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Lymphknotenschwellung

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Montag, den 10. August 2009 um 11:15 Uhr

Die Lymphknoten (= Lymphdrüsen) gehören zu unserem Immunsystem. Über den ganzen Körper verteilt, wirken sie wie »biologische Filter«, welche die Körperflüssigkeit von Fremdkörpern reinigen, auf eingedrungene Krank­heits­erreger untersuchen und im Falle einer Infektion das Immunsystem aktivieren.

Auch im Normalzustand sind viele Lymphknoten als hagelkorn- bis taubeneigroße Schwellungen unter der Haut tastbar, z. B. in den Leisten oder in den Kieferwinkeln.
Wenn die Lymphknoten »beschäftigt« werden, d. h. wenn es zu einer örtlichen Infektion in der zu dem Lymphknoten ge­hörigen Kör­perregion kommt, schwellen sie an und sind dann manchmal auch druckschmerzhaft. Typisch sind z. B. die bei einer Halsentzündung unter den Kieferknochen zu tastenden Lymphknoten. Diese Schwellung der Lymphknoten ist ganz normal, sie zeigt das gesunde Funktionieren des Immunsystems an.

Bei den ganzen Körper betreffenden Infektionskrankheiten können Lymphknoten an vielen Stellen des Körpers anschwellen, dies ist beispielsweise beim Pfeiffer-Drüsenfieber, bei den Masern und bei den Röteln der Fall.

Manchmal mehr als eine Reaktion des Immunsystems

Nur selten wird die Lymphknotenschwellung selbst zum Problem, nämlich dann, wenn die Lymphknoten mit den eigentlich von ihnen unschädlich zu machenden Erregern nicht fertig werden und dann selbst infiziert werden. Eine solche eitrige Lymphknotenentzündung (= Lymphadenitis) tritt zumeist am Hals auf und zeigt sich durch eine massive Vergrößerung und schmerzhafte Schwellung des Lymphknotens. Die dar­über­liegende Haut ist heiß und gerötet, Fieber kann auftreten.
Noch seltener sind Lymphknotenschwellungen die Folgen einer bösärtigen Erkrankung, etwa eines Lymphoms oder einer Leukämie. Die Lymphknoten sind im Gegensatz zu den infektionsbedingten Schwellungen hart, nicht verschiebbar und auf Druck auch nicht schmerzhaft.

Was tun bei großen Lymphknoten?

Fast alle geschwollenen Lymphknoten sind durch Infektionen (örtlicher oder allgemeiner Art) bedingt und bilden sich innerhalb von 1–2 Wochen von selbst zurück.
Bleiben ein oder mehrere Lymphknoten je­doch länger als 2–3 Wochen tastbar ge­schwollen, handelt es sich um einen sehr gro­ßen (über 2–3 cm) oder entzündeten Lymphknoten (die Haut über dem Lymphknoten ist dann rot, warm und geschwollen) oder ist der Lymphknoten beim Bestasten hart und schmerzlos, so sollten Sie Ihr Kind zum Arzt bringen. Das gilt auch, wenn die geschwollenen Lymphknoten von einem »Leistungsknick« oder einer Gedeihstörung begleitet werden.
Der Arzt wird dann entweder zuwarten oder, bei einer vermuteten bakteriellen Infektion, Antibiotika verordnen. Bleibt der Lymphknoten weiter geschwollen, ist manchmal eine Biopsie (= Probeentnahme) des Lymphknotens unter lokaler Betäubung erforderlich, da sich nur so die Ursache der Schwellung sicher feststellen lässt.

Lymphknotenschwellung. Genaues Beschwerdebild Was sich am ehesten dahinter verbirgt Erste Maßnahmen

Lympknotenschwellung an einer Stelle des Körpers
(Hals oder Leiste oder Achsel)

  • Druckschmerzhaft
  • Gut verschiebbar
  • Möglicherweise sichtbare Entzündung in der Nähe (Hals, Gesicht, Arm, Bein)
Abwehrreaktion gegen eine Entzündung im dazu­gehörigen Körpergebiet In aller Regel keine Sofortmaßnahmen nötig, bei Bedarf leicht kühlen. Die Lymphknotenschwellung ist eine ­Reaktion des Immunsystems auf eine Entzündung
(z. B. Angina, Wundinfektion). Kind beobachten, bei fortbestehender Lymphknotenschwellung nach drei Wochen ­Kinderarzt aufsuchen. Ansonsten je nach Grunderkrankung vorgehen

Starke Lympknotenschwellung an einer Stelle des Körpers (oft Hals)

  • Haut darüber gerötet
  • Möglicherweise Fieber
Eitrige Entzündung eines Lymphknoten
(= Lymph­adenitis)
Zum Kinderarzt gehen. Meist müssen Antibiotika eingenommen werden, bei Eiteransammlung im Lymphknoten muss der Lymphknoten vielleicht chirurgisch eröffnet werden

Lymphknotenschwellung am Hals

  • Hohes Fieber über mehrere Tage
  • Hochrote, trockene, rissige Lippen, Rötung von Handflächen und Fußsohlen, möglicherweise Hautausschlag am Rumpf
  • Gerötete Augen (Augenbindehautentzündung)
Kawasaki-Syndrom Am gleichen Tag zum Kinderarzt gehen – bestätigt er die Diagnose, muss das Kind im Krankenhaus Immun­globulin-Infusionen bekommen

Lympknotenschwellung an einer Stelle des Körpers

  • Nicht druckschmerzhaft
  • Hart
  • Möglicherweise nicht gegen Umgebung verschiebbar
Lymphom, Entzündung Keine Sofortmaßnahmen nötig. Auch bei Beschwerdefreiheit möglichst bald zwecks Abklärung zum Kinderarzt gehen, maximal innerhalb einer Woche
Lympknotenschwellung an zwei oder mehr Stellen des Körpers Allgemeinerkrankung, z. B. Infektion, selten Lymphom oder
Leukämie
Keine Sofortmaßnahmen nötig. Falls keine Infektion bekannt, bei gleichzeitigem Fieber je nach Befinden heute oder morgen, ohne Fieber innerhalb maximal einer Woche zwecks Abklärung Kinderarzt aufsuchen
Aktualisiert ( Mittwoch, den 26. August 2009 um 15:31 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München