaue Ursache ist unbekannt, Auslöser könnten Kosmetika, fluoridierte Kortisoncremes oder Fluorzahn­pasta sein
Termin beim Arzt ausmachen. Alle Hautpflegemittel oder Cremes weglassen. Die periorale Dermatitis ist lästig und langwierig, sie muss meist durch die längere Einnahme von Antibiotika (z. B. Tetrazyklin), behandelt werden. Letztendlich heilt der Ausschlag aber ohne Narben ab

Rote, trocken-rissige Lippen, rote Zunge (»Himbeerzunge«)

  • Hohes Fieber über mehrere Tage
  • Bindehautentzündung
  • Evtl. Hautausschlag und ­Rötung der Handflächen und Fußsohlen, evtl. Lymphknotenschwellung am Hals
Kawasaki-Syndrom Am gleichen Tag zum Kinderarzt gehen

Risse am Mundwinkel

  • Schlecht heilend
  • Möglicherweise Krustenbildung
Faulecke (= Perlèche), begünstigt durch Neurodermitis, Hautinfektionen, Vitamin-, Eisenmangel (die beiden letzteren Ursachen sind heute selten) Wundheilungssalbe wie etwa Bepanthen® auftragen und provozierende mechanische Reize (z. B. durch Schnuller) vermeiden. Bleiben die Faulecken trotzdem länger bestehen oder werden sie immer größer, zum Ausschluss z. B. einer Hautinfektion zum Arzt gehen

Kribbeln um den Mund und an den Händen

  • Luftnot, Angst, Schwindel
  • Vorher auffällig schnelles Atmen
Hyperventilation Kind beruhigen und zu langsamem Atmen anhalten. Hilft das nicht, Plastiktüte von unten vor Mund und Nase halten (durch das Einatmen der verbrauchten Luft ge­hen die Beschwerden weg). Bei Be­wusst­losigkeit vorgehen wie bei Ohnmacht

Plötzliches Jucken und Brennen um oder im Mund

  • Nach Insektenstich oder Verzehr bestimmter Nahrungsmittel, z. B. Erdbeeren, Tomaten
  • Möglicherweise Schwellung um oder im Mund
Allergie Bei Schwellung im Mund sofort zum Kinderarzt fahren, bei Atemnot Notarzt rufen

Mundbeschwerden jeglicher Art

  • Mit Nahrungsverweigerung
Verschiedene Erkrankun­gen mit Bläschen im Mund (siehe oben),
Mundsoor
Wegen der Austrocknungsgefahr zum Arzt gehen, wenn Ihr Kind trotz »Tricks« wegen Mundbeschwerden nichts mehr trinkt, je kleiner das Kind, desto schneller
Mundgeruch   Zwecks Abklärung Kinderarzt aufsuchen. Nicht immer findet sich eine Ursache. Zudem muss erwähnt werden, dass der apfelartige Azetongeruch nicht von allen Menschen wahrgenommen wird, dies ist erblich bedingt. Im Zweifelsfall also auch andere »riechen lassen«
  • Fruchtig, apfelartig
  • Eitrig-faulig
  • Bei Zahnfleischinfektionen, verfaulenden Nahrungs­teilchen zwischen den Zähnen, Fremdkörper in der Nase, chronischer Mandelentzündung oder Polypen
Aktualisiert ( Mittwoch, den 26. August 2009 um 15:32 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München