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Brustschmerzen

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne SchÀffler
Dienstag, den 14. Juli 2009 um 12:41 Uhr

Da im Brustraum nun einmal die lebenswichtigen Organe Herz und Lungen sitzen, jagen Brustschmerzen Kindern wie Eltern verstĂ€ndlicherweise oft einen ziemlichen Schrecken ein. Befragungen zeigen, dass etwa die HĂ€lfte der Eltern als Erstes Herzprobleme vermutet, wenn ihr Kind ĂŒber Brustschmerzen klagt.
Dies ist glĂŒcklicherweise unbegrĂŒndet: Im Gegensatz zu Erwachsenen steckt bei Kindern praktisch nie das Herz hinter den Brustschmerzen.
Letzteres gilt selbst dann, wenn das Kind ĂŒber »Herzstechen« klagt. Das Herz selbst hat nĂ€mlich (von dem nur selten durch eine Krankheit betroffenen Herzbeutel abgesehen) keine eigenen Schmerznerven – wenn das Herz Beschwerden macht, dann Ă€ußert es sich nicht durch ein »Stechen«, sondern eher durch ein dumpfes, drĂŒckendes Enge­gefĂŒhl.
DafĂŒr fĂŒhren bei Kindern recht hĂ€ufig Er­kran­kungen des Verdauungstraktes zu Brustschmerzen – vom Seitenstechen bis zum Sodbrennen.
AtemabhĂ€ngige Brustschmerzen deuten auf Störungen der Brustwand hin (etwa Muskelprellungen), selten gehen sie auch vom Brustfell aus, etwa bei einer BrustfellentzĂŒndung (= Pleuritis).

Brustschmerzen. Genaues Beschwerdebild Was sich am ehesten dahinter verbirgt Erste Maßnahmen

Brustschmerzen an einer Stelle

  • In Zusammenhang mit bestimmten Arm- oder Rumpfbewegungen, in schweren FĂ€llen bei jedem Atemzug
  • Meist stechend
Muskelkater, Muskelverspannung, -zerrung Bei Muskelverspannung (Be­schwer-­
den oft morgens) oder Muskelkater WĂ€rme anwenden. Bei Muskelzerrung (Beschwerden wĂ€hrend Sport) Sport unterbrechen, kĂŒh­len

Brustschmerzen an einer Stelle 

  • Im unteren Brustkorb und der Flanke
  • Nach lĂ€ngerem Laufen
  • Stechend
Seitenstechen Kind ausruhen lassen, die Schmerzen verschwinden dann von selbst

Brustschmerzen an einer Stelle, bei HustenanfÀllen, stechend

   
  • Ohne Fieber
  • Hustenbedingte Muskelschmerzen
  • Verschwindet von selbst, evtl. mit Arnika-Salbe einreiben
  • Mit Fieber, rascher Atmung oder atemabhĂ€ngigen Schmerzen
  • Noch heute zum Kinderarzt gehen

Brustschmerzen an einer Stelle

  • Am Brustbein
  • Ein oder zwei RippenansĂ€tze am Brustbein (»Knubbel« an der Seite des Brustbeins) sind druckschmerzhaft, möglicherweise auch geschwollen
EntzĂŒndung des Gelenkknorpels (Costochondritis) Am nĂ€chsten Tag Kinderarzt aufsuchen. Kann Wochen oder Monate andauern, Besserung durch Einreiben von Arnika-Salbe

Brustschmerzen ĂŒber dem Herzen

  • Dumpf, verstĂ€rkt bei der Einatmung
  • Möglicherweise in die linke Schulter ausstrahlend
EntzĂŒndung des Herz­beutels (Perikarditis) Noch heute zum Kinderarzt gehen

Brustschmerzen hinter dem Brustbein, meist brennend

  • Bei oder nach dem Essen
  • HĂ€ufig saures Aufstoßen, ­Sodbrennen
Gastroösophagealer Reflux (= RĂŒckfluss von Speisebrei aus dem Ma­gen in die Speiseröhre) Termin beim Kinderarzt ausmachen. Bis dahin unvertrĂ€gliche Speisen meiden, nach dem Essen nicht hinlegen, nicht zu spĂ€t zu Abend essen, mit erhöhtem Oberkörper schlafen lassen

Brustschmerzen/WundgefĂŒhl hinter dem Brustbein

  • Im Rahmen einer Infektion der oberen Luftwege beim Husten
  • HĂ€ufig Fieber
Reizung der Luftröhre durch die Infektion oder den Husten Lindernde Maßnahmen wie bei Bronchitis anwenden. Bei Zustandsverschlechterung, ­atem­abhĂ€ngigen oder anhaltenden Beschwerden zum Kinderarzt gehen
Brustschmerzen mit Beklemmung    
  • Bei Aufregung, keine weiteren Beschwerden
     
  • Reaktion auf die ­Aufregung
  • Kind beruhigen, bei hĂ€ufigerem Auftreten nach besonderen psychischen Belastungen suchen, Kinder­arzt ansprechen, Kind StressbewĂ€ltigungstechniken erlernen lassen
  • Viel zu schnelle Atmung, GefĂŒhl der Atemnot, Kribbeln um den Mund und an den HĂ€nden
  • Kind beruhigen, zu langsamem Atmen anhalten. Wenn dies nicht hilft, kleine PlastiktĂŒte vor Mund und Nase des Kindes halten, so dass es seine eigene Luft zurĂŒckatmet. Falls erfolglos, Notarzt rufen
  • Atemnot mit erschwerter, evtl. pfeifender Ausatmung, evtl. Husten
  • Zum Kinderarzt gehen, bei schwerer Atemnot Notarzt rufen

Einseitige Brustschmerzen

  • GĂŒrtelförmig
  • SpannungsgefĂŒhl im schmerzenden Bereich
Beginnende GĂŒrtelrose nach frĂŒherer Windpockenerkrankung Bei BlĂ€schen im schmerzenden Hautbereich (die Schmerzen gehen den sichtbaren Hauterscheinungen oft voraus) möglichst am gleichen Tag zum Arzt gehen

AtemabhÀngige Brustschmerzen

  • Im Rahmen einer Infektion der oberen Luftwege mit Husten
  • HĂ€ufig Fieber
LungenentzĂŒndung,
Pleuritis (= BrustfellentzĂŒndung)
Am gleichen Tag zum Kinderarzt ge­hen, bei schmerzbedingter EinschrĂ€nkung der Atmung oder schlechtem Allgemeinbefinden des Kindes sofort

Brustschmerzen jeglicher Art

  • Nach einer Verletzung
  • Mit Atemnot, BlauverfĂ€rbung der Haut
  • Mit Kreislaufbeschwerden (schneller, schwacher Puls, Schweißausbruch)
Viele Ursachen möglich, z. B. Rippenbruch, Pneumothorax (= Luftansammlung im Brustkorb mit »Zusammenschnurren« der Lunge) Falls nur eines der Kriterien zutrifft, sofort zum Kinderarzt oder ins Krankenhaus fahren, bei sich schnell verschlechterndem Zustand des Kindes Notarzt rufen

Was tun bei Brustschmerzen?


Oft reicht es schon aus, dem Kind beruhigend zu erklĂ€ren, dass das Herz an den Brustschmerzen nicht »schuld« ist. Besteht keine Atemnot und kein Fieber, so kann in aller Regel zugewartet werden – am nĂ€chs­ten Morgen sieht die Welt dann oft schon besser aus.
Kommen Brustschmerzen immer wieder, so lohnt sich eine AbklĂ€rung beim Kinderarzt, ob vielleicht eine gastroösophageale Re­flux­krankheit dahinter steckt. FĂŒr Kinder ist nĂ€mlich das »Brennen«, das wir Erwachsene beim Sodbrennen spĂŒren, oft nur ein diffuser Schmerz.
Gar nicht so selten bleibt jedoch die genaue Ursache von Brustschmerzen trotz einer Ab­klĂ€­rung beim Kinderarzt unklar.

Aktualisiert ( Mittwoch, den 26. August 2009 um 14:36 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit fĂŒr Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag MĂŒnchen