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Husten

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 28. Juli 2009 um 10:07 Uhr

Husten ist eines der frustrierendsten Krankheitszeichen in der Medizin. Zum einen zerrt der Husten ständig an den Nerven. Zum anderen quält der Husten gerne auch nachts und raubt dann dem Kind und seinen Eltern den Schlaf. Und während ein Fieber meist nach ein paar Tagen ausgestanden ist, hält der Husten oft wochenweise an. Kein Wunder, dass Eltern sich vom Gang zum Kinderarzt rasche Linderung erwarten.

Der Erfolg des Besuchs ist aber meist enttäuschend. Die verordneten Mittelchen schmecken heutzutage zwar meist recht gut, wirken allerdings wenig. Warum?

Die Antwort liegt in der Funktion des Hustens: Er schützt ein lebensnotwendiges Organ vor den von oben nur allzu leicht eindringenden Fremdkörpern und Infektionserregern:
Durch einen kraftvollen Hustenstoß wird verhindert, dass etwa der bei jeder Erkältung nicht nur durch die Nase, sondern auch in den Hals abfließende Schleim in die tieferen Bronchien gelangt. Was also, wenn der Hustensaft wirklich den Husten ausschalten würde?

Warum hustet ein Kind?

Ein Grund wurde bereits genannt: als Schutz vor aus den oberen Luftwegen abfließendem Sekret. Dies erklärt den Husten bei Erkältungen sowie bei Nasennebenhöhlenentzündungen (sog. »Sekrethusten«). Oft plagt der Husten die Kinder hier besonders beim Einschlafen (das Sekret aus der Nase läuft dann nach hinten ab).

Auch wenn wir uns verschlucken, setzt sofort Husten ein, um die Speise wieder auf den richtigen Pfad zurückzubringen. Diese Art des Hustens wird auch bei der Refluxkrankheit aktiviert – hier läuft Speisebrei aus dem Magen in den Hals zurück und gelangt dann manchmal auch in die Luftröhre.

Auch wenn die Bronchien entzündet oder verschleimt sind, unternimmt der Körper immer wieder Versuche der Reinigung – es resultieren oft schwere Husten­attacken.
Eine weitere wesentliche Ursache des Hustens und die wohl wichtigste Ursache des chronischen, immer wiederkehrenden Hustens ist die Verengung der Bronchien, etwa bei Asthma oder obstruktiver Bronchitis. Hier versuchen die Bronchien, das meist gleichzeitig in den Bronchien festsitzende, zähe Sekret loszuwerden – wegen der Verengung meist ohne Erfolg.

Auswurf und Bluthusten

Auswurf ist bei Kindern selten. Das beim Husten hochbeförderte Sekret wird nämlich von Kindern meist verschluckt.

Bluthusten ist immer ernst zu nehmen. Es zeigt sich durch rostig-braune oder schaumig-blutige Spucke. In den meisten Fällen liegt die Blutungs­quelle allerdings im Nasen-Rachenraum und täuscht einen Bluthusten nur vor. Echter Bluthusten tritt bei in die Lunge eingeatmeten Fremdkörpern, bei Lun­gen­entzündungen sowie bei chronischen Lungenkrankheiten auf.

Was tun bei Husten?

Bei Husten gibt es keine »Abkürzungen« oder »Pflaster-drauf-fertig!«-Lösungen: Solange die Ursache nicht behandelt wird (und sie lässt sich leider nicht immer behandeln), bleibt der Husten bestehen. Studie um Studie zeigt, dass die in den Wintermonaten hektoliterweise von Kindern konsumierten »Schleimlöser«, ob pflanzlicher oder synthetischer Bauart, nichts bringen (dass sie trotzdem die am häufigsten verordneten Medikamenten sind, hat auch damit zu tun, dass sich viele Eltern mit der Alternative, dem »heftigen Zuwarten« bei Erkältungen, schwer tun).

Die rascheste Strategie zum Erfolg ist die Auseinandersetzung mit den Ursachen. Ist ein Husten durch Sekretablauf aus den oberen Luft­wegen bedingt, so wird der Husten erst auf­hören, wenn die Nase oder die Nasennebenhöhlen zur Ruhe gekommen sind. Dasselbe gilt für die Bronchitis. Auch der immer wiederkehrende Husten bei Asthma hört erst dann auf, wenn das Asthma ausreichend behandelt ist – was leider derzeit längst nicht auf alle Asthmapatienten zutrifft.

Erwarten Sie also auch von Hausmitteln oder pflanzlichen Präparaten keine Wunder. Sie können allenfalls die gestressten Schleimhäute beruhigen und so die Hustenanfälle im besten Fall etwas »entschärfen«.

Und »Hustenblocker«?

Die Hustenblocker oder – medizinisch ausgedrückt – Anti­tussiva Clobutinol (z. B. Silomat®), Noscapin (z. B. Capval®) oder Codein (z. B. Codipront®) sollen den Hustenreflex unterdrücken und so an der Hustenfront Ruhe schaffen. Während die Wirksamkeit von Clobutinol nicht bewiesen ist, sind Noscapin und Codein in Maßen wirksam (was auch damit zusammenhängen könnte, dass sie schlaffördernd wirken). Wir meinen: Hilft bei einem trockenen (!) Husten alles nichts und sind anders zu behandelnde Ur­sachen wie Pseudokrupp, Asthma oder ein in die Luftwege verschluckter Fremdkörper ausge­schlossen, so kann ein Kind schon einmal einen Hustenstiller bekommen. Wunder wirkt er nicht, aber ein paar Stunden Schlaf tun ja Wunder genug. Allerdings: Bei lockerem Husten mit Sekret sind Hustenblocker Unsinn (siehe auch
Hustenblocker).

Husten. Genaues Beschwerdebild Was sich am ehesten dahinter verbirgt Erste Maßnahmen

Husten

  • Bei oder nach Aufenthalt in verrauchten Räumen
Reizung der Atemwege durch den Rauch Für rauchfreie Umgebung sorgen – nicht nur jetzt, sondern generell

Husten

  • Meist Schnupfen, möglicherweise ­Kratzen im Hals, Heiserkeit
  • Möglicherweise leichtes Fieber
  • Allgemeinbefinden meist nur wenig ­beeinträchtigt
Erkältung (= grippaler
Infekt
), Bronchitis, Laryngitis (= Kehlkopfentzündung), Frühstadium bei Keuchhusten
Als Grundregel gilt: So lange die Nase läuft, ist Husten, wenn er nicht zu Atemnot führt, normal. Falls der ­Husten nach einer Woche nicht besser ist, das Fieber hoch ansteigt oder weitere Beschwerden auftreten, zum Kinderarzt gehen. Siehe auch Selbsthilfe bei Husten

Husten

  • Schnupfen, Halsschmerzen, Kopfschmerzen
  • Häufig hohes Fieber
  • Allgemeinbefinden erheblich beeinträchtigt
Echte Grippe
(= Influenza), Frühstadium bei Masern.
Im Beschwerdebild fließender Übergang zur »normalen« Erkältung
Zunächst Heilmittel bei Erkältungskrankheiten und bei Husten anwenden
anwenden, dabei auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Bei ausbleibender Besserung über eine halbe Woche, Zu­stand­sver­schlechterung, Fieber über 40 °C oder bei Babys Kinderarzt aufsuchen

Husten 

  • Mit den oben genannten Infektzeichen
  • Mit pfeifender, erschwerter Ausatmung
  • Möglicherweise Atemnot
Obstruktive Bronchitis,
Infekt­asthma, bei Babys Bronchiolitis
Ein »Pfeifen« bei der Ausatmung ist auch bei Infekten nicht normal und sollte abgeklärt werden, je jünger das Kind, desto schneller. Bei Babys oder Atemnot sofort zum Kinderarzt gehen

Husten

  • Hohes Fieber, schlechtes Allgemein­befinden
  • Möglicherweise Schmerzen bei der ­Atmung, rasche Atmung, Atemnot
Lungenentzündung Am gleichen Tag zum Kinderarzt gehen
»Erkältungshusten, der nicht besser werden will»   Zwecks Abklärung noch am gleichen Tag zum Kinderarzt gehen. Ein ähnliches Bild wie bei Keuchhusten kann auch durch andere Erreger entstehen, z. B. Parapertussis, Adeno-Viren, RSV, Mykoplasmen
  • Zunehmend nächtliche Hustenanfälle, abgehackter Husten, Atemnot, »ziehende« Einatmung, vor allem am Ende Würgereiz bis zum Erbrechen
  • Mit sich eher verschlechterndem Allgemeinbefinden, möglicherweise (wieder) Fieber

Immer wiederkehrender, teils schwerer »Erkältungshusten«

  • Praktisch immer ohne Fieber
  • Fast immer weitere Beschwerden (Verdauungsstörungen, schlechtes Gedeihen)
  • Meist Babys oder Kleinkinder
Mukoviszidose Gerade leichtere Formen der Mukoviszidose werden nicht sofort festgestellt, sondern machen sich erst später durch auffällig viele und/oder auffällig schwere Atemwegsinfekte bemerkbar. In solchen Fällen zwecks Abklärung zum Arzt gehen – die Grenzen zwischen »noch normal« und »schon auffällig« sind fließend

Wiederkehrender Husten

  • Zu bestimmten Gelegenheiten, wird bei Ablenkung (z. B. Kino) weniger
  • Oft Hüsteln oder bellend-lautes Husten mit offenem Mund (»aus dem Hals«)
  • Kein Fieber
  • Kein Husten, wenn das Kind schläft!
»Gewohnheitshusten«, oft nach längerer Bronchitis. Der Begriff ­»psychogener« Husten greift zu kurz, da die Kinder meist keine ­psychischen Probleme haben, sondern sich eben an den Husten »gewöhnt« haben Husten kann auch ohne körperliche
Erkrankung auftreten, z. B. wenn das Kind vorher einen schlimmen Husten hatte und nun weiterhin dieselbe »Krankenzuwendung« möchte (meist unbewusst!). Bei entsprechendem Verdacht Husten zunehmend ignorieren, dem Kind aber ansons­ten die Zuwendung geben, die es braucht. Bei längerem Bestehen Kinderarzt darauf ansprechen. Oft hartnäckig!

»Ständiger« Husten

  • Husten »bringt Schleim hoch«
  • Beim Hinlegen und morgens eher stärker
  • Verstopfte Nase, offen stehender Mund
  • Möglicherweise Kopfschmerzen
Nasennebenhöhlen­entzündung,
»Polypen«
Innerhalb der nächsten Tage zum Kinderarzt gehen, bei Fieber oder deutlichen Kopfschmerzen am gleichen Tag. Der Husten ist durch den in die Luftwege herablaufenden Schleim bedingt und kann die dominierende Beschwerde des Kindes sein

Plötzlicher abendlicher / nächtlicher Husten

  • Trocken-bellend, mit Heiserkeit
  • Häufig Atemnot, hörbares Atemgeräusch bei der Einatmung
  • Möglicherweise vorbestehende ­Erkältung, leichtes Fieber
  • Meist Klein- oder Kinder­gartenkind
Pseudokrupp-Anfall
(= Krupphusten)
Kind beruhigen, warm anziehen und ans offene Fenster oder raus gehen. Alternativ im Bad in Dusche oder Badewanne warmes Wasser anstellen. Bei Erfolglosigkeit, Zustandsverschlechterung (Unruhe, Teilnahmslosigkeit, bläuliche Haut), hohem Fieber oder kloßiger Sprache sofort zum Kinderarzt fahren oder Notarzt rufen

Hustenanfälle

  • Hörbares »Pfeifen« bei erschwerter Ausatmung
  • Häufig Atemnot
  • Hustenfälle oft auch bei Anstrengung oder in kalter Luft
Anfall eines Asthma bronchiale, ausgelöst durch verschiedene Faktoren wie etwa Infekte, Anstrengung, Kontakt mit ­Allergenen Kind zur Erleichterung der Atmung aufrecht mit aufgestützten Armen sitzen lassen. Auch wenn sich
der Zustand des Kindes schnell bessert, am gleichen Tag zum Kinderarzt gehen, bei Atemnot oder Beschwerden noch nach
dem Hustenanfall ­sofort

Husten/Hustenanfälle

  • Bei körperlicher Anstrengung
  • Möglicherweise Atemnot
Durch Anstrengung ausgelöstes Asthma Zur Abklärung Kinderarzt aufsuchen

Husten bei einem Baby

  • Vor allem bei oder nach dem Füttern, aber auch beim Hinlegen oder nachts im Schlaf
Gastroösophagealer Reflux, ange­borene Verbindung (Fistel) zwischen Luftwegen und Speise­röhre Baldmöglichst zum Kinderarzt gehen

Husten bei Kind jeden Alters

  • Vor allem nachts
  • Möglicherweise immer wieder ­pfeifende Atmung und Atemnot
  • Bei Babys: schreit viel, überstreckt Kopf beim Hinlegen
Gastroösophagealer Reflux Zum Kinderarzt zur Abklärung gehen, bei Babys baldmöglichst

Plötzlicher Husten

  • Kein Fieber
  • Möglicherweise Atemnot
  • Häufig Kleinkinder
Fremdkörper in den Atemwegen Sofort ins Krankenhaus fahren, bei Atemnot Notarzt rufen. Ein Fremdkörper in den Luftwegen muss auf jeden Fall entfernt werden

Husten jeglicher Art 

  • Mit blutigem Auswurf
  • Mit Atemnot
  • Evtl. mit bläulicher Hautverfärbung
Verschiedenste Ursachen, z. B. Lungenentzündung, selten Lungentuber­kulose Bei blutigem Auswurf am gleichen Tag, bei Hautverfärbung oder stärkerer Atemnot sofort zum Kinderarzt gehen oder Notarzt rufen – Sie selbst können nicht feststellen, was die Ursache für den Husten ist

 

Aktualisiert ( Mittwoch, den 26. August 2009 um 15:28 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München