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Atemgeräusche

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Montag, den 06. Juli 2009 um 10:50 Uhr

Vom nächtlichen Schnarchen (siehe S. 439) und schweren Anstrengungen abgesehen, ist die normale Atmung geräuschlos (dass vor allem Säuglinge im Schlaf immer wieder ein paar Takte lang quieken, grunzen oder schnorcheln ist ebenfalls normal). Mit dem bloßen Ohr hörbare, andauernde Atemge­räusche weisen auf eine Einengung des Luftstroms. Die Einengung kann an jeder Stelle der Luftwege sitzen, von der Nase bis hinunter zu den kleinsten Bronchien.
Oft zeigen sich Einengungen »vom Hals aufwärts« (also an der Nase, im Rachen oder im Kehlkopf) durch Atemgeräusche bei der Einatmung, während Einengungen »vom Hals abwärts« (also an Luftröhre und Bronchien) zu Geräuschen bei der Ausatmung führen. Während sich Verengungen der Nase und des oberen Rachens oft durch Röcheln oder »Schnorcheln« zeigen, zeigen sich Verengungen des Kehlkopfes meist durch ein pfeifendes »Aufziehen« beim Luftholen, den so ge­nannten Stridor. Bei verengten Bronchien entsteht ebenfalls ein Pfeifen, dieses ist allerdings oft »dünner« und leiser und deshalb häufig nur mit dem Stethoskop zu hören. Der Arzt bezeichnet es als Giemen.
Oft wird von Eltern auch ein »Brodeln« der Brust bemerkt, meist bei erkälteten Säuglingen. Häufig ist es sowohl bei der Ein- als auch bei der Ausatmung zu hören, am bes­ten, wenn man das Ohr an die Nase des Kindes hält. Oft kann man das Brodeln über dem Brustkorb auch fühlen. Es entsteht durch Ansammlungen von Sekret in den obe­ren Luftwegen oder der Luftröhre und zeigt an sich nur, dass viel Schleim produziert wird, gefährlich ist es nicht. Ist das Brodeln nur bei der Ausatmung zu hören oder von Pfeifen begleitet, so kann es auch auf eine Verengung der Bronchien hinweisen (z. B. bei der obstruktiven Bronchitis).

Atemgeräusche. Genaues Beschwerdebild Was sich am ehesten dahinter verbirgt Erste Maßnahmen
Schnarchen
  • Möglicherweise (nächtliche) Atemnot
Große Rachen- oder Gaumenmandeln, Angina (= Mandelentzündung) Kind beobachten, ob die Atmung regelmäßig ist. Bei Atempausen oder begleitenden Schlafstörungen (Schlaf-Apnoe) am nächs­ten Tag zum Arzt gehen
Pfeifendes Geräusch bei der Einatmung
  • Zeichen der Atemnot
  • Kein oder nur geringes Fieber
Pseudokrupp, selten Fremdkörper in den oberen Luftwegen Krupphusten, bei schwerer Atemnot Notarzt rufen
Pfeifendes Geräusch bei der Einatmung
  • Zeichen der Atemnot
  • Hohes Fieber, schwer krankes Kind
Infektion des Kehldeckels (Epi­glottitis), Abszess in der Mandelregion (Peri­ton­sil­lar­abszess) oder ­hinter dem Rachen (Retro­pha­ryn­­geal­abszess) Notarzt rufen
Pfeifendes Geräusch bei der Einatmung
  • Zunehmende Atemnot
  • Vorausgegangener Bienenstich oder Kontakt mit anderem Allergen
Allergisch bedingte Schleimhautschwellung (Angioödem), allergischer Schock (= anaphylaktischer Schock) Falls Kind einen Notfall-Pen hat (kugel­schreiberähnliche Injektionshilfe, meist zusammen mit Kurzanweisung in einem Notfall-Set), diesen verabreichen, Notarzt rufen (auch Erstmaßnahmen bei allergischem Schock)
Pfeifend-jauchzendes Geräusch bei der Einatmung
  • Seit den ersten Lebenswochen bestehend
  • Verstärkt bei Aufregung
  • Kein Fieber
Zu »weicher« Knorpel des Kehldeckels (angeborene Laryngomalazie); Verengung unterhalb des Kehlkopfes, ­
et­wa bei ehemaligen Früh­geborenen nach Langzeit­beatmung, selten angeboren (sog. subglottische Stenose)
Durch Lungenfacharzt abklären lassen (Bronchoskopie), um seltene
Fehlbildungen, Beteiligung der Luftröhre sowie Stimmbandlähmung auszu­schlie­ßen. Die Laryngomalazie verschwindet praktisch immer im zweiten Le­bens­jahr von selbst, die subglottische Stenose muss manchmal operiert werden
Pfeifendes Geräusch bei der Aus­atmung (Giemen)
  • Zeichen der Atemnot
  • Oft Husten
Obstruktive Bronchitis,
Bronchiolitis, Asthmaanfall, durch Zurücklaufen von Magensaft bedingte Luftwegsverengung (Refluxkrankheit), Funktionsstörung der Stimmbänder (Stimmbanddysfunktion)
Kind beruhigen, aufrecht sitzen und Arme aufstützen lassen. Bei fremdem Kind schauen, ob es Medikamente bei sich hat (meist Spray). Bei Besserung innerhalb weniger Minuten noch am gleichen Tag zum Kinderarzt gehen, bei ausbleibender Besserung Notarzt rufen
Pfeifendes Geräusch bei der Aus­atmung (Giemen)
  • Plötzlich auftretend
  • Meist Kleinkind
  • Zeichen der Atemnot, oft Husten
Fremdkörper in den unteren Luftwegen Notarzt rufen. Bis zu dessen Eintreffen bei leichter bis mäßiger Atemnot Kind beruhigen und Wunschposition einnehmen lassen

 

Aktualisiert ( Dienstag, den 25. August 2009 um 10:26 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München