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Augenprobleme

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Donnerstag, den 09. Juli 2009 um 10:12 Uhr

Augen sind eine »Welt für sich«, und das weiß auch der Kinderarzt. Bis auf die relativ häufigen Bindehautentzündungen, den verstopften Tränenkanal beim Säugling und kleinere, nicht festsitzende Fremdkörper wird er nämlich nur wenige Augenerkrankungen bei Ihrem Kind selbst behandeln. Bei vielen Augenerkrankungen bedarf es nun einmal komplizierter Apparate, um die genaue Diagnose stellen zu können.
Neben den Bindehautentzündungen sind zahlenmäßig die Sehfehler die häufigsten Au­gen­probleme bei Kindern. Und obwohl heute Brillen wie Zahnspangen schon fast zum »guten Ton« gehören, vergehen bei vielen Kindern noch immer viel zu lange Monate (oder gar Jahre), bevor etwa eine Kurz­sich­tigkeit diagnostiziert wird. Kinder sind in Sachen Kurzsichtigkeit nämlich sozusagen Opfer ihres eigenen Talents. Durch alle möglichen Tricks gelingt es ihnen, das an die Tafel Geschriebene dann doch noch zu entziffern, und sei es über den Umweg des Hefts beim Nachbarn.
Nicht alles mitzubekommen stresst. Deshalb: Wenn es auch nur den Hauch eines Verdachtes gibt, lassen Sie das Seh­ver­mögen Ihres Kindes testen. Und so ein Verdachtsmoment können nicht nur wiederholte (abendliche) Kopfschmerzen, sondern schon das immer einmal wieder geäußerte »Hab keine Lust auf Schule« oder die der Schwerkraft folgenden Schulnoten sein.

 

Augenprobleme. Genaues Beschwerdebild Was sich am ehesten dahinter verbirgt Erste Maßnahmen
Rotes Auge    
  • Blutgefäße im Weiß des Auges verstärkt sichtbar, Fremdkörpergefühl, Tränen der Augen, Lichtscheu, möglicherweise Eiter im Augenwinkel oder verklebte Wimpern nach dem Schlaf
  • Weitere Reizung der Augen durch Rauch, grelles Licht, Schwimmbadwasser vermeiden. Evtl. Auge mit lauwarmem Wasser abwaschen,kühle Kompressen auflegen. Bei Erfolglosigkeit der Maßnahmen nach
    1–2 Tagen, bei Eiter im Augenwinkel möglichst am gleichen Tag zum
    Augenarzt gehen. Bei gleichzeitigem Niesen und (klarem) Nasenlaufen wahrscheinlich Allergie (Heuschnupfen mit Augenbeteiligung). Bei grip-
    palen Beschwerden oder Fieber eher infektionsbedingt
  • Wie oben, aber mit Sehverschlechterung (»Schleier vor den Augen«), möglicherweise auch Augenschmerzen
  • Entzündung der Regenbogenhaut
  • Sofort zum Augenarzt gehen
  • Flächiger roter Fleck oder »See«, ohne dass Gefäße sichtbar sind
  • Blutung unter der Bindehaut, z. B. bei gestörter Blutgerinnung oder nach heftigem Husten
  • Meist harmlos, trotzdem sicherheitshalber sofort zum Augenarzt gehen
Gelbes Auge (das Weiße des Auges ist nicht mehr weiß, sondern gelb) Krankheiten mit ge­stei­ger­tem Ab­bau der roten Blutkörperchen (Blutarmut) oder Lebererkrankung, am ehesten virusbedingte Le­ber­entzündung
(= Hepatitis)
Am gleichen Tag zum Kinderarzt gehen

»Verklebter« Lidrand, ein- oder beidseits

  • Meist Säugling
  • Möglicherweise tränendes Auge
  • Möglicherweise leichte Augenrötung
Verstopfter Tränenkanal, Bindehautentzündung Keine Sofortmaßnahmen nötig. Kinderarzt bei Gelegenheit darauf ansprechen. Bei Eiterbildung (ständig »schmierendes« Auge) in den nächsten Tagen, bei Schmerzen oder deutlicher Entzündung (Rötung) noch am gleichen Tag zum Kinderarzt gehen
Juckendes/brennendes Auge    
  • Keine Auffälligkeiten am Auge sichtbar, vor allem abends auftretend
  • »Überanstrengung« des Auges z. B. bei nicht erkannten Sehfehlern
  • Keine Sofortmaßnahmen, aber Termin beim Augenarzt zum Ausschluss eines Sehfehlers ausmachen
  • Mit Augenrötung (siehe oben), meist beidseits
  • siehe oben
  • Mit Fremdkörpergefühl, Augentränen, plötzlich entstanden, meist nach einem Spaziergang oder Spielplatzbesuch, meist einseitig
  • Kleiner Fremdkörper im Auge (bei Kindern häufig: Sand)
  • Auge nicht reiben, »austränen« lassen (die Tränen spülen die meisten kleinen Fremdkörper aus dem Auge). Falls danach keine Beschwerdefreiheit, Innenseite der Lider vorsichtig auf Fremdkörper absuchen und ggf. mit einem sauberen Taschentuch entfernen. Bei weiter bestehenden Beschwerden zum Augenarzt gehen
(Einseits) schmerzendes Auge    
  • Roter, schmerzhafter Knoten am Lid, möglicherweise mit Eiterpunkt, Lid der Umgebung häufig gerötet und geschwollen
  • Wärme anwenden, nicht reiben. Bei ausbleibender Besserung über Tage, Übergreifen der Rötung und Schmerzen in die Umgebung oder auftretendem Fieber zum Augenarzt gehen
  • Auge gerötet (vor allem um die Hornhaut), oft nach Schauen in Höhensonne, Schnee oder Schweißblitze, nach Verletzung durch Zweig oder Fingernagel
  • Hornhautent­zün­dung/ Hornhautverletzung
     
  • Am gleichen Tag zum Augenarzt gehen
  • Geschwollenes, rotes, überwärmtes Auge, möglicherweise Fieber
  • Augenentzündung unterschied­licher Ursache
  • Am gleichen Tag zum Augenarzt gehen – es liegt möglicherweise eine schwere bakterielle Augenentzündung vor
  • Bläschen im Augenbereich
  • An gleichen Tag zum Augenarzt gehen – bei beiden ­Erkrankungen ist eine Beteiligung der Hornhaut möglich
Augentränen/-ausfluss    
  • Beim Baby ein- oder beidseits immer tränendes Auge, möglicherweise Eiter, »verklebte« Lider, ­möglicherweise leichte Augenrötung
  • Keine Sofortmaßnahmen nötig. Kinderarzt bei Gelegenheit darauf ansprechen. Bei Eiterbildung (»schmierendes« Auge) in den nächsten Tagen, bei Schmerzen oder deutlicher Entzündung (starke Rötung) sofort zum Kinderarzt gehen
  • Tränende Augen beim älteren Kind
  • Sofortmaßnahmen wie bei Bindehautentzündung. Wenn nach 1–2 Tagen immer noch Beschwerden, zum Augenarzt
  • Ein- oder beidseits eitriges Sekret, verklebtes Auge
  • Am gleichen oder nächsten Tag zum Augenarzt gehen
Geschwollene/rote Lider    
  • Beidseitige Lidschwellung, keine Rötung, keine Schmerzen
  • Allgemeinerkrankung, z. B. der Nieren
  • Noch am selben Tag zwecks Abklärung zum Kinderarzt gehen
  • Meist beidseits geschwollene, gerötete Lidränder, mit Schüppchen, Geschwüren oder Eiter
  • Zwecks Abklärung am nächsten Tag zum Augenarzt gehen, bei Eiterbildung möglichst am gleichen Tag
  • Einseitige Lidschwellung und -rötung, schmerzhafter Knoten am Lid, möglicherweise mit Eiterpunkt
  • Wärme anwenden, nicht reiben. Bei ausbleibender Besserung über Tage, Übergreifen der Rötung und ­Schmerzen in die Umgebung oder auftretendem Fieber zum Augenarzt gehen
  • Einseits geschwollenes, rotes, warmes Lid, Fieber, evtl. Schmerzen bei Augenbewegungen
  • Augenentzündung unterschiedlicher Ursache, z. B. durch Fortleitung einer Nebenhöhlenentzündung
  • Am gleichen Tag zum Augenarzt gehen – es liegt mög­licherweise eine schwere bakterielle Augenentzündung bzw. Entzündung der Augenhöhle vor
Hervorstehende Augen Unterschiedliche Ursachen, z. B. bestimmte Formen der Schilddrüsenüberfunktion Bei beidseitigem Auftreten zwecks Abklärung baldmöglichst zum Kinderarzt gehen, bei Befall nur eines Auges möglichst noch am gleichen Tag zum Augenarzt (hier ist eine im Auge ­gelegene Ursache wahrscheinlicher als bei beidseitigem Auftreten)

Sehen von Lichtblitzen

  • Gefolgt von Kopfschmerzen, Übelkeit
  • Kein Fieber
  • Möglicherweise früher bereits ähnliche Ereignisse
Migräne Kind in einen ruhigen, abgedunkelten Raum legen, ­möglichst schlafen lassen. Ist das Kind nach dem Schlaf ­beschwerdefrei, in der nächsten Woche zum Kinderarzt gehen, bei anhaltenden Beschwerden noch am gleichen Tag
Sehverschlechterung Verschiedenste Ursachen, z. B. Entzündung der Regenbogenhaut Sofort zum Augenarzt gehen. Ausnahme: bei Fremdkörper im Auge oder wenn das Kind eitriges Sekret im Auge hat und nach dessen Entfernung normal sieht. Wahrscheinlichste Ursache ist hier eine Bindehautentzündung durch Bakterien. Dann im Laufe des Tages zum Augenarzt gehen

Beeinträchtigte Augenbeweglichkeit

  • Möglicherweise Doppelbilder bei Blick in eine ­Richtung
Augenmuskellähmung unterschiedlicher Ursache, auch bei fortgeleiteter
Nasennebenhöhlenentzündung
Sofort zum Augenarzt gehen
Aktualisiert ( Mittwoch, den 26. August 2009 um 14:25 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München