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Schwindel

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Montag, den 10. August 2009 um 13:33 Uhr

Schwindel kann zum einen durch St√∂rungen des Kreislaufs entstehen. Er geht deshalb oft einer Ohnmacht voraus oder begleitet Krankheiten, die den Kreislauf belasten, wie etwa Durchfall oder Grippe. Typischerweise zeigt sich der durch eine Kreislaufschw√§che ausgel√∂ste Schwindel als ein Gef√ľhl der »Leichtigkeit«, des »Schummerigwerdens« oder »Schwarzwerdens vor den Augen«.
Schwindel kann aber auch auf eine Störung des Gleichgewichtsorgans im Innenohr hinweisen, was jedes Kind vom Karusselfahren her kennt.

Bei dieser Form ist den Kindern »durmelig«, der Schwindel ist also ein »Drehschwindel«, er wird evtl. von √úbelkeit begleitet. Ein solcher Schwindel kann manchmal auch durch eine Virusinfektion des Innenohrs oder der vom Gehirn zum Innenohr ziehenden Nerven ausgel√∂st werden und begleitet dann etwa eine Mittelohrentz√ľndung oder auch eine normale Erk√§ltung.

Auch Vergiftungen (wie etwa durch Alkohol) zeigen sich bekannterweise durch Dreh­schwin­del. Bei kleinen Kindern zwischen zwei und f√ľnf Jahren k√∂nnen manch­mal kurz­dau­ernde Attacken von Drehschwindel auftreten, viele der Kinder entwickeln sp√§ter eine Migr√§ne, so dass man davon ausgeht, dass es sich um eine Fr√ľh-, Vor- oder Sonderform der Migr√§ne handelt.

Schwindel. Genaues Beschwerdebild Was sich am ehesten dahinter verbirgt Erste Maßnahmen

Schwindel

  • Schummrigkeitsgef√ľhl, Schwarzwerden vor den Augen, Ohrensausen, in ausgepr√§gten F√§llen kurzzeitige Bewusstlosigkeit
  • Nach pl√∂tzlichem Aufstehen oder langem Stehen, vor allem in W√§rme
     
Orthostase-Syndrom, nicht selten verbunden mit niedrigem Blutdruck Kind hinlegen lassen, Beine hochlagern. Hierunter in aller Regel Besserung innerhalb k√ľrzester Zeit. Bei l√§nger dauernder Bewusstlosigkeit oder anhaltenden Beschwerden Notarzt rufen. Bei bekannt niedrigem Blutdruck allgemein blutdruckregulierende Ma√ünahmen anwenden – ein niedriger Blutdruck ist bei Kindern nur ganz selten krankhaft. Ansonsten bei h√§ufigem Auftreten zwecks Abkl√§rung zum Kinderarzt gehen

Schwindel

  • Beschwerden wie oben
  • Nach gro√üem Schreck
Reaktion auf den Schreck
(sog. vagovasale Synkope)

Schwindel

  • Beschwerden wie oben
  • Nach einer Verletzung
Reaktion des K√∂rpers auf die Verletzung (Schreck) oder den Blutverlust, manchmal anfangs nur schwer zu trennen Bei nur leichter Verletzung vorgehen wie oben dargestellt – schreckbedingte Reaktionen gehen dann in k√ľrzester Zeit vorbei. Bei gr√∂√üerem sichtbaren Blutverlust oder anhaltend schnellem Puls und Bl√§sse (Zeichen eines Blutverlustes nach innen) Erste-Hilfe-Ma√ünahmen anwenden und Notarzt rufen

Schwindel

  • Beschwerden wie oben
  • Nach einer Infektionskrankheit, vor allem mit Fieber, Erbrechen oder Durchfall
Reaktion des K√∂rpers auf die Erkrankung, m√∂glicherweise kombiniert mit einem noch bestehenden erkrankungsbedingten Fl√ľssigkeitsmangel Kind hinlegen lassen, Beine hochlagern. Das Kind sollte sich in den ersten Tagen nach durchgemachter Erkrankung noch etwas schonen. Erkrankungsbedingten Fl√ľssigkeitsmangel durch ausreichendes Trinken ausgleichen. Falls die Beschwerden nicht innerhalb weniger Tage weggehen oder st√§rker ­werden, zum Kinderarzt gehen
Schwindel
  • Beschwerden wie oben
  • Im normalen Alltag ohne die obigen typischen ­Aus­l√∂ser
Blutarmut,
Herzerkrankungen, z. B.
Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche
Auch wenn die Beschwerden auf die oben aufgef√ľhrten Ma√ünahmen wieder weggehen, in den n√§chsten Tagen Kinderarzt aufsuchen

Schwindel

  • Sehr schnelles, oft tiefes Atmen
  • Atemnot, Angst, Beklemmung, Kribbeln um den Mund und an den H√§nden, »Pf√∂tchenstellung« der H√§nde
  • M√∂glicherweise nach Schreck oder Aufregung
Hyperventilation, meist seelisch bedingt, selten organisch Kind beruhigen, zu langsamem Atmen anhalten. Bei anhaltenden Beschwerden eine kleine Plastikt√ľte vor Mund und Nase des Kindes halten, so dass es seine eigene Luft zur√ľckatmet. Falls erfolglos, Notarzt rufen

Schwindel

  • Nach einem Insektenstich, seltener nach Nahrungsaufnahme oder Medikamenteneinnahme
  • Meist √úbelkeit, Hautr√∂tung, Hautschwellung, Juckreiz oder Atemnot
Allergische Reaktion vom Typ 1, Schwerstform allergischer (= anaphylaktischer) Schock Sofort Notarzt rufen. Notfallmedikamente aus Notfallset ­verabreichen, falls vorhanden. Kind nicht alleine lassen, Herz-Kreislauf und Atmung weiter beobachten, bei Atem- oder Kreislaufstillstand Wiederbelebung durchf√ľhren

Gef√ľhl des Drehens

  • Nach l√§ngerem Drehen (im Spiel)
  • M√∂glicherweise (leichte) √úbelkeit
Normale Reaktion auf das Drehen Kind hinsetzen oder hinlegen lassen. Das Gleichgewichts­organ kommt dann innerhalb weniger Minuten zur Ruhe und der Schwindel h√∂rt auf

Gef√ľhls des Drehens

  • W√§hrend einer Auto-, Zug-, Flug- oder Seereise
  • Oft √úbelkeit, Schwei√üausbruch, ­Bl√§sse
Reisekrankheit Kind hinlegen lassen, Kopf dabei flach lagern. In ausgeprägten Fällen vor einer erneuten Reise vom Kinderarzt Medikament gegen Erbrechen empfehlen/verschreiben lassen

Schwindel

  • Mit einer konstanten »Richtung«, z. B. Drehen oder Ziehen zu einer Seite oder Gef√ľhl wie im Aufzug
  • Meist √úbelkeit
  • M√∂glicherweise unsicherer Gang, Fallneigung
     
Verschiedenste, teils
harmlose, teils ernste
Störungen des
Gleichgewichtsorgans
Hat der Schwindel eine bestimmte Richtung (im Gegensatz zum unbestimmten Schummrigkeitsgef√ľhl), so weist dies auf eine St√∂rung im Gleichgewichts­organ oder im Gehirn hin.
Dies muss keine ernsthafte Erkrankung bedeuten, sondern kann eine absolut harmlose Ursache haben, muss aber ärztlich abgeklärt werden.
Daher bei vor√ľbergehendem Schwindel m√∂glichst bald, bei Dauerschwindel oder weiteren Beschwerden baldm√∂glichst am gleichen Tag zum Kinderarzt gehen.
Kind bis dahin vor Gef√§hrdung sch√ľtzen
(z. B. nicht Fahrrad fahren lassen)

Schwindelanfälle

  • H√§ufig gefolgt von Kopfschmerz
  • M√∂glicherweise Ohrger√§usche, Sehst√∂rungen oder andere Auff√§lligkeiten
  • Zwischen den Anf√§llen Beschwerdefreiheit
     
Migr√§ne mit begleitender (und vor√ľbergehender) Funktionsst√∂rung des ­Gehirns

Schwindel jeglicher Art

  • M√∂glicherweise zunehmende Kopfschmerzen, Erbrechen, vor allem ­morgens
  • M√∂glicherweise weitere Beschwerden (z. B. Reizbarkeit, Ungeschick­lichkeit)
  • Auch zwischen den Anf√§llen ist das Kind »nicht ganz fit«
Gehirntumor

Schwindel jeglicher Art

  • Nach einer Kopfverletzung
  • H√§ufig √úbelkeit, Erbrechen
Gehirnersch√ľtterung Bei leichtem Schwindel abwarten. Bei st√§rkerem, anhaltendem, zunehmendem oder erst nach Stunden einsetzendem Schwindel zum Kinderarzt gehen

 

Aktualisiert ( Mittwoch, den 26. August 2009 um 15:43 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit f√ľr Kinder, 2. Auflage 2006, K√∂sel Verlag M√ľnchen