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Durchfall

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Donnerstag, den 16. Juli 2009 um 14:07 Uhr

Durchfälle bei Kindern sind sehr häufig, auf­grund ihrer großen Bedeutung im praktischen Alltag mit Kindern werden sie im Kapitel Akuter Durchfall und Magen-Darm-Infekt zusammenhängend besprochen.
Fast immer steht bei Kindern eine Magen-Darm-Infektion dahinter. Solche erreger­bedingten Durchfälle sind fast immer harmlos und verschwinden in aller Regel nach 1–3 Tagen von selbst wieder. Und der Durchfall stellt bei dieser Gruppe der Durchfallserkrankungen im Grunde schon die Therapie dar. Denn die von der entzündeten Schleimhaut in den Darm abgegebene Flüssigkeit spült gleichzeitig auch die Erreger »flussabwärts«, so dass sie den Darm nicht weiter schädigen können.
Nicht selten begleitet leichter Durchfall auch eine Infektion der oberen Luftwege. Dies kann daher rühren, dass manche Erkältungserreger bei Kindern auch die »untere Etage« mitbefallen, oder daher, dass der verschluckte Schleim den Darm reizt.
Nicht durch Erreger bedingter Durchfall ist weniger häufig. Dahinter können sich die verschiedensten Krankheiten von einer Un­ver­träg­lichkeit bestimmter Nahrungsstoffe bis zur Blinddarmentzündung verbergen.
Manche Ursachen, wie etwa die oft viele Monate anhaltende und gar nicht so seltene »Kleinkind-Diarrhö« (Reizdarm des Kleinkinds), sind bisher unerklärt, aber harmlos.

Durchfall. Genaues Beschwerdebild Was sich am ehesten dahinter verbirgt Erste Maßnahmen

Durchfall 

  • Oft geblähter Bauch
  • Möglicherweise Übelkeit und Erbrechen
  • Möglicherweise Bauchschmerzen
  • Möglicherweise Fieber
Infektiöser Durchfall bei einer Magen-Darm-Infektion (= Gastroenteritis, Magen-Darm-Katarrh), am häufigs­ten verursacht durch Viren oder Bakterien – übertragen durch Kontakt mit infizierten Personen oder verunreinigte Lebensmittel

Flüssigkeitsverluste ausgleichen und auf Zeichen der Austrocknung achten.
Warnzeichen sind: 

  • Trockene Lippen, Zunge und Mundschleimhaut; trockene Windeln
  • Tränenloses Weinen
  • Blass-graue Haut, mit dem Finger z. B. am Bauch abgehobene Hautfalten gehen nur langsam wieder zurück
  • Eingefallene Augen
  • Beim Säugling Einsinken der Fontanellen (Lücken zwischen den Schädelknochen oben am Kopf)
  • Schläfrigkeit und Teilnahmslosigkeit

Bei Zeichen der Austrocknung sofort zum Kinderarzt oder (nachts) ins Krankenhaus fahren

Durchfall

  • Meist Übelkeit und (heftiges) Erbrechen
  • Häufig erkranken mehrere Personen in der Umgebung, oft nur Stunden nach einer gemeinsamen Mahlzeit
Lebensmittelvergiftung z. B. durch Toxine (= Giftstoffe) von Salmonellen- oder Staphylokokken-Bakterien

Durchfall (meist mäßig)

  • (Teilweise heftige) Bauchschmerzen, im Verlauf von Stunden vom Nabel in den rechten Unterbauch wandernd
Blinddarmentzündung
(= Appendizitis)
Sofort zum Kinderarzt gehen oder (nachts) ins Krankenhaus fahren. Kind nüchtern lassen, keine Wärme anwenden, sondern Kälte

Durchfall

  • Weitere Krankheitszeichen (z. B. Husten, Ohrenschmerzen)
  • Möglicherweise Fieber
Mitreaktion bei einer anderen Erkrankung, z. B. Atemwegs- oder Mittelohrentzündung Flüssigkeitsverluste ausgleichen und auf Austrocknung achten (s. oben). ­Ansonsten je nach (vermuteter) Grund­erkrankung vorgehen
Durchfall nach Fernreisen Infektiöser Durchfall oder tropische Erkrankung Vielzahl teils ernster Erreger möglich, daher zum Kinderarzt gehen. Bis dahin Flüssigkeitsverluste ausgleichen und auf Austrocknung achten (s. oben)

Durchfall

  • Abwechselnd mit Verstopfung
  • Oft mit wiederkehrenden Bauchschmerzen
Paradoxer Durchfall bei Verstopfung In den nächsten Tagen zur weiteren Diagnose und Beratung zum Kinderarzt gehen
Durchfall beim Säugling nach Einführen neuer Nahrungsmittel (z. B. Obst, Kuhmilch) Meist vorübergehende Reaktion auf
die Kostumstellung. Selten dauerhafte Nahrungsmittelunverträglichkeit
Bei leichten Beschwerden abwarten. Nur bei ausgeprägten Formen das neue Nahrungsmittel wieder weglassen und einen Termin beim Kinderarzt ausmachen
Durchfall beim älteren Kind vor aufregenden Ereignissen (z. B. Reisen, Klassenarbeiten) Psychisch bedingt (»Schiss«) Abwarten – hört von selbst wieder auf. Bei häufigem Auftreten überlegen, ob
z. B. Über­forderung vorliegt

Durchfall nach Genuss bestimmter Nahrungsmittel

  • Möglicherweise Hautausschlag (Quaddeln)
Nahrungsmittelunverträglichkeit oder
-allergie
»Verdächtige« Nahrungsmittel weglassen und ­Termin beim Kinderarzt ­machen
Durchfall nach reichlichem Genuss von Obstsäften, Cola oder Zuckeraustauschstoffen Nahrungsbedingter Durchfall Saft, Cola oder Zuckeraustauschstoffe weglassen –
hört von selbst auf
Durchfall nach Medikamen-
ten­einnahme
Medikamentennebenwirkung, z. B. oft nach Antibiotika In ausgeprägten Fällen Rück­sprache mit Arzt nehmen
Blutiger Durchfall Noch am selben Tag zum Kinderarzt gehen. Ausnahme: Bei durch Reizung des Afters bedingten Blutbeimengungen kann abgewartet werden

Wiederholte oder über Monate andauernde Durchfälle

   
  • Ohne weitere Krankheitszeichen
 
  • Mit weiteren Krankheitszeichen (z. B. Bauchschmerzen, schlechtes Gedeihen), dabei oft große Mengen stinkender Stühle
Termin beim Kinderarzt ausmachen, da oft spezielle Untersuchungen zum Ausschluss einer Erkrankung bzw. zur Diagnosefindung nötig sind

Was tun bei Durchfall?

Was Sie bei Durchfall am besten tun, richtet sich vor allem nach den Ursachen und ist in der Tabelle jeweils kurz skizziert. Was Sie bei infektionsbedingtem Durchfall unternehmen können, siehe So helfen Sie Ihrem Kind bei Akuter Durchfall und Magen-Darm-Infekt. Unabhängig von der Ursache des Durchfalls sollten Sie immer ein Augenmerk auf den Flüssigkeitshaushalt Ihres Kindes haben, um einer Austrocknung rechtzeitig entgegenwirken zu können (wie Sie eine Austrockung verhindern bzw. behandeln, siehe So helfen Sie Ihrem Kind bei Akuter Durchfall und Magen-Darm-Infekt).

Aktualisiert ( Mittwoch, den 26. August 2009 um 15:49 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München