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Haut- und Nagelpilz

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 07. Oktober 2008 um 13:14 Uhr
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Haut- und Nagelpilz
Das Wichtigste aus der Medizin
Das macht der Arzt
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Bedenkt man, dass Pilze in unserer Umwelt allgegenwärtig sind, so sind Erkrankungen durch Pilze verhältnismäßig selten. Am häufigsten von allen Organen ist die Haut von Pilzinfektionen betroffen. Es sind vor allem zwei Gruppen von Pilzen, die zu Pilzinfektionen der Haut und Schleimhäute führen:

  • Fadenpilze (= Dermatophyten) – sie sind die typischen Erreger des Haut- und Nagelpilzes, der in diesem Abschnitt besprochen werden soll. Hautpilzerkrankungen durch Fadenpilze werden nach dem lateinischen Begriff auch Tinea genannt.
  • Hefepilze (= Sprosspilze) – sie verursachen den Soor, der gerade bei Babys und Kleinkindern sehr häufig ist und daher gesondert dargestellt wird.

Leitbeschwerden

Mädchen mit Hautpilzherden an Schlüsselbein und Schulter
Nicht selten hat ein Kind mehrere Hautpilzherde: Dieses siebenjährige Mädchen hat einen verhältnismäßig neuen Herd am linken Schlüsselbein zum Brustbein hin und einen älteren Herd an der rechten Schulter.
[TEP]
  • Fußpilz: meist Beginn mit kleinen Hautrissen in den Zwischenzehenräumen, umgeben von weißlicher oder geröteter Haut. Starker Juckreiz. Möglicherweise Übergreifen auf die übrige Fußhaut mit Ausbildung geröteter, schuppender Herde oder Eindringen in den Fußnagel
  • Nagelpilz: gelbliche Verfärbung, Verdickung und Brüchigwerden des Nagels, beginnend meist am freien Ende des Nagels. Bei ausgeprägtem Nagelpilz Rötung der umgebenden Haut
  • Hautpilz am übrigen Körper: rundliche, leicht erhabene Hautrötung, die langsam größer wird und gleichzeitig innen abblasst, so dass eine Ringform entsteht. Meist stark juckend
  • Pilzinfektion des behaarten Kopfes: typischerweise Haarausfall oder Abbrechen der Haare knapp oberhalb der Kopfhaut (»gemähte Wiese«, »wie mit Mehl bestäubt«). Möglicherweise ekzemartige Hautveränderungen mit Schuppungen auf geröteter Haut, möglicherweise auch Pusteln, Abszesse, nässende Haut und Hautvereiterungen

Wann zum Arzt

Pilzbefall am Kopf führt zu Haarausfall
Typisch für den Kopfpilz: der Haarausfall. Gut zu sehen sind hier auch die Knötchen und die Vergröberung der Haut, die später oft in eine Schuppung übergeht.
[TEP]

In den nächsten Tagen, wenn

  • Sie vermuten, dass Ihr Kind einen Haut- oder Nagelpilz hat.

Am nächsten Tag, wenn

  • Sie denken, dass Ihr Kind eine Pilzinfektion am behaarten Kopf hat.

Das Wichtigste aus der Medizin

Wie entstehen Pilzerkrankungen?

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Pilzerkrankungen der Haut sind zwar lästig und manchmal auch langwierig, aber für ansonsten gesunde Kinder harmlos. Der Hautpilz beginnt mit einem Herd aus kleinen roten Knötchen, der langsam größer wird und dabei in der Mitte abblasst, so dass er später eine Ringform annimmt. Charakteristisch ist die Schuppenkrause am Rand des Herdes. Die Herde jucken meist sehr, so dass ein Hautpilz manchmal erst dadurch auffällt, dass sich das Kind ständig kratzt.
[TEP]

Von den Fadenpilzen – den Hauptverursachern des Haut- und Nagelpilzes – gibt es zahlreiche Arten; einige leben in der unbelebten Umwelt (vor allem in der Erde) und gelangen von dort auf den Menschen, andere haben ihre Dauerlagerstätte auf Haustieren (vor allem Katzen), und eine dritte Gruppe besiedelt vorzugsweise den Menschen.

Der Fuß- und der Nagelpilz – Letzterer befällt zu 80 % die Zehennägel – wird meist durch Barfußlaufen auf Teppichböden oder feuchten Fußböden z. B. in Schwimmbädern übertragen. Die Ansteckungskraft dieser Pilze ist aber gering – um sich »anzustecken«, müssen deshalb begünstigende Faktoren vorliegen, etwa ständig feuchte Füße z. B. durch schlechtes Abtrocknen, vermehrtes Schwitzen, luftundurchlässiges Schuhwerk oder kleine Hautverletzungen.

Anders sieht es bei Pilzerkrankungen der übrigen Haut oder des behaarten Kopfes aus, die gerade bei Kindern deutlich häufiger sind als bei Erwachsenen. Wie ansteckend sie sind, hängt von der genauen Pilzart ab, die jedoch aus der Art der Hautveränderungen nicht ersichtlich ist. Gerade hinter einem Kopfhautpilz steckt oft der ansteckende Microsporum canis, der immer wieder zu kleinen Epidemien – als so genannte Microsporie – in Kindergärten oder Schulen führt. Hier sollten Sie also schnell einen Arzt aufsuchen, zumal ein unbehandelter Kopfhautpilz auch zu bleibendem Haarausfall führen kann.

Vom typischen Soor abgesehen, sind Hefepilze eher selten die Ursache eines Hautpilzes.


Das macht der Arzt

 

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Aktualisiert ( Donnerstag, den 29. Januar 2015 um 13:41 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München