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Hintergrundwissen Herz und Kreislauf

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 07. Oktober 2008 um 08:37 Uhr
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Ein besonderes Muskelpaket

Auch wenn das Herz, nüchtern betrachtet, vor allem eine Blutpumpe ist – im Bewusstsein der Menschen ist es mehr als nur ein schnöder Körperteil: Im Altertum galt das beim Erwachsenen maximal 500 g schwere Muskelpaket als Sitz der Seele, und noch heute leidet jemand, der »herzlos« ist, nicht etwa an Kreislaufschwäche, sondern an mangelnder menschlicher Wärme. In einer anatomisch etwas fragwürdigen Fassung ist das Herz zudem das universale Symbol der Liebe (die einem dann bekanntermaßen das Herz auch wieder brechen kann).

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Das Herz ist der zentrale »Motor« des Herz-Kreislauf-Systems. Die Anteile des Herz-Kreislauf-Systems, die sauerstoffreiches Blut transportieren, sind rot gezeichnet, die Anteile mit sauerstoffarmem Blut blau. Wie die Abbildung zeigt, unterhält das Herz zwei Kreisläufe: Der größere Kreislauf (= Körperkreislauf) treibt das Blut zu den Körperzellen und versorgt alle Gewebe mit Nährstoffen und Sauerstoff. Der kleine Kreislauf(= Lungenkreislauf) leitet das Blut durch die Lungen, damit es sich dort immer neu mit Sauerstoff beladen kann.
[AMR]

Das Herz symbolisiert aber auch Tatkraft und Entschlossenheit: Ein in den Teich gefallenes Kind wird »beherzt« gerettet, der jahrzehntelange Raucher »fasst sich ein Herz« und hört endlich mit dem Qualmen auf – und leistet damit seinem Herzen wie seiner Umwelt einen ganz entscheidenden Dienst. Während Herz und Kreislauf beim Erwachsenen sehr häufig erkranken, ist dies bei Kindern selten. Allerdings kommen rund 1 % aller Neugeborenen mit einer angeborenen Fehlbildung des Herzens oder der großen herznahen Gefäße auf die Welt (mehr zu Herzkrankheiten), wobei der Mehrzahl dieser Kinder heute operativ geholfen werden kann.

Aber der Schein trügt: Schaut man sich die Risikofaktoren für Bluthochdruck und Herzinfarkt des Erwachsenen an, so wird das Fundament dieser Erkrankungen durch eine ungesunde Lebensweise schon in der Kindheit gelegt.


Wissenswert

Im Prinzip ist das Herz eine aus vier Kammern bestehende Blutpumpe:

  • Die kräftige linke Herzkammer presst das Blut in die Aorta (= Körperschlagader) und von dort in die übrigen Körperarterien.
  • Die Körperarterien durchziehen den gesamten Körper und verzweigen sich immer mehr. Schließlich münden sie in winzige Kapillaren, welche die Körperzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen und Kohlendioxid und andere Stoffwechselprodukte der Zellen aufnehmen.
  • Das sauerstoffarme, »verbrauchte« Blut gelangt dann in immer größer werdenden Körpervenen zurück zum rechten Herzvorhof.
  • Die rechte Herzkammer transportiert das Blut über die Lungenschlagader in die Lunge. Dort wird das Blut mit dem lebensnotwendigen Sauerstoff angereichert und von Kohlendioxid befreit (siehe Abbildung der Atemwege).
  • 8303_GRA_Herzkammern.png
    Die vier Kammern des Herzens.
    [GRA]
  • Über die Lungenvenen gelangt das Blut in den linken Herzvorhof und anschließend wieder in die linke Herzkammer.

Damit das Blut jeweils in die richtige Richtung vorangetrieben wird, besitzt das Herz Herzklappen, die den Blutstrom wie Ventile nur in eine Richtung durchlassen. Trotzdem fließt das Blut so leise durch das Herz, dass selbst mit dem Stethoskop nur zwei oder drei leise Herztöne zu hören sind. Aber selbst wenn der Arzt bei Kindern ein Herzgeräusch feststellt, so ist dies in der Regel kein Grund zur Besorgnis, denn in bestimmten Phasen des Lebens arbeitet das Herz gerne mit einer »musikalischen Kulisse«.

Sorgen macht sich der Kinderarzt dann, wenn das Herzgeräusch extrem laut, rau oder sonst wie ungewöhnlich ist.

Aktualisiert ( Mittwoch, den 29. Februar 2012 um 10:34 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München