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Einkoten

Geschrieben von: Dr. med. Herbert Renz-Polster, Dr. med. Nicole Menche, Dr. med. Arne SchÀffler
Donnerstag, den 16. Juli 2009 um 15:35 Uhr

Unter Einkoten (= Enkopresis) versteht man den unkontrollierten Abgang von Stuhl bei Kindern, die an sich schon sauber sein sollten und dies teilweise auch schon waren.

Viele Kinder gehen im Kleinkindalter durch eine Phase, in der sie immer einmal wieder, z. B. beim Spielen, etwas »Land« in die Unterhose setzen – und sei es nur deshalb, weil der Sandkasten ein viel interessanterer Ort ist als das Klo.
Hinter dem echten, d. h. regelmĂ€ĂŸigen und andauernden Einkoten steht jedoch mehr als nur Bequemlichkeit: So neigen vor allem Kinder mit chronischer Verstopfung zum Einkoten. Sitzt der harte Stuhl nĂ€mlich wie ein Stopfen im Mastdarm fest, so beginnt der Stuhl vor dem Hindernis zu vergĂ€ren und sich zu verflĂŒssigen. Er lĂ€uft nun unbemerkt an dem Stuhlpfropf vorbei – die Folge ist ein stĂ€ndiges Stuhlschmieren (auch als paradoxer Durchfall bezeichnet), das die Kinder selbst oft gar nicht bemerken.
Ein solches Stuhlschmieren kann bei allen mit chronischer Verstopfung einhergehen­den Krankheiten vorkommen, vor allem bei der chronisch habituellen (gewohnheitsmĂ€ĂŸigen) Verstopfung und dem Morbus Hirschsprung. Es kann, seltener, auch bei Kindern mit Erkrankungen der RĂŒckenmarksnerven (z. B. Spina bifida) oder bei den extrem seltenen Fehlbildungen des Mastdarms beobachtet werden.

Dass beim Einkoten »volle Portionen« abgesetzt werden, ist eher selten und kommt etwa bei Kindern mit schwerer geistiger Be­hin­derung oder auch bei schweren Ver­hal­tens­störungen vor – im letzteren Fall dient das Einkoten im wahrsten Sinne des Wortes als »Ventil« aufgestauter Probleme.

Bevor jedoch das Verhalten eines Kindes, ein »ungĂŒnstiges Elternhaus« oder psychische Pro­bleme fĂŒr das Einkoten ver­ant­wortlich ge­macht werden, sollte das Kind vom Kinderarzt genau untersucht werden. Kinder koten nicht monate- oder gar jahrelang ein, nur weil sie etwas Stress zu Hause haben! Schon viele Kinder wurden jahrelang wegen angeblicher »psychischer Probleme« behandelt, obwohl sie eigentlich an einer behandelbaren Form der Verstopfung litten. Dabei waren die psychischen Probleme dieser Kinder die Folge und nicht die Ursache des Einkotens. Wer wĂŒrde bei einer solch stigmatisierenden und ausgrenzenden, jeden positiven Umgang mit anderen Kindern praktisch zunichte machenden Erkrankung nicht psychisch auffĂ€llig!

Aktualisiert ( Mittwoch, den 26. August 2009 um 15:49 Uhr )

© Herbert Renz-Polster et. al.: Gesundheit fĂŒr Kinder, 2. Auflage 2006, Kösel Verlag MĂŒnchen