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Herz- und ­Kreislaufstörungen

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne Schäffler
Dienstag, den 28. Juli 2009 um 08:46 Uhr

Wie stark die einzelnen Organe des Körpers miteinander verzahnt sind, zeigt sich beispielhaft an der Herzfrequenz, also daran, wie schnell das Herz schlägt.
Schlägt das Herz etwa zu schnell (der Arzt nennt dies Tachykardie), so kommt als Ursache so ziemlich jedes Organ in Betracht:

Ein schneller Herzschlag entsteht etwa immer dann, wenn der Stoffwechsel hart ar­bei­ten muss – also bei Fieber, An­stren­gung, bei schweren Erkrankungen, aber auch bei Atemnot, die ja einen »Marathonlauf der Atemmuskeln« darstellt. Nur selten geht der schnelle Herzschlag vom Herz selbst aus und deutet dann auf eine Herz­schwä­che, eine Herzrhythmusstörung oder eine Herz­ent­zün­dung (meist eine Entzündung des Herzmuskels) hin. Ebenfalls selten spiegelt der rasche Puls einen nicht ausreichend funktionierenden Kreislauf wider, etwa bei Blutverlusten, Blutarmut oder bei schwerer Austrocknung.

Doch dies sind noch längst nicht alle Ursachen für eine erhöhte Herzfrequenz. Weitere Ursachen sind z. B. hormoneller Art (wie etwa Schilddrüsenüberfunktion oder Unterzuckerung). Dass auch Nerven ein Wörtchen mitreden, zeigt der hohe Pulsschlag bei Nervosität, Angst und bei Schmerzen sowie bei Erkrankungen des Gehirns (vom Sonnenstich bis zur Hirnblutung).

In der Regel ist die hohe Herzfrequenz von einer raschen Atmung begleitet – meist ist sie ja Ausdruck davon, dass der Körper härter arbeitet, und dazu braucht er auch mehr Sauerstoff.
Die Herzfrequenz wird durch das Auszählen des Pulses gemessen, in praktisch allen Fällen führt nämlich jeder Herzschlag auch zu einer sich durch den Kreislauf ausbreitenden Pulswelle. Am besten tastbar ist der Puls an der Speichenschlagader, also an der (zum Daumen hin gelegenen) Innenseite des Handgelenks.

Normalwerte für den Puls
2 Jahre:     110 Schläge/Min.
6 Jahre:     100 Schläge/Min.
10 Jahre:     90 Schläge/Min.
14 Jahre:     80 Schläge/Min.

Herz- und Kreislaufstörungen. Genaues Beschwerdebild Was sich am ehesten dahinter verbirgt Erste Maßnahmen
Schneller Herzschlag   Keine Sofortmaßnahmen nötig. Ist der schnelle Herzschlag durch Fieber, Aufregung oder die anderen links aufgeführten Faktoren bedingt, geht er nach Beseitigung der Ursache von selbst wieder vorbei. Zum Kinderarzt gehen, wenn der Herzschlag schon bei geringer körper­licher Anstrengung stark ansteigt, in Ruhe auch ohne besondere Auslöser zu hoch ist oder das Kind weitere Beschwerden hat
  • Bei Schmerzen, Fieber, Aufregung, körperlicher Anstrengung
  • Normale Reaktion des Körpers
  • Nach Genuss von schwarzem Tee, Kaffee oder Cola
  • Normale Reaktion des Körpers
  • Mit weiteren Beschwerden, etwa verminderter Belastbarkeit, rascher Atmung
Starke Blutarmut, Herzrhythmusstörung, Entzündungen des Herzens, Herzschwäche, schwere Allgemeinerkrankung (z. B. Blutvergiftung, Lungenentzündung), schwere Stoffwechselentgleisungen (z. B. Schilddrüsenüberfunktion, Unterzuckerung)

Schneller Herzschlag

  • Mit Zeichen der Austrocknung (trockene Lippen, trockene Schleimhäute, oft bei Durchfall und Erbrechen)
Austrocknung
(= Dehydratation)
Behandlung durch »Wiederauffüllen der Wasserspeicher«
Herzklopfen nach körperlicher Anstrengung Schneller Herzschlag durch die Anstrengung Keine Sofortmaßnahmen nötig, dass man nach körperlicher Anstrengung seinen eigenen Herzschlag als Herzklopfen verspürt, ist normal. Zum Kinderarzt gehen, wenn das Kind schon bei geringer Anstrengung Herzklopfen bekommt

Herzklopfen bei bekanntem ­Bluthochdruck

  • Möglicherweise weitere Beschwerden wie etwa Kopfschmerzen
Bluthochdruckkrise Blutdruck messen. Bei zu hohen Werten die vom Arzt verordneten Notfallmedikamente geben, bei Wirkungslosigkeit zum Kinderarzt gehen
Herzrasen    
  • Nach körperlicher Anstrengung, dann ohne weitere Beschwerden
  • Schneller Herzschlag durch die Anstrengung
  • Manchmal beschreiben Kinder das Herzklopfen nach körperlicher Anstrengung als Herzrasen. Puls tasten – in Ruhe schlägt das Herz binnen weniger Minuten wieder langsamer
  • Ohne besondere Auslöser, dann oft mit Unruhe, Blässe, Schweißausbruch, Übelkeit oder Brustschmerzen, in ausgeprägten Fällen Bewusstlosigkeit
  • Sofort zum Kinderarzt gehen, bei Luftnot, bläulicher Haut oder Bewusst­losigkeit Notarzt rufen
Schneller werdender Herzschlag beim Einatmen, langsam werdender Herzschlag beim Ausatmen Normal Keine Maßnahmen erforderlich – gerade Kinder zeigen ein ausgeprägtes »Mitgehen« des Herzschlages mit der Atmung (sog. respiratorische Arrhythmie)
Herzstolpern/unregelmäßiger Herzschlag   Die meisten Beobachtungen eines unregelmäßigen Herzschlages bei Kindern sind ohne Krankheitswert. Schlägt das Herz des Kindes aber häufig unregelmäßig, zur Abklärung zum Kinderarzt gehen, ebenso bei Beschwerden (je stärker die Beschwerden, desto schneller)
  • Gelegentlich, ohne weitere Beschwerden
  • Normal
  • Häufig oder mit weiteren Beschwerden
Langsamer Herzschlag   Jugendliche, die viel (Ausdauer-)Sport betreiben, haben in Ruhe oft einen Puls unter 50/Minute. Ist der langsame
Puls aber mit Beschwerden wie Schwindel oder Leistungsminderung verbunden, zum Arzt gehen, bei akuten Problemen sofort, bei Bewusstlosigkeit Notarzt rufen
  • Bei sportlich trainiertem Kind/Jugendlichen in Ruhe, keine weiteren Beschwerden
  • Normaler Ausdruck des guten Trainingszustandes
  • Weitere Beschwerden, vor allem Schwäche, Schwindel, Übelkeit, in ausgeprägten Fällen Bewusstlosigkeit

Kreislaufprobleme

  • Nach langem Stehen, vor allem in Wärme
  • Schwindel, Schwarzwerden vor den Augen und Ohrensausen, in ausgeprägten Fällen kurze Bewusstlosigkeit
Orthostase-Syndrom Kind hinlegen lassen, Beine hochlagern. Hierunter in aller Regel Besserung innerhalb kürzester Zeit. Bei länger dauernder Bewusstlosigkeit oder Beschwerden danach Notarzt rufen. Bei häufigem Auftreten oder Auftreten ohne die typischen Auslöser Stehen und Wärme zwecks Abklärung zum Kinderarzt gehen

Kreislaufprobleme

  • »Anlaufschwierigkeiten« morgens
Niedriger Blutdruck Ein niedriger Blutdruck ist bei Kindern in aller Regel
ohne Krankheitswert. Zum Arzt gehen bei zusätzlichen Beschwerden wie etwa Gewichtsabnahme. Siehe Selbshilfemaßnahmen
Aktualisiert ( Mittwoch, den 26. August 2009 um 15:26 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit für Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag München