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Hirnhautentzündung (Meningitis) - Das Wichtigste aus der Medizin

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Mittwoch, den 08. Oktober 2008 um 08:45 Uhr
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Hirnhautentzündung (Meningitis)
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Das Wichtigste aus der Medizin

Eine Hirnhautentzündung wird fast immer durch Bakterien oder Viren hervorgerufen. Übertragen werden die Erreger durch Einatmen erregerhaltiger Tröpfchen oder über die Hände. Die Erreger gelangen jedoch nicht direkt zu den Hirnhäuten, sondern vermehren sich zunächst im Blut und gelangen dann über die Blutbahn zu den Hirnhäuten. Normalerweise sind Gehirn und Hirnhäute gegenüber Erregern und Giftstoffen aus dem Blut durch die so genannte Blut-Hirn-Schranke geschützt. Diese kann bei manchen Kindern aber versagen und bestimmte Erreger »durchlassen«. Dies erklärt, warum längst nicht alle mit einem bestimmten Erreger angesteckte Kinder auch eine Hirnhautentzündung bekommen.

Milder: durch Viren bedingte Formen

Häufiger, aber bei Kindern meist milde, ist die virale Hirnhautentzündung (oft auch als aseptische Meningitis bezeichnet). Mindestens zwei Dutzend Erreger kommen als Ursache in Betracht, z. B. Coxsackie-, ECHO- oder Mumps-Viren. Charakteristisch ist, dass das Kind schon mehrere Tage einen Infekt hat (oft mit grippeähnlichen Beschwerden), bevor sich langsam die Zeichen einer Hirnhautentzündung entwickeln. Virale Hirnhautentzündungen treten im Sommer öfter auf.

Gefährlichste Verursacher: Bakterien

Seltener, aber deutlich gefährlicher, ist die bakterielle Hirnhautentzündung. Die Erkrankung entwickelt sich innerhalb von 1–3 Tagen, manchmal auch schlagartig. Ausnahmen sind die bakterielle Hirnhautentzündung durch Borrelien und die hierzulande sehr seltene Hirnhautentzündung durch Tuberkulose, die sich langsam über Wochen entwickeln und bei denen meist noch andere wegweisende Beschwerden bestehen.

Welche Bakterien Hauptverursacher sind, hängt vom Alter des Kindes ab. Bei Neugeborenen stehen Erreger aus dem Vaginaltrakt der Mutter, nämlich Streptokokken der Gruppe B und Escherichia coli an erster Stelle, bei älteren Kindern sind es in erster Linie Meningokokken und Pneumokokken, die bei vielen gesunden Kindern auf den Schleimhäuten des Nasen-Rachen-Raums leben, ohne ihnen selbst Probleme zu bereiten. Gerade Meningokokken sind so ansteckend, dass sie immer wieder zu kleinen Epidemien in Kindergärten und Schulen führen.

Selten können bakterielle Hirnhautentzündungen auch Folge einer unzureichend behandelten, schweren Entzündung im Kopfbereich sein (z. B. einer Mittelohr- oder einer Nasennebenhöhlenentzündung oder auch einer Wundinfektion im Gesichtsbereich), die sich in die Nachbarschaft ausbreitet und so die Hirnhäute erreicht. Bei Säuglingen kann eine oft schwer erkennbare Steißbeinfistel (= Pilonidalsinus) das Entstehen von Hirnhautentzündungen begünstigen. Die Bakterien wandern hier aus der Steißbeinregion über die Fistel zum Rückenmark und seinen Häuten ein und breiten sich nach oben zu den Hirnhäuten aus.

Einige Erreger ziehen neben den Hirnhäuten auch das Gehirn selbst in Mitleidenschaft – der Arzt spricht dann von einer Meningoenzephalitis(z. B. Frühsommermeningoenzephalitis durch FSME-Viren.

Komplikationen

Insbesondere die bakterielle Hirnhautentzündung kann innerhalb kürzester Zeit zu Blutgerinnungsstörungen und Schock führen. Durch entzündungsbedingtes Anschwellen des Gehirns kann der Druck im Gehirn schnell ansteigen und Schädigungen verursachen. Schwere Krampfanfälle können vorkommen. Manchmal entstehen im Gehirn auch Eiteransammlungen (Abszesse).

Bei einem Drittel der Kinder bleiben nach überstandener Hirnhautentzündung Dauerschäden zurück, am häufigsten Hörschäden, Entwicklungsstörungen oder eine Epilepsie. Verkleben die Hirnhäute als Folge der Entzündung, kann der Liquor nicht mehr abfließen, staut sich an und führt unbehandelt zu Schäden am Gehirn sowie bei kleinen Kindern zu einer Vergrößerung des Schädels (= Hydrozephalus,).



Aktualisiert ( Montag, den 09. Februar 2015 um 14:09 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München