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Abgeschlagenheit

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Montag, den 06. Juli 2009 um 08:37 Uhr

Wenn Kinder »abgeschlagen« sind, dann sind sie entweder körperlich oder seelisch erschöpft. Die Kinder sind dabei nicht nur weniger leistungsfähig, sondern häufig auch müde und reizbar, und oft steht sogar das zornige, weinerliche, rechthaberische oder einfach »genervte« Verhalten ganz im Vordergrund.
Abgeschlagenheit kann eine natürliche Re­aktion sein, etwa nach starker Anstrengung oder bei Schlafmangel. Krankhafte For­men sind vor allem durch Infektionen bedingt, sie können aber auch eine Depression oder eine chronische körperliche Erkrankung begleiten.

Was tun bei Abgeschlagenheit?

Oft ist die Ursache klar ersichtlich und Sie ergreifen entweder die in der Tabelle jeweils beschriebenen Maßnahmen oder Sie bauen auf die heilende Kraft der Zeit. Wenn allgemein aufmunternde Maßnahmen jedoch keinen Erfolg bringen und sich die Batterien einfach nicht wieder aufladen wollen, sollte eine gründliche körperlich-seelische Ab­klä­rung beim Kinderarzt erfolgen.

Abgeschlagenheit. Genaues Beschwerdebild Was sich am ehes­ten dahinter verbirgt Erste Maßnahmen
Abgeschlagenheit
  • Nach Lebensumstellungen (z. B. Schulbeginn) oder besonderen ­Belastungen (z. B. Tod eines Familienange­hö­rigen), bei Überlastung oder Schlafmangel
Normale Reaktion des Körpers auf die körperliche und/oder seelische Belastung Bei gerade zurückliegender Lebensum­stel­lung wie Umzug oder Schulwechsel Ruhepausen ermöglichen, nicht den ganzen Tag verplanen, auf ausreichend Schlaf achten. Versuchen, psychische Belastungen abzufedern, so gut es geht. Kinderarzt ansprechen, wenn Abgeschlagenheit über Wochen anhält – länger dau­ernde Abgeschlagenheit kann Zeichen fast jeder chronischen Erkrankung sein!

Abgeschlagenheit 

  • »Unlustige«, traurige Grundstimmung
  • Möglicherweise uncharakteristische, wenig fassbare und oft wechselnde Beschwerden
Depressive Verstimmung oder Depression Versuchen, den Grund der Traurigkeit zu ergründen – oftmals wiegen Ereignisse im Freundeskreis, die Erwachsene als banal empfinden, für das Kind schwer. Bei länger dauernder Abgeschlagenheit, Traurigkeit und Sorgen »wegen allem und jedem« zum Kinderarzt gehen

Abgeschlagenheit

  • Möglicherweise ­Fieber
  • Möglicherweise Lymphknotenschwellungen
Infektionskrankheit (z. B. Pfeiffer-Drüsenfieber) oder chronische Entzündung (z. B. rheumatische Erkrankung) Abgeschlagenheit ist oft erstes Zeichen einer Infektion – auf weitere Krankheitszeichen wie Schnupfen, Husten oder Hautausschläge als »Richtungsweiser« achten. Bei Fieber und Abgeschlagenheit über mehr als drei Tage zum Kinderarzt gehen, da Infektionskrankheiten oder chronische Entzündungen nicht immer von außen sichtbar sind

Abgeschlagenheit mit Hautveränderungen

  • Hautausschlag an grö­ßeren Teilen oder am ganzen Körper, oft Fieber
  • Ringförmiger Haut­ausschlag an einer Stelle des Körpers, vorausgegangen (unbemerkter) Zeckenbiss
  • Gelbfärbung der Haut
Kinderarzt aufsuchen, da hier viele verschiedene Erkrankungen möglich sind
Abgeschlagenheit
  • Nach einer kürzlich durchgemachten Infektion
Normales Erholungsbedürfnis des Körpers nach einer Infektion Zunächst Ruhe gönnen – ein kurzzeitig gesteigertes Erholungsbedürfnis nach einer Infektion ist normal. Bei Dauer über zwei Wochen oder zusätzlichen Beschwerden (z. B. unregelmäßiger Puls, Schwindel) zum Kinderarzt gehen
Abgeschlagenheit
  • Blässe der Haut, fehlendes »Rot« der Augenbindehäute (Blutarmut)
  • Möglicherweise Kreislaufbeschwerden (Schwindel, Atemnot bei Belastung)
Häufig Blutarmut,
sehr ­selten Leukämie
 
Den Kinderarzt aufsuchen. Eine Blutarmut ist durch eine Blutuntersuchung in aller Regel leicht festzustellen und von der ­seltenen, aber bedrohlichen Leu­kämie ­abzugrenzen
Abgeschlagenheit
  • Starker Durst, vermehrtes ­Wasserlassen
  • Häufig Gewichtsabnahme
Diabetes mellitus
(= Zuckerkrankheit)
Am gleichen oder nächsten Tag zwecks Abklärung zum Kinderarzt gehen, da Stoffwechselentgleisungen binnen ­kurzer Zeit möglich sind
Abgeschlagenheit
  • Kälteempfindlichkeit
  • Evtl. Gewichtszunahme
Schilddrüsenunterfunktion Möglichst bald Termin beim Kinderarzt ausmachen
Aktualisiert ( Dienstag, den 25. August 2009 um 10:27 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München