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Fieber

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Donnerstag, den 16. Juli 2009 um 16:01 Uhr

Fieber hat einen schlechten Ruf. Auch die literarische Bearbeitung des Fiebers, etwa in Goethes Ballade »Der Erlk√∂nig«, setzt Fieber in ein geradezu unheimliches Licht: »In den Armen, das Kind – war tot«, so endet dieses spannende Gedicht √ľber die Fiebertr√§ume des Kindes und das atemlose Ringen seines Vaters. Was im »Erlk√∂nig« nicht erw√§hnt wird, ist die zugrunde liegende Erkrankung des Kindes – hatte es eine Hirnhautentz√ľndung? Einen durchgebrochenen Blinddarm? Denn Fieber ist immer nur eine Begleiter­schei­nung und f√ľr sich selbst genommen nur in Aus­nahme­f√§llen krankhaft. Im Ge­gen­teil: Es ist davon auszugehen, dass Fie­ber die Abwehr des K√∂rpers unter­st√ľtzt (siehe unten).

Wann zum Arzt

Die H√∂he des Fiebers sagt wenig √ľber die Ge­f√§hr­lich­keit der zugrunde lie­gen­den Er­kran­kung aus. Deshalb ist die An­ga­be genauer Grenzwerte (etwa »zum Kinder­arzt ab 39 °C Fieber«) schwierig. Achten Sie eher auf die Zeichen der Krankheit als auf die H√∂he des Fiebers.
In manchen Fällen jedoch kann Ihnen das Fieber eine gewisse Orientierung geben:

  • Junge S√§uglinge (unter sechs Monaten) mit Fieber, d. h. in diesem Fall einer K√∂rpertemperatur von √ľber 38 °C, sollten vom Kinderarzt untersucht werden. Auch √§ltere S√§uglinge sollten zum Kinderarzt, wenn Sie eine Temperatur von mehr als 38,4 °C messen.
  • Alle Kleinkinder bis vier Jahre sollten dann zum Kinderarzt, wenn sie hohe Temperaturen haben (√ľber 39 °C) und Sie dabei keine Ursache, wie etwa eine Erk√§ltung, feststellen k√∂nnen.
  • Auch wiederkehrendes Fieber (also wenn Fieber nach einer fieberfreien Zeit von wenigen Tagen wieder auftritt) sollte Anlass zum Arztbesuch sein. 
Aus unserer Sicht unterst√ľtzt Fieber den Heilungsverlauf. Bedrohlich ist in aller Regel nicht das Fieber, sondern die Krankheit, die der K√∂rper durch Fieber bek√§mpfen will!
Fieber. Genaues Beschwerdebild Was sich am ehesten dahinter verbirgt Erste Maßnahmen

Fieber

  • Ohne weitere Beschwerden
Vorherige (schwerere) k√∂rper­liche Anstrengung,
beginnende Infektion
Körperliche Anstrengung steigert die Körpertemperatur um bis zu ein Grad. Kind eine halbe Stunde ruhen lassen, dann noch einmal messen. Bei weiter erhöhter Temperatur Kind auf weitere Krankheitszeichen beobachten und entsprechend vorgehen

Fieber

  • Ohne weitere Beschwerden
  • Kind meist 6 Monate – 3 Jahre alt
  • Nach drei Tagen ­Fieber kleinfleckiger, blasser Hautausschlag
Dreitagefieber s. Maßnahmen beim Dreitagefieber

Fieber

  • Mit Hautausschlag
»Klassische« Kinderkrankheit, Kawasaki-Syndrom,
Pfeiffer-Dr√ľsenfieber, Windpocken
Nach mutmaßlicher Erkrankung vorgehen. Bei Zweifeln zum Kinderarzt gehen.
Kawasaki-Syndrom. Ausnahme: Bei Hautblutungen sofort zum Kinderarzt gehen
Fieber mit Bl√§schen    
  • Am ganzen K√∂rper
  • Wenn Sie sich sicher sind, dass Ihr Kind Windpocken hat, ist eine Betreuung in ­Eigenregie m√∂glich (siehe So helfen Sie Ihrem Kind bei Windpocken)
  • Im Gesicht oder g√ľrtelf√∂rmig am Rumpf
  • Bei G√ľrtelrose am Rumpf je nach Beschwerden am gleichen oder n√§chsten Tag, bei G√ľrtelrose im Gesicht noch am gleichen Tag zum Kinderarzt gehen
  • An H√§nden, F√ľ√üen und im Mund
  • Am n√§chsten Tag zum Kinderarzt gehen
  • Nur im Mund (oft wie kleine, wei√üe Geschw√ľre, auch auf der Zunge)
  • Am n√§chsten Tag zum Kinderarzt gehen
     
  • Nur am Gaumen (2–3 mm gro√üe Bl√§schen mit rotem Randsaum)
  • Herpangina
  • Am n√§chsten Tag zum Kinderarzt gehen

Fieber

  • Erk√§ltungszeichen
  • Oft Husten
Erkältung,
echte ­Grippe,
Bronchitis,
Laryngitis,
Keuch­husten oder Masern,
Pseudokrupp, Lungenentz√ľndung, Nasen­neben­h√∂h­len­entz√ľndung
Entsprechend der vermuteten Erkrankung vorgehen. Bei leichten Infekten der oberen Luftwege ist eine Betreuung in Eigenregie m√∂glich. Bei Krankheitsdauer √ľber eine Woche sowie schweren Verl√§ufen Kinderarzt aufsuchen

Fieber

  • Halsschmerzen
Hals- oder Mandelentz√ľndung durch Viren oder Bakterien,
Scharlach,
Herpangina,
Pfeiffer-Dr√ľsenfieber
Bei leichtem Fieber und leichten Halsschmerzen oder Kratzen im Hals Selbsthilfema√ünahmen zur Beschwerdelinderung anwenden (Siehe So helfen Sie Ihrem Kind bei Hals- und Mandelentz√ľndungen). Bei Beschwerden √ľber mehr als drei Tage, hohem Fieber oder Bel√§gen auf den Mandeln (die wei√ü-gelben Flecken sind oft schon bei √Ėffnen des Mundes sichtbar) zum Kinderarzt gehen

Fieber

  • Bauchschmerzen
  • M√∂glicherweise √úbelkeit, Erbrechen
  • M√∂glicherweise Durchfall
Magen-Darm-Infektion, Fr√ľhstadium anderer Infektionen, Blinddarmentz√ľndung
(= Appendizitis) , rascher Beginn einer Darmentz√ľndung (Colitis ulcerosa, Morbus Crohn)
Zun√§chst vorgehen wie bei Magen-Darm-Infektion, da diese die h√§ufigste Ursache ist. Kind dabei weiter auf andere Krankheitszeichen beobachten, da gerade kleine Kinder auch auf andere Infektionen »mit dem Bauch reagieren«. Bei Beschwerden √ľber drei Tage zum Arzt gehen, bei Bauchschmerzen im rechten Unterbauch oder drohender Austrocknung sofort
Fieber   Gelenk- und Muskelschmerzen treten h√§ufig im Fr√ľhstadium von grippalen Infekten auf, daher abwarten, ob sich weitere Krankheitszeichen entwickeln. Falls dies nicht der Fall ist, bei Beschwerden √ľber drei Tage Dauer zum Kinderarzt gehen. Bei Beschwerden in nur einem oder wenigen Gelenken oder Knochen am folgenden Tag Kinderarzt aufsuchen, ist das Gelenk dick oder warm oder liegt eine Bewegungseinschr√§nkung vor, noch am gleichen Tag
  • Gelenk- und Muskelschmerzen »√ľberall«
  • Fr√ľhstadium eines Infektes
  • Gelenkschmerzen an nur einem oder wenigen (aber m√∂glicherweise wechselnden) Gelenken oder umschriebene Knochenschmerzen

Fieber

  • Mit Lymphknotenschwellung ohne weitere wegweisenden Beschwerden wie etwa Halsschmerzen
Pfeiffer-Dr√ľsenfieber oder andere Infektionen,
b√∂sartige ­Erkrankungen (Leuk√§mien, Gehirntumoren, Lymphome)
Zwecks Abklärung zum Kinderarzt gehen РSie selbst können nicht entscheiden, was dahintersteckt

Fieber

  • Mit Ver√§nderungen des Urins oder beim Wasserlassen
Harnwegsinfektion Am gleichen Tag zum Kinderarzt gehen, ­Urinprobe m√∂glichst gleich mitnehmen. ­Siehe Uringewinnung

Fieber

  • Nach wenig Trinken
  • Vor allem bei W√§rme oder gleichzeitigem Schwitzen
Durstfieber Bei kleinen Kindern kann leichtes Fieber auch durch zu wenig Trinken bedingt sein. Dann zun√§chst Fl√ľssigkeitsmangel beheben, Kind weiter beobachten

Fieber

  • Nach starker Sonneneinstrahlung (auch im Auto)
√úberhitzung Falls das Kind nicht benommen ist, in den Schatten bringen und k√ľhlende Ma√ünahmen anwenden. Bei Benom­men­heit oder Erfolglosigkeit der Be­m√ľh­un­gen √ľber zwei Stunden zum Kinderarzt gehen

Fieber

  • Nach Aufenthalt in den Tropen
Verschiedene Tropenerkrankungen, z. B. Malaria Am gleichen Tag zum Kinderarzt gehen, da Sie selbst nicht unterscheiden k√∂nnen, ob es sich um eine »normale« Infektion nach Tropenaufenthalt oder um eine Tropeninfektion handelt

Fieber

  • Mit Teilnahmslosigkeit, Benommenheit, »Verfall« des Kindes
  • Mit Krampfanfall
  • Mit heftigen Kopfschmerzen
  • Mit Atemnot
  • Mit Hautblutungen* oder Gelbverf√§rbung der Haut
Verschiedene Erkrankungen, z. B. Hirnhautentz√ľndung
(= Meningitis),
Gehirnentz√ľndung
(= Enzephalitis), Sepsis (= Blutvergiftung)
Sofort zum Kinderarzt gehen, auch wenn nur eines der Kriterien zutrifft  – es k√∂nnen verschiedene teils ernste Erkrankungen dahinter stecken, die sofort behandelt werden m√ľssen
* Hautblutungen sind stecknadelkopfgroße rote Hautflecken, die auf Druck mit einem durchsichtigen Lineal nicht weggehen

Anhaltendes Fieber

  • Auf Antibtiotika nicht ansprechend
  • Meist Kinder unter 6 Jahren
  • Hochrote, trockene, rissige Lippen, evtl. R√∂tung von Handfl√§chen und Fu√üsohlen, m√∂glicherweise Hautausschlag am Rumpf
  • Oft ger√∂tete Augen (Augenbindehautentz√ľndung)
  • Evtl. Lymphknotenschwellung am Hals
Kawasaki-Syndrom Besteht ein Fieber l√§ngere Zeit, ohne dass sich eine einfache Erkl√§rung daf√ľr findet, und helfen auch Antibiotika nicht, so ist bei der genannten Konstellation immer an ein Kawasaki-Syndrom zu denken. Gehen Sie noch am gleichen Tag zum Kinderarzt oder (am Wochenende) ins Krankenhaus.

Fieber

  • Wiederholt Fieber unklarer Ursache von wenigen Tagen Dauer
  • St√§ndig leicht erh√∂ht (= subfebrile) K√∂rpertemperatur

Verschiedene Erkrankungen, z. B. wiederholte Harnwegsinfektionen, chronische (= l√§nger dau­ernde) Entz√ľndungen

In den nächsten Tagen oder bei einem erneuten Fieberschub Kinderarzt aufsuchen. Möglichst gleich Urinprobe mitnehmen. Siehe Uringewinnung

Fieber – n√ľtzlich oder sch√§dlich?

W√§hrend die Hauttemperatur des Menschen je nach Umgebungstemperatur sehr un­ter­schied­lich sein kann, liegt die K√∂rper­kern­tem­pe­ra­tur, meist kurz als K√∂rpertemperatur bezeichnet, recht konstant um die 37 °C. Daf√ľr sorgt das sog. Temperaturzentrum im Gehirn, das, vergleichbar dem Thermostat einer Heizung, besagte 37 °C als »Solltemperatur« vorgibt.

Gewisse Schwankungen sind aber normal. Charakteristischerweise ist die K√∂rpertemperatur morgens am niedrigsten und erreicht am sp√§ten Nachmittag ihr Maximum. Beim Er­wachsenen und Jugendlichen schwankt die normale K√∂rpertemperatur im Tages­ver­lauf um etwa ein Grad. Jeder Mensch hat dabei eine etwas andere »Be­triebs­tem­pe­ra­tur«: 36,0 °C am Morgen sind deshalb je nach »Typ« ebenso normal wie 38,0 °C am sp√§­teren Nachmittag (diese Temperaturen geben jeweils den im After gemessenen Wert wieder, im Mund sind die Temperaturen um etwa 0,5 °C niedriger). Vor allem in den ersten zwei Lebensjahren ist dieser Tages­rhythmus allerdings weitaus geringer ausgepr√§gt, die normale K√∂rpertemperatur schwankt hier nur um etwa 0,5 °C.

Die Erh√∂hung der K√∂rpertemperatur auf 38,5 °C oder mehr beim √§lteren Kind wird Fieber genannt. In der Grauzone zwischen 38,0 und 38,5 °C sprechen manche √Ąrzte auch von erh√∂hter oder subfebriler Temperatur. Beim S√§ugling und Kleinkind liegt die »Fiebergrenze« tiefer, hier sind schon Temperaturen √ľber 38 °C als Fieber anzusehen, und der Begriff der »erh√∂hten Temperatur« wird nicht gebraucht.
Da die K√∂rpertemperatur durch k√∂r­per­liche An­stren­gung um bis zu 1 °C steigen kann, sollte das Kind vor dem Fie­ber­mes­sen am besten eine halbe Stunde ruhen. Auch zu warme Klei­dung kann, vor allem beim S√§ugling, die Tem­pe­ra­tur erh√∂hen (um bis zu 0,5 °C).

Siehe Messung des Fiebers

Wodurch entsteht Fieber?

Fieber ist bedingt durch bestimmte Botenstoffe des Immunsystems, die immer dann abgegeben werden, wenn der K√∂rper mit Ent­z√ľn­dungen zu k√§mpfen hat. Solche Entz√ľn­dun­gen entstehen meist durch Infektions­erreger (Viren, Bakterien, Pilze, Parasiten), manchmal aber auch durch Autoimmunprozesse oder andere Abwehrvorg√§nge. Als Resultat wird der Temperatursollwert im Gehirn angehoben. Der K√∂rper bem√ľht sich nun, die neue »Vorgabe« zu erreichen – k√ľhle Haut, Frieren und Zittern bis zum Sch√ľttelfrost sind die allen Eltern bekannten Zeichen dieses Fieberanstiegs.

Vom Fieber zu unterscheiden ist die √úberhitzung (Hyperthermie). Hierbei handelt es sich ebenfalls um eine Erh√∂hung der K√∂rpertemperatur, allerdings wird sie nicht durch Entz√ľndungen ausgel√∂st, sondern durch eine zu starke Hitzezufuhr von au√üen (etwa beim Sonnenstich) oder aber durch – sehr seltene – Muskelerkrankungen. Bei Letzteren, auch als maligne Hyperthermie bezeichneten Formen entgleist bei erblich veranlagten Menschen der Stoffwechsel in der Muskulatur nach Gabe bestimmter Narkosemittel. Die Muskulatur bildet dadurch extrem viel W√§rme – dadurch kann die K√∂rpertemperatur bis √ľber 42 °C ansteigen.

Folgen des Fiebers

Als Folge des Fiebers wird der Stoffwechsel hoch­gefahren, der K√∂rper wird insgesamt ak­ti­ver. Er verbraucht mehr Sauerstoff und schwitzt mehr Wasser aus. Gleichzeitig werden die Gehirnzellen reizbarer, was sich z. B. durch aktivere Tr√§ume bis hin zu Tagtr√§umen und Halluzinationen (Fieberdelirium) √§u√üert. Die erh√∂hte Reizbarkeit des Gehirns kann bei entsprechend veranlagten Kindern zu Fieberkr√§mpfen f√ľhren.

Eines allerdings kann Fieber nicht, auch wenn Eltern immer wieder diese Sorge √§u­√üern: das Kind »vergl√ľhen«. Im Gegensatz zur Hyperthermie steigt Fieber nicht in Be­reiche an, bei denen die K√∂r­per­funk­tionen »einfach aussetzen« oder Eiwei√üe durch die Hitze gesch√§digt werden. Die »Temperatur­ober­grenze« bei Fieber liegt etwa bei 41,5 °C – h√∂here Temperaturen werden nur bei bestimmten, seltenen Erkrankungen (an­ge­borene Muskelschw√§che, Reye-Syndrom, schwere Gehirnentz√ľndungen und Tetanus) gesehen.

Je höher, desto schlimmer?

Oft wird vermutet, eine Krankheit sei umso schlimmer, je h√∂her das Fieber ist. Dies stimmt pauschal nicht. Viele relativ harm­lose In­fek­tions­krank­heiten gehen mit hohem Fieber einher (etwa das Drei­tage­fie­ber), w√§hrend andere, weit gef√§hrlichere In­fek­tionen zu vergleichsweise mildem Fieber f√ľhren (etwa Herzbeutelentz√ľndungen oder manche Gehirnentz√ľndungen). Sehr schwer verlaufende Infektionen wie etwa die Sepsis (Blutvergiftung) gehen manchmal sogar mit Normal- oder gar Un­ter­­tem­pe­ra­tur einher. Die Vor­stellung, ab einer gewissen H√∂he des Fiebers seien spezielle Schritte (etwa der Gang zum Kinderarzt) erforderlich, stimmt deshalb als pauschaler Rat nicht.

Kann Fieber gut f√ľr das Kind sein?

Schon l√§ngere Zeit ist bekannt, dass einige Teile des Immunsystems bei erh√∂hten Temperaturen schneller arbeiten. So werden z. B. bei Fieber mehr Abwehrstoffe produziert. Auch nimmt die Angriffslust mancher Krankheitserreger bei h√∂heren Temperaturen ab.

Auch das folgende Experiment deutet auf einen m√∂glichen Nutzen des Fiebers: Wenn Eidechsen k√ľnstlich infiziert werden (etwa indem ihnen Erreger in den K√∂rper gespritzt werden), suchen sie instinktiv sonnige Pl√§tze auf – die wechselwarmen Tiere erh√∂hen da­durch ihre K√∂rpertemperatur um mehrere Grade. Wenn man nun einen Teil der Tiere daran hindert, den Schatten zu verlassen, so zeigen diese eine h√∂here Sterblichkeit als jene, die sich frei in die Sonne bewegen k√∂nnen. Zumindest bei Reptilien hat »Fieber« also eine eindeutig krankheitsbek√§mpfende Funktion.

Dass dies wahrscheinlich auch f√ľr den Menschen gilt, zeigt ein anderes Experiment. So ist etwa die Dauer der »echten Grippe« (Influenza) bei Erwachsenen um drei Tage k√ľrzer, wenn auf eine fiebersenkende Behandlung verzichtet wird. Ob dies auch f√ľr andere Infektionskrankheiten gilt, ist nicht sicher. Wir gehen jedoch davon aus, dass sich der K√∂rper die mit dem Fieber verbundene zus√§tzliche Arbeit nicht umsonst abverlangt und Fieber in aller Regel die Immunabwehr unterst√ľtzt.

Was tun bei Fieber?

Aus den besprochenen Gr√ľnden sollte Fieber weitgehend in Ruhe gelassen werden. Sorgen Sie daf√ľr, dass der K√∂rper mit der Temperatur gut zurechtkommt, indem Sie:

  • Ihrem Kind die n√∂tige Ruhe verschaffen – etwa durch Ruhepausen auf der Couch, Vorlesen oder auch Bettruhe. »Richtig ins Bett« muss ein fieberndes Kind unserer Meinung nach nicht in jedem Fall, sondern nur dann, wenn »seine Batterien entladen sind«.
  • Ihr Kind entsprechend kleiden: Luftige, atmungsaktive Kleidung aus Baumwolle sowie ein J√§ckchen, das je nach Bedarf aus- oder angezogen werden kann, sind am besten.
  • Die Kost anpassen. Leichte Kost entlastet den Kreislauf, der sich jetzt nicht auch noch um eine Ladung Pommes mit Majo im Bauch k√ľmmern will. Oft wei√ü Ihr Kind am besten, was ihm jetzt bekommt (etwa Joghurt oder Obstkompott).
  • Bieten Sie Ihrem Kind immer wieder Fl√ľssigkeit an, am besten Tee, Wasser, aber auch verd√ľnnte Fruchts√§fte oder Milch, wenn Ihrem Kind danach ist. Im Fie­ber­an­stieg (Kind »f√ľhlt sich kalt«) werden warme oder hei√üe Getr√§nke bevorzugt, ansonsten sind k√ľhle (aber nicht eisgek√ľhlte) Getr√§nke die richtige Wahl. 
Bei Fieber ist der Fl√ľssigkeitsbedarf des K√∂rpers erh√∂ht, das Kind schl√§ft aber viel und ist auch in Wachzeiten nicht selten zu m√ľde, um ans Trinken zu denken. Die Gefahr der Austrocknung ist daher erh√∂ht. Unserer Erfahrung nach reicht es bei »richtig« kranken Kindern nicht, ihnen etwas zu trinken hinzustellen. Vielmehr hat es sich bew√§hrt, dem Kind in Wachphasen in regelm√§√üigen Abst√§nden etwas zu trinken zu reichen; auch die damit verbundene Zuwendung tut dem Kind gut.

Wann das Fieber senken?

Nur wenn das Fieber Ihr Kind √ľber Geb√ľhr strapaziert, sollten Sie es senken, etwa:

  • Wenn Ihr Kind √ľber l√§ngere Zeit (je nach Alter 4–8 Stunden) nicht trinkt und Sie eine Austrocknung bef√ľrchten. Wenn das Kind auch nach der Fiebersenkung nicht trinkt, sollten Sie vorsichtshalber zum Arzt.
  • Wenn Ihr Kind ein Fieberdelirium hat, also halluziniert und nicht orientiert ist. Wenn dies auch nach der Fie­ber­sen­kung bestehen bleibt, m√ľssen Sie auf jeden Fall zum Arzt.
  • Wenn Ihr Kind schon einmal einen Fieber­krampf hatte, sollten Sie vorbeugend das Fieber senken, auch wenn dies nicht immer verl√§sslich wirkt.
  • Wenn Sie sich um Ihr Kind Sorgen ma­chen und nicht wissen, ob es schwer krank ist. Lebt Ihr Kind nach dem Fieberz√§pfchen auf, so ist das ein beruhigendes Zeichen.

Manchmal wird Sie auch der Kinderarzt bitten, das Fieber zu senken, etwa um herauszufinden, ob hinter dem eingeschränkten Zustand Ihres Kindes eher das Fieber steckt oder die Krankheit selbst.

Wie das Fieber senken

Oft hilft es schon, Ihr Kind leichter anzuziehen oder es ganz auszuziehen – decken Sie es aber immer mit einer Baumwolldecke zu, um es vor Zugluft zu sch√ľtzen.
Auch nasse Wickel (Wadenwickel), Abwaschungen oder ein lauwarmes Bad k√∂nnen W√§rme ab­lei­ten, sie mildern h√§ufig auch die oft mit dem Fieber verbundene Unruhe, Benommenheit sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Allerdings ist die Wirkung solcher physikalischer Ma√ünahmen begrenzt und von Fall zu Fall unterschiedlich.

Die Wirkung h√§ngt insbesondere vom Fieberstadium ab: So ist die Hautdurchblutung in der Phase des Fieberanstiegs stark einge­schr√§nkt (was Sie an den kalten H√§nden und kalten F√ľ√üen merken). Die jetzt auf die Haut aufgelegten Wickel k√∂nnen gar keine W√§rme »aufgreifen«, sie sind also im besten Fall wirkungslos. Nur wenn das Kind »gl√ľht« (warme H√§nde, warme F√ľ√üe), sind √§u√üere An­wendungen sinnvoll. Die Wickel d√ľrfen jedoch nicht zu kalt sein, da sich sonst die Blut­ge­f√§√üe der Haut zusammenziehen und die Hitze aus dem K√∂rperinneren nicht mehr ab­lei­ten k√∂nnen (siehe Wadenwickel). 

Auf keinen Fall sollte Ihr Kind durch die Anwendungen zittern, dies treibt die Temperatur weiter nach oben.

Medikamente zur Fiebersenkung

Bei Kindern sind vor allem zwei Wirk­stoffe zur Fie­ber­senkung geeignet: Paracetamol und Ibuprofen. Sie sorgen daf√ľr, dass der K√∂rper weniger Prostaglandine bildet, das sind die vom K√∂rper bei Entz√ľndungen gebildeten Wirkstoffe, welche letzten Endes f√ľr die Verstellung des »K√∂rper­thermostats« verantwortlich sind, d. h. dem K√∂rper signalisieren, dass er »einheizen« soll. Beide Wirkstoffe bek√§mpfen nicht nur das Fieber, son­dern sind auch gute Schmerzmittel, Ibu­profen wirkt zudem entz√ľndungshemmend.

Paracetamol ist f√ľr alle Altersgruppen zugelassen, Ibuprofen erst ab drei Monaten. Die Wirkstoffe stehen als Z√§pfchen, Saft oder Ta­bletten zur Verf√ľgung. Sowohl Paracetamol als auch Ibuprofen beginnen etwa 15–30 Minuten nach der Anwendung zu wirken. Wom√∂glich wirkt Ibuprofen etwas st√§rker als Paracetamol – ob dies im Alltag einen Unterschied macht, ist jedoch zweifelhaft.

Paracetamol und Ibuprofen k√∂nnen auch abwechselnd eingenommen werden – etwa, wenn eine nachhaltige und konsequente Fiebersenkung aufgrund fr√ľherer Fieberkr√§mpfe angezeigt ist. Be­kommt Ihr Kind also z. B. schon zwei Stunden nach der Einnahme von Paracetamol wieder Fieber, so m√ľssen Sie mit einer weiteren Einnahme von Paracetamol noch zwei Stunden warten (zwischen den Paracetamol-Einzeldosen m√ľssen mindestens vier Stunden verstreichen). In diesem Fall k√∂nnen Sie Ihrem Kind aber Ibuprofen geben. Halten Sie bei diesem Abwechslungsschema aber stets die Minimalabst√§nde zwischen den Einzeldosen ein (etwa vier Stunden f√ľr Paracetamol, sechs Stunden f√ľr Ibuprofen).

Die beim Erwachsenen h√§ufig gegen Fieber eingesetzte Acetylsalicyls√§ure (z. B. Aspirin®) darf bei Kindern unter 16 Jahren nicht verwendet werden. Manche Kinder entwickeln hierauf n√§mlich eine schwere Stoffwechsel­entgleisung, die vor allem das Gehirn und die Leber betrifft und sich durch Erbrechen, Krampfanf√§lle und zunehmende Benommenheit bis hin zum lebensbedrohlichen Koma √§u√üert. Dieses Reye-Syndrom wird bei manchen erblich vorbelasteten Kindern durch die Acetylsalicyls√§ure ausgel√∂st. Welches Kind gef√§hrdet ist, l√§sst sich vorher nicht feststellen. Da heute jedoch »sichere« Medikamente zur Verf√ľgung stehen, l√§sst sich dieses Risiko problemlos vermeiden.

Unterst√ľtzende Ma√ünahmen der Naturheilkunde

Ein pflanzlicher Wirkstoff mit fiebersenkender Wirkung ist die Weidenrinde – sie wird manchmal auch als »nat√ľr­liches Aspirin« be­zeich­net. Die darin enthaltenen Salicylate geh√∂ren n√§mlich zur gleichen Wirkstoffgruppe wie die heute unter dem Markennamen Aspirin bekannte Acetylsalicyls√§ure. Zubereitung des Tees: Einen Teel√∂ffel Rinde mit 1/2 Liter kaltem Wasser sehr langsam bis zum Kochen erhitzen, dann f√ľnf Minuten ziehen lassen, abseihen und schluckweise trinken lassen.
Eine schwei√ütreibende Wirkung haben Holunderbl√ľten und Lindenbl√ľten (Zubereitung als Tee siehe Heilkr√§utertabelle).

Kirschsaft und Rote-Bete-Saft sind gute Quellen von Vitamin C und werden häufig bei Fieber empfohlen.

Die Hom√∂opathie setzt bei pl√∂tzlichem, hohem Fieber z. B. Aconit D 6 (bei √§ngst­lichem, unruhigem, durstigem, aber nicht schwitzendem Kind) oder Belladonna D 6 (bei schwitzendem, wenig durstigem, zur√ľckgezogenem Kind) ein. Bei allm√§hlich ansteigendem Fieber wird je nach Konstitution auch Ferrum phosphoricum D 6 empfohlen.

Fiebersenkende Arzneimittel

Am besten geeignet zur Fiebersenkung bei Kindern sind Paracetamol und Ibuprofen.
Paracetamol (im Ausland auch als Aceta­mino­phen bezeichnet), z. B. in:

  • ben-u-ron®
  • Enelfa®
  • Paracetamol ratiopharm®

Wie viel? Die richtige Einzeldosis bei Z√§pfchen ist 125 mg f√ľr S√§uglinge, 250 mg f√ľr Kleinkinder und 500 mg f√ľr Schulkinder. Im Zweifelsfall (z. B. bei sehr schlanken oder sehr schweren Kindern) k√∂nnen Sie die Dosis auch exakt berechnen – die genaue Dosis pro Kilogramm K√∂rpergewicht ist 15 mg, bei einem 20 kg schweren Kind also 20 x 15 mg = 300 mg. Die »genau richtige« Dosis passt daher nicht immer zu den im Handel verf√ľgbaren St√§rken (125, 250 und 500 mg). Greifen Sie dann zur jeweils am n√§chsten liegenden St√§rke (bei einer errechneten Dosis von 200 mg also 250 mg, bei einer errechneten Dosis von 150 mg also 125 mg) oder zu Paracetamol-Saft.

Wie oft? In der oben genannten Dosierung kann Paracetamol bis maximal alle vier Stunden gegeben werden, also sechsmal täglich.
Ibuprofen, z. B. in

  • Dolormin®
  • Nurofen®
  • IbuBenuron®

Wie viel? Die richtige Einzeldosis ist 10 mg pro Kilogramm K√∂rpergewicht, also bei einem 12 kg schweren Kind 120 mg.

Wie oft? In der oben genannten Dosierung kann Ibuprofen bis zu alle sechs Stunden gegeben werden, also viermal täglich.

Aktualisiert ( Mittwoch, den 26. August 2009 um 15:51 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit f√ľr Kinder, 2. Auflage 2006, K√∂sel Verlag M√ľnchen