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Tuberkulose

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Montag, den 06. Oktober 2008 um 12:18 Uhr
Häufigkeit: Häufigkeit 1 von 5: Rarität

Lange Zeit als »Schwindsucht« gefürchtet, ist die Tuberkulose in Mitteleuropa durch die Verbesserung von Hygiene und allgemeinen Lebensbedingungen heute selten.

Seit den 90er Jahren sind jedoch durch die zunehmende Mobilität der Menschen Tuberkuloseerkrankungen eingeschleppt worden, somit steigt auch für Kinder das Risiko sich anzustecken.

Leitbeschwerden

  • Müdigkeit, Nachtschweiß, Gewichtsabnahme bzw. schlechtes Gedeihen
  • Vor allem abends leicht erhöhte Temperatur
  • Bei der Lungentuberkulose (häufigste Form) länger dauernder Husten, oft mit Auswurf, in fortgeschrittenen Stadien mit blutigem Auswurf
  • Bei der tuberkulösen Hirnhautentzündung Kopfschmerzen, Krämpfe, Lähmungen

Inkubationszeit sehr unterschiedlich (Wochen bis Jahre)

Ansteckend immer wenn Tuberkulosebakterien z. B. durch Husten an die Außenwelt gelangen

Tuberkulose kann über die Luft und über Nahrungsmittel übertragen werden; hierzulande ist praktisch nur die Infektion durch das Einatmen von Tuberkulosebakterien bedeutsam, welche ein Tuberkulosekranker aushustet. Auch wenn sich ein Kind (oder Erwachsener) ansteckt, so erkrankt es in 95 % der Fälle nicht, sondern kapselt die Erreger in der Lunge ein (sog. Primärkomplex). Unter bestimmten Bedingungen (etwa wenn das Kind aufgrund einer anderen Erkrankung geschwächt ist) können sich die Bakterien aber wieder ausbreiten und dann – oft Jahre oder Jahrzehnte später! – eine Tuberkulose-Erkrankung auslösen, zumeist in der Lunge, aber auch an den Hirnhäuten oder anderen Organen. Die Lungentuberkulose kann die Lunge so stark schädigen, dass sich in ihr Höhlen bilden (sog. Kavernen), die mit den Bronchien (= größeren Luftwegen) in Verbindung stehen. Bei einer solchen »offenen« Tuberkulose kann mit jedem Husten eine große Anzahl von Erregern in die Umwelt gelangen!

Die Diagnose einer Tuberkulose wird durch einen Tuberkulintest, Röntgenaufnahmen der Lunge und evtl. Untersuchungen des abgehusteten Schleims bzw. Mageninhalts gestellt. Ein positiver Tuberkulintest zeigt dabei nur an, dass sich der Körper schon mit dem Tuberkulosebakterium auseinander gesetzt hat, er bedeutet nicht zwangsläufig eine Tuberkuloseerkrankung! Dennoch werden auch Kinder, die »nur« einen positiven Tuberkulintest aufweisen, vorsichtshalber mit einem gegen die Tuberkulose wirksamen Antibiotikum (= Tuberkulostatikum) behandelt. Liegt bereits eine Tuberkulose-Erkrankung vor, so müssen mehrere Tuberkulostatika in Kombination eingenommen werden. Tuberkulostatika müssen stets zuverlässig mehrere Monate lang eingenommen werden, auch um zu verhindern, dass immer mehr Bakterien Resistenzen entwickeln, d. h. widerstandsfähig gegen die Medikamente werden. Lange Krankenhaus- oder Sanatorienaufenthalte oder Operationen sind nur noch selten nötig.

Die BCG-Impfung gegen Tuberkulose, die früher zu den allgemein empfohlenen Impfungen gehörte, wird heute nicht mehr empfohlen, da die Erkrankung inzwischen selten und der Impfschutz nur mäßig und zeitlich begrenzt ist.


Aktualisiert ( Donnerstag, den 23. Oktober 2008 um 13:49 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München