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Blutungen aus dem Anus

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 14. Juli 2009 um 12:24 Uhr

Blutungen aus dem Anus erscheinen zu­nächst dramatisch, glücklicherweise liegen ihnen jedoch ganz überwiegend gut be­handel­bare Erkrankungen zugrunde.
Schon das Neugeborene kann seine Eltern manchmal mit einem blutigen Stuhl er­schre­cken, zugrunde liegt hier meist bei der Geburt verschlucktes mütterliches Blut.
Betrachten Sie den Stuhl oder die Windel ge­nau. Ist das Blut hellrot und lagert es dem Stuhl auf, so stammt es meist vom After selbst. Dahinter steht dann oft ein kleiner Riss der Anal­schleim­haut (Analfissur). Be­troffen sind am häufigsten Säuglinge und Klein­kin­der, und in aller Regel ist die Analfissur auch harmlos. Bereitet sie dem Kind aller­dings beim Stuhlgang Schmerzen, so be­ginnt dieses den Stuhl zu verhalten – eine Verstopfung kann die Folge sein. Hämorrhoiden, eine weitere Ursache von Blutungen am After, sind bei Kindern selten.
Dunkleres Blut stammt überwiegend aus dem Dickdarm. Die häufigste Ursache sind Darmpolypen, d. h. kleine, meist gutartige Auswüchse der Darmschleimhaut. Das Kind hat dabei keine weiteren Beschwerden und fühlt sich gesund.
Dies gilt für die anderen Ursachen der Darm­blutungen nicht unbedingt: Mit Blutbei­mi­schungen verlaufende Durchfallserkrankungen beispielsweise (et­wa durch Salmonellen, Shigellen oder Amöben) verlaufen meist mit Fieber und Bauchkrämpfen. Auch die chronischen Darmentzündungen (Morbus Crohn und Colitis ul­­cerosa) zeigen sich nicht nur durch blutige Durchfälle, sondern auch durch Gedeihstörungen, Bauchschmerzen und Allgemeinbeschwerden wie Ab­ge­schlagenheit oder Appetitmangel.
Blut kann von den Darmsäften verändert werden und erscheint dann schwarz (Teerstuhl). Bei Teerstühlen liegt die Blutungsquelle meist im oberen Darmtrakt (etwa Speise­röhre oder Magen). Zugrunde liegt dann zum Beispiel eine schwere Entzündung der Speiseröhre oder auch ein Geschwür im Magen oder Zwölffingerdarm.
Nicht selten sind Verwechslungen mit Schein­blutungen. So kann »Blut« im Stuhl etwa durch Rote Beete, Lebensmittelfarben und Tomaten vorgetäuscht werden. Schwar­zer Stuhl entsteht durch Lakritz, Eisen- und Kohletabletten.

Was tun bei Analblutungen?


Massive, d. h. sehr starke Blutungen aus dem Anus sind selten. Passieren sie unverhofft (ist das Kind also bis dahin gesund), so steckt meist ein blutendes Meckel-Divertikel dahinter, und Sie gehen am besten mit dem Kind gleich in die Klinik.
Bei weniger dramatischen Blutungen lohnt sich als Erstes ein Blick auf den Po. Eine ­Fissur etwa zeigt sich beim vorsichtigen Spreizen des Anus (einfach mit den Fingern auseinander ziehen) als ein kleiner Riss.
In allen Zweifelsfällen bringen Sie das Kind (samt Windel) zum Kinderarzt.

Blutungen aus dem Anus. Genaues Beschwerdebild Was sich am ehesten dahinter verbirgt Erste Maßnahmen

Hellrotes, dem Stuhl aufgelagertes Blut

  • Meist Säuglinge und Kleinkinder
  • Stuhlgang oft schmerzhaft, möglicher­weise Verstopfung
Einriss der Analschleimhaut (Analfissur) Bei kleineren Blutmengen am nächs­ten Tag zum Arzt gehen, bei größeren Mengen sofort

Blut auf dem Stuhl, hell- oder dunkelrot

  • Schmerzen, Brennen oder Jucken des Pos
  • Sichtbare Knoten am Anusrand oder aus dem Anus ragend
  • Meist ältere Kinder
Hämorrhoiden Bei Gelegenheit Kinderarzt aufsuchen

Blut in oder auf dem Stuhl

  • Keine Schmerzen
  • Meist älteres, gesundes Kind
Darmpolypen, d. h. gutartige Schleimhautwucherungen Zwecks Abklärung zum Kinderarzt gehen

Blut im Stuhl, hell- oder dunkelrot

  • Bauchschmerzen
  • Dunkelrote Flecken (= Haubtblutungen) vor allem an Po und Rückseiten der Beine, Schmerzen vor allem der Fußgelenke
Purpura Schönlein-Henoch
 
Noch heute zum ­Kinderarzt gehen

Blut im Stuhl, meist dunkelrot

  • Kolikartige, starke Bauchschmerzen
  • Zunehmende Apathie
  • Kind fast immer 3 Monate bis 3 Jahre alt
Darmeinstülpung Kind nüchtern lassen, sofort zum ­Kinderarzt oder (nachts) ins Krankenhaus fahren

Hell- oder dunkelrote Blutung aus dem Po

  • Oft größere Mengen
  • Keine Schmerzen
  • Kind bis dahin gesund
  • Meist Säugling oder Kleinkind
Blutendes Meckel-Divertikel
 
Kind nüchtern lassen, sofort zum ­Kinderarzt oder (nachts) ins Krankenhaus fahren
Blutiger Durchfall Noch am selben Tag zum Kinderarzt gehen. Ausnahme: Bei durch Reizung des Afters bedingten Blutbeimengungen kann abgewartet werden
Schwarzer Stuhl (Teerstuhl) Blutungen aus dem oberen Magen-Darm-Trakt, z. B. blutendes Magen- oder Zwölffinger­darmgeschwür (bei Kindern ­selten), schwere Speiseröhren­entzündung, Krampfadern der Speiseröhre Stets rasch zwecks Abklärung zum ­Kinderarzt gehen

 

Aktualisiert ( Mittwoch, den 26. August 2009 um 14:29 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München